„Schon die No­mi­nie­rung macht uns stolz“

Vom OB bis zur Grund­schul­leh­re­rin: Karls­ru­her Stim­men zur Kar­rie­re der Fil­me­ma­che­rin Ma­ren Ade

Pforzheimer Kurier - - SPANNUNG VOR DER OSCAR-NACHT - Von un­se­ren Re­dak­ti­ons­mit­glie­dern Patri­cia Ka­luz­ny und Andreas Jütt­ner

Her­bert Born ist schon mal op­ti­mis­tisch: Der Lei­ter des Karls­ru­her Ki­nos „Schau­burg“zeigt „To­ni Erd­mann“zwar seit et­li­chen Wo­chen im­mer sonn­tags als Matinee-Vor­stel­lung („Für al­le, die ihn noch nicht ge­se­hen ha­ben“) – mor­gen aber nicht. Statt des­sen ist der Film für Mon­tag, 18 Uhr, an­ge­setzt – und Born hofft, dann ei­nen Os­car-Ge­win­ner zei­gen zu kön­nen. Aber auch oh­ne die­se Krö­nung ist er mit der Aus­wer­tung höchst zu­frie­den: „Wir ha­ben den Film seit dem Ki­no­start im ver­gan­ge­nen Ju­li im Pro­gramm und bis­her rund 10 000 Zu­schau­er – das ist für un­se­re Ver­hält­nis­se sehr er­folg­reich.“Die Nach­fra­ge führt er auf den Rum­mel um den Film und die Mund­pro­pa­gan­da zu­rück, aber auch auf die Karls­ru­her Her­kunft von Ma­ren Ade: „Sie war bis­her mit je­dem ih­rer Fil­me hier zu Gast“, sagt Born. „Als ich An­fang 2005 die Schau­burg über­nom­men ha­be, lief ihr De­büt ,Der Wald vor lau­ter Bäu­men‘ gera­de seit ei­ner Wo­che, und schon die­ser Film hat­te in Karls­ru­he mehr Be­su­cher als im Bun­des­durch­schnitt.“

Im be­schau­li­chen Karls­ru­her Stadt­teil Ho­hen­wet­ters­bach ist ges­tern Vor­mit­tag we­nig vom Os­car-Gla­mour zu spü­ren. In der Metz­ge­rei Lust an der Orts­durch­fahrt geht es eher hand­fest zu. Wa­chol­der­schin­ken wird auf­ge­schnit­ten, Fleisch ge­wolft. Ei­ne Kun­din ver­langt nach Rou­la­den. Ma­ren Ade? Kopf­schüt­teln. „To­ni Erd­mann?“Jetzt nickt zu­min­dest die Kun­din mit den Rou­la­den. „Ja, hab ich ge­se­hen. Der Film hat aber nicht mei­nen Hu­mor ge­trof­fen“, ge­steht sie. Gut 100 Me­ter wei­ter, in der Orts­ver­wal­tung, ist das Os­car-Fie­ber schon deut­lich hö­her. Orts­vor­ste­he­rin El­ke Er­ne­mann wird die Ver­lei­hung im TV zwar nicht ver­fol­gen, sie drückt aber der Re­gis­seu­rin ganz fest die Dau­men. „Es gibt hier im Ort vie­le Leu­te, die sich noch an die Fa­mi­lie Ade er­in­nern. Im­mer­hin hat Ma­ren Ade ei­nen Teil ih­rer Kind­heit hier ver­bracht.“Soll­te Ades Film in Los An­ge­les tat­säch­lich den Gold­jun­gen ge­win­nen, will Er­ne­mann nicht nur Glück­wün­sche schi­cken, „wir wer­den sie selbst­ver­ständ­lich nach Ho­hen­wet­ters­bach ein­la­den“, ver­si­chert sie.

We­ni­ge Schrit­te vom Ho­hen­wet­ters­ba­cher Rat­haus ent­fernt, steht die Grund­schu­le. „Schu­le im Lus­tgar­ten“heißt sie. Dort drück­te Ma­ren Ade in der zwei­ten Klas­se die Schul­bank. Ih­re da­ma­li­ge Klas­sen­leh­re­rin Bar­ba­ra Br­zos­ka er­in­nert sich noch gut an das auf­ge­weck­te Mäd­chen. „Sie war sehr in­tel­li­gent und sehr in­ter­es­siert an Fil­men und Bü­chern. Da­mals lief der Film ,Ron­ja Räu­ber­toch­ter‘ – Ma­ren er­zähl­te mir je­den Tag über­spru­delnd da­von. Sie hat auch tol­le Auf­sät­ze ge­schrie­ben. Man hat schon ihr be­son­de­res Ta­lent raus­ge­spürt.“Br­zos­ka er­in­nert sich noch gut, wie sie mal zu Ma­ren Ade sag­te: „Du wirst mal ei­ne Schrift­stel­le­rin. Du wirst auf je­den Fall et­was mit Li­te­ra­tur oder Film ma­chen.“

Et­was über den Tel­ler­rand Ho­hen­wet­ters­bachs hin­aus blickt Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup: „Für Karls­ru­he wä­re ein Os­car für Ma­ren Ade ein ech­ter Knal­ler und wür­de un­se­rer krea­ti­ven und in­no­va­ti­ven Region emo­tio­nal mäch­tig Auf­trieb ge­ben. Und das nicht nur für die hie­si­ge Film­sze­ne, die sich ja gera­de in die­sen Jah­ren un­ter an­de­rem mit den In­de­pen­dent Days und dem do­kKA-Do­ku­men­tar­film­fes­ti­val präch­tig ent­wi­ckelt.“Men­trup ver­si­chert: „Auch schon die Os­car-No­mi­nie­rung für Ma­ren Ade macht uns al­le mäch­tig stolz auf die­se Toch­ter Karls­ru­hes!“

Oli­ver Lan­ge­witz schaut sich nor­ma­ler­wei­se nur die Zu­sam­men­fas­sung der Os­car-Ver­lei­hung an. Dies­mal könn­te er ei­ne Aus­nah­me ma­chen und den We­cker stel­len. „Ich fie­be­re schon mit“, ver­rät der Grün­der des Film­board Karls­ru­he, der mit Ma­ren Ade das Abitur am Helm­holtz-Gym­na­si­um ge­macht hat. „Wir be­leg­ten bei­de den Leis­tungs­kurs Bil­den­de Kunst. Schon da­mals dreh­te sie kur­ze ex­pe­ri­men­tel­le Fil­me“, er­in­nert sich Lan­ge­witz und freut sich über den Er­folg sei­ner ehe­ma­li­gen Schul­ka­me­ra­din. Das Film­ge­schäft ist schwie­rig – gera­de für Re­gis­seu­rin­nen. „Sie hat sich aber ei­nen Na­men er­ar­bei­tet, sie ist ein sehr gro­ßes Vor­bild.“

Foto: Done­cker

BE­SUCH IN DER HEI­MAT: Schon ihr Kin­o­de­büt „Der Wald vor lau­ter Bäu­men“stell­te Ma­ren Ade 2005 per­sön­lich in der Karls­ru­her Schau­burg vor.

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