Stück ge­gen Aus­gren­zung

Ein Afri­ka­ner spielt den „Haupt­mann von Kö­pe­nick“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Dass meh­re­re aus­län­di­sche Schau­spie­ler die Stadt Al­ten­burg we­gen ras­sis­ti­scher An­fein­dun­gen ver­las­sen wol­len, hat über­re­gio­nal für Auf­se­hen ge­sorgt. Das Thea­ter zeigt der­weil mit sei­ner neu­en Pre­mie­re, dass es sich nicht von An­fein­dun­gen ein­schüch­tern lässt: Am mor­gi­gen Sonn­tag bringt es „Der Haupt­mann von Kö­pe­nick“auf die Büh­ne – die Haupt­rol­le spielt der aus Bur­ki­na Fa­so stam­men­de Ou­el­go Té­né. „Carl Zuck­may­er hat sich einst be­schwert, dass der Er­folg des Stü­ckes zu Las­ten der po­li­ti­schen Bot­schaft geht“, sagt Schau­spiel­di­rek­tor Bern­hard Sten­ge­le. „Das wird bei uns nicht so sein.“Té­né als Schus­ter Voigt, der in die Haupt­manns­uni­form schlüpft und das Rat­haus von Kö­pe­nick be­setzt, ste­he gera­de durch sei­ne Her­kunft und Haut­far­be für all die Men­schen, die am Ran­de der Ge­sell­schaft stün­den.

Die Ko­mö­die ist nicht nur als Thea­ter­stück be­kannt, son­dern vor al­lem durch die Ver­fil­mung mit Heinz Rüh­mann in der Haupt­rol­le. „Der Schus­ter Voigt ist ei­ner, der nicht von der Ge­sell­schaft ak­zep­tiert wird“, sagt Sten­ge­le. Wie er müss­ten heu­te vie­le Aus­ge­grenz­te um ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung kämp­fen und droh­ten in den Müh­len der Bü­ro­kra­tie un­ter­zu­ge­hen. Die­ses Pro­blem sei nicht erst durch den gro­ßen Zustrom vom Flücht­lin­gen vi­ru­lent ge­wor­den. „Der zu­neh­men­de Na­tio­na­lis­mus in vie­len Län­dern die­ser Welt er­schwert im­mer mehr Men­schen den Zu­gang zur Ge­sell­schaft. Leu­te, die nicht hier ge­bo­ren sind, wer­den im­mer stär­ker aus­ge­grenzt.“Die­ses Pro­blem wol­le die Ins­ze­nie­rung deut­lich ma­chen. Das Thea­ter hat­te vor ei­ni­gen Wo­chen Schlag­zei­len ge­macht, weil meh­re­re aus­län­di­sche Schau­spie­ler zum En­de der Spiel­zeit ge­hen – auch we­gen wach­sen­der Ag­gres­si­on, die sie nach ei­ge­ner Darstel­lung im All­tag au­ßer­halb des Thea­ters er­le­ben. dpa

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