Gue­ril­la-Chic auf dem Lauf­steg

Mai­län­der Mo­de­wo­che setzt Ba­na­les aus dem All­tag in ei­nen ganz neu­en Kon­text

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Mai­land (dpa). Kann auch ei­ne Mo­de­wo­che Be­le­ge da­für lie­fern, dass die Ge­sell­schaft tief ge­spal­ten ist? Ja, in Mai­land, am Ein­gang zur Fen­di-Show. Vor der Ab­sper­rung ei­ne Hand­voll Ak­ti­vis­ten, die laut­stark auf das Recht der Tie­re hin­wei­sen, ihr Fell aus­schließ­lich selbst zu tra­gen. Da­hin­ter die Fa­shio­nis­tas im neu­es­ten Pelz-Style. Es sind ein­an­der frem­de Wel­ten mit je­weils fes­ten Glau­bens­sät­zen.

Die ers­ten zwei­ein­halb Ta­ge der Mai­land-Shows mit den Kol­lek­tio­nen für die Sai­son Herbst/Win­ter 2017/18 sind nun ab­sol­viert – und der Trum­pEf­fekt hielt sich bis­her in Gren­zen. Viel­leicht liegt es dar­an, dass die Ber­lus­co­ni-er­prob­ten Ita­lie­ner den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten deut­lich ent­spann­ter se­hen. So hat­te mit Wolf­gang Jo­op ein Deut­scher die bis­lang klars­te Po­lit-Bot­schaft. In sei­ner Wun­der­kin­dShow ging es um das Er­wa­chen der Ge­sell­schaft – als Sym­bol wähl­te er ja­pa­ni­sche Kirsch­blü­ten-Dru­cke. Und Mo­dels zeig­ten sich mit Ca­mou­fla­ge, Hoo­dies und ver­mumm­ten Ge­sich­tern – wie be­reit für den Wi­der­stand.

Ba­na­les aus dem All­tag in ei­nen ganz neu­en Kon­text zu set­zen, ist im Mo­ment ei­ne der span­nends­ten Mo­de­strö­mun­gen. Denn al­len däm­mert ir­gend­wie, dass das ab­so­lut, das aus sich selbst her­aus ent­ste­hen­de Neue wohl nicht mehr zu er­war­ten ist. Die Dre­hung ei­ni­ger La­bels in Rich­tung ei­ner et­was bour­geoi­se­ren Ele­ganz ist eher rück­wärts- als vor­wärts­ge­wandt.

Es geht dar­um, ei­ne mög­lichst gu­te Sto­ry zu er­zäh­len. Und die soll­te so aus­ge­schmückt sein, dass sie sich gut über Foto-Platt­for­men wie Ins­ta­gram ver­mark­ten lässt. So er­klärt sich auch der Hy­pe um Guc­ci. Was Ales­san­dro Mi­che­le auch die­ses Mal wie­der auf den Lauf­steg brach­te, war die Ent­kop­pe­lung vom Hier und Jetzt.

Gior­gio Ar­ma­ni hat ei­ne gan­ze Stil­epo­che ge­prägt. Längst schon kann er aus dem ei­ge­nen Le­bens­werk zi­tie­ren. In sei­ner von Schwarz-Wei­ßKon­tras­ten do­mi­nier­ten jun­gen Em­po­rio-Li­nie über­setz­te er klas­si­sche Tex­til­mus­ter wie Fisch­grät oder Pe­pi­ta mo­dern auf PVC. Sein Pelz ist „öko“, wie es of­fi­zi­ell heißt – al­so wohl syn­the­tisch.

Foto: dpa

VERMUMMTES GE­SICHT und den Mor­gens­tern als Hand­ta­sche gleich da­bei hat die­ses Mo­del bei der Prä­sen­ta­ti­on von Wolf­gang Jo­op.

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