„Je­des Mal reizt mich die Auf­ga­be er­neut“

OB Frank Men­trup zieht ei­ne Halb­zeit­bi­lanz

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Mit ei­ner his­to­ri­schen Stra­ßen­bahn ging es am ers­ten Ar­beits­tag für OB Frank Men­trup (SPD) ins Rat­haus, dort muss­te er sin­ni­ger­wei­se be­reits am ers­ten Tag über die Sper­rung der öst­li­chen Kai­ser­stra­ße an­ge­sichts der Wid­rig­kei­ten der ins Sto­cken ge­ra­te­nen U-Stra­bAr­bei­ten ent­schei­den.

Am 1. März sind es ge­nau vier Jah­re, dass OB Men­trup im Amt ist. Am 2. De­zem­ber 2012 ge­wann er die Ober­bür­ger­meis­ter­wahl gleich im ers­ten Wahl­gang ge­gen sei­nen CDU-Kon­kur­ren­ten In­go Wel­len­reu­ther, am 1. März 2013 trat er die Nach­fol­ge von Heinz Fen­rich (CDU) an. Un­ter­stützt durch die SPD, aber auch durch Grü­ne, KAL und Pi­ra­ten be­en­de­te er die Do­mi­nanz christ­de­mo­kra­ti­scher Ober­bür­ger­meis­ter im Karls­ru­her Rat­haus. Ges­tern zog Men­trup vor Me­di­en­ver­tre­tern ei­ne – na­tur­ge­mäß – po­si­ti­ve Bi­lanz sei­ner bis­he­ri­gen Amts­zeit. Da­bei er­in­ner­te er an sein al­tes Wahl­kampf­mot­to „Zu­hö­ren, Ver­bin­den, Gestal­ten“das wei­ter Leit­schnur für ihn sei. Sei­ne gest­ri­ge Bi­lanz war zwei­ge­teilt: Ein­mal die per­sön­li­che Ebe­ne, dann die fach­li­che Ebe­ne mit zen­tra­len Wei­chen­stel­lun­gen in der Kom­mu­nal­po­li­tik.

Men­trups Lie­be zum Amt des Ober­bür­ger­meis­ters ist dem­nach wei­ter un­ge­bro­chen. „Je­des Mal reizt mich die Auf­ga­be er­neut“, gab er ges­tern zu. Das Amt sei ge­nau­so viel­fäl­tig und ab­wechs­lungs­reich, wie er sich das vor­ge­stellt ha­be. Er räum­te aber ein, dass er die kör­per­li­chen Be­las­tun­gen un­ter­schätzt ha­be. „Es ist schon ein un­glaub­lich be­las­ten­der Job.“Men­trup ver­wies auf das ver­gan­ge­ne Jahr, in dem er „zeit­wei­se psy­chisch und phy­sisch an die Gren­ze“ge­kom­men sei. Da­mals ging es um die kri­sen­haf­te Zu­spit­zung der Kom­bi­lö­sung so­wie die auf­wen­di­ge End­pha­se der Wild­park­ver­hand­lun­gen. Die­ses Jahr sei es ihm nun ge­lun­gen, „Ter­mi­ne und Gesundheit wie­der in die Ba­lan­ce zu brin­gen“. In­halt­lich wür­dig­te Men­trup die kon­struk­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit mit Ver­wal­tung und Ge­mein­de­rat, zähl­te ne­ben der Kom­bi­lö­sung Pro­jek­te wie das Wild­park­sta­di­on, die An­stren­gun­gen für ei­ne ver­bes­ser­te Woh­nungs­bau­po­li­tik, die ge­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit mit der Region, den Haus­halts­sta­bi­li­sie­rungs­pakt, die Be­tei­li­gung der Bür­ger durch Bür­ger­fo­ren auf. Und na­tür­lich ver­gaß Men­trup auch den Stadt­ge­burts­tag 2015 nicht. „Die Bür­ger be­ken­nen sich zur Stadt und ent­wi­ckeln ei­nen Stolz auf sie“, be­schrieb er ei­ne der Aus­wir­kun­gen – ne­ben et­wa bei­spiels­wei­se dem kon­kre­ten Er­be wie die Schloss­licht­spie­le. Und: „Die Stadt wird von au­ßen viel deut­li­cher wahr­ge­nom­men.“Die Rol­le Karls­ru­hes in der Region sieht er auch ge­stärkt durch die Initia­ti­ven zum Um­bau der Tech­no­lo­gie­re­gi­on Karls­ru­he. Als künf­ti­ge Schwer­punk­te sei­ner Ar­beit nennt er das The­ma Ge­rech­tig­keit „her­un­ter­de­kli­niert auf hie­si­ge Ver­hält­nis­se“, das The­ma In­klu­si­on oder auch die „grü­ne“Stadt.

Von sei­ner ei­ge­nen Par­tei be­kam Men­trup ges­tern erst ein­mal ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Lob. „Schon nach kur­zer Zeit avan­cier­te er zu ei­nem über­ra­gen­den und über­zeug­ten Karls­ru­her Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, des­sen Cre­do wei­ter­hin zu­al­ler­erst der Dia­log mit den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern sein wird“, schrieb ges­tern Par­tei- und Frak­ti­ons­chef Par­sa Mar­vi. Am 7. März fei­ern die So­zi­al­de­mo­kra­ten „ih­ren“OB mit ei­ner kul­tur­ge­präg­ten Ver­an­stal­tung im Subs­ta­ge. Am Tag da­nach trifft sich Men­trup mit den Grü­nen, da dürf­te es an­ge­sichts ei­ni­ger Rei­bungs­punk­te durch­aus kon­tro­ver­ser zu­ge­hen. Auch ein Tref­fen mit den Un­ter­stüt­zern der Karls­ru­her Lis­te ist ge­plant.

Die vor­erst ge­schei­ter­ten Am­bi­tio­nen von Men­trup auf der Ebe­ne der Lan­des­SPD be­rei­ten ihm kei­ne Kopf­zer­bre­chen. Be­kannt­lich ging die SPD nach der ver­nich­ten­den Land­tags­wahl­nie­der­la­ge nicht auf das An­ge­bot Men­trups ein, als Stell­ver­tre­ter mit­zu­wir­ken. „War­ten wir mal ab“, so ist Men­trups De­vi­se. Zwar ist bis zum OB-Wahl­ter­min 2021 noch viel Zeit und da­mit auch Zeit für kon­kre­te An­kün­di­gun­gen, doch ges­tern be­kann­te Men­trup: „Nach mei­ner ak­tu­el­len Le­bens­pla­nung ist ei­ne zwei­te Amts­zeit vor­ge­se­hen.“

EIN HÖ­HE­PUNKT war für OB Men­trup si­cher der Be­such von Bun­des­prä­si­dent Gauck und Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann beim Stadt­ge­burts­tag. Foto: Deck

MIT TATENDRANG: Frank Men­trup hat auch in der zwei­ten Hälf­te sei­ner Amts­zeit viel vor. Foto: jo­do

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