Sta­li­nis­ti­sche Me­tho­den

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - RICHARD KIESSLER

Der bi­zar­re Gift­mord an dem Halbbruder des nord­ko­rea­ni­schen Macht­ha­bers Kim Jong Un of­fen­bart ein­mal mehr die sta­li­nis­ti­schen Me­tho­den des Re­gimes in Pjöng­jang bei der Ver­fol­gung sei­ner Geg­ner. Nach­dem nun er­wie­sen ist, dass die bei­den ge­dun­ge­nen Mör­de­rin­nen auf dem Flug­ha­fen der ma­lay­si­schen Haupt­stadt Kua­la Lum­pur ih­rem Op­fer Kim Jong Nam den Ner­ven­kampf­stoff VX ins Ge­sicht schmier­ten, sind die Zwei­fel an der Tä­ter­schaft Nord­ko­reas aus­ge­räumt. Der ab­ge­schot­te­te Staat ver­fügt über gro­ße Men­gen die­ses im in­ter­na­tio­na­len Che­mie­waf­fen­ab­kom­men ge­äch­te­ten, rasch wirk­sa­men töd­li­chen Gif­tes. Als Mo­tiv für den Bru­der­mord hat Süd­ko­reas Ge­heim­dienst­chef Lee Byong Ho die „wahn­haf­te Stö­rung“des paus­bä­cki­gen Dik­ta­tors in Pjöng­jang aus­ge­macht. Die wah­ren Be­weg­grün­de, den eins­ti­gen Lieb­lings­sohn des ver­stor­be­nen ge­mein­sa­men Va­ters Kim Jong Il aus dem Weg zu räu­men, sind je­doch we­sent­lich hand­fes­ter: Schon die Hin­rich­tung sei­nes On­kels und Men­tors Jong Song Thaek 2012 als „Ver­rä­ter“nähr­te Mut­ma­ßun­gen, dass die­ser in Chi­na son­diert hat­te, den reiz­ba­ren Jung-Dik­ta­tor durch sei­nen äl­te­ren Halbbruder zu er­set­zen. Mehr­fach sind Ver­su­che ge­schei­tert,

in Pjöng­jang ein chi­na­freund­li­ches Re­gime zu eta­blie­ren. Kim Jong Nam war in Ungna­de ge­fal­len, weil er die „dy­nas­ti­sche Thron­fol­ge“in Nord­ko­rea für un­zeit­ge­mäß hielt und für wirt­schaft­li­che Re­for­men nach dem Vor­bild Chi­nas ein­trat. Er leb­te seit 2012 in der chi­ne­si­schen Son­der­ver­wal­tungs­zo­ne Ma­cao und er­hielt Per­so­nen­schutz vom Re­gime in Pe­king. Weil er al­le Auf­for­de­run­gen in den Wind schlug, nach Nord­ko­rea zu­rück­zu­keh­ren, dreh­te Kim Jong Un jetzt den Geld­hahn zu und ließ of­fen­sicht­lich den Mord­be­fehl aus­füh­ren. Das At­ten­tat von Kua­la Lum­pur be­las­tet die vom ge­gen­sei­ti­gen Miss­trau­en ge­präg­ten Be­zie­hun­gen zwi­schen Chi­na und Nord­ko­rea er­heb­lich. Mit sei­nen Ap­pel­len, das un­kon­trol­lier­te Atom­pro­gramm und die Ra­ke­ten­tests ein­zu­stel­len, lässt Nord­ko­rea sei­ne eins­ti­ge Schutz­macht im­mer wie­der auf­lau­fen. Der 2011 an die Macht ge­lang­te Kim Jong Un und Chi­nas Staats­chef Xi Jing­ping ha­ben sich noch nie ge­trof­fen. Und letz­te Wo­che stopp­te Chi­na aus Pro­test ge­gen den letz­ten nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­ab­schuss sämt­li­che Koh­l­e­im­por­te bis zum Jah­res­en­de. Das wirt­schaft­lich bank­rot­te Nord­ko­rea emp­fin­det die­se Sank­ti­on als „ge­mein“und wirft dem eins­ti­gen Bru­der­volk vor, bei den USA „zu Kreuze zu krie­chen.“

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