Für Jour­na­lis­ten nicht zu spre­chen

Trump ver­schärft An­grif­fe auf die Me­di­en

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Wa­shing­ton. US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­schärft sei­ne An­grif­fe ge­gen die Me­di­en im­mer wei­ter. Er droht bei ei­nem Kon­ser­va­ti­ven-Tref­fen omi­nös da­mit, et­was ge­gen die „fa­ke news me­dia“zu tun, pran­gert die Ver­wen­dung an­ony­mer Qu­el­len in Be­rich­ten an. Am Wo­che­n­en­de ver­kün­det Trump, dass er nicht am tra­di­tio­nel­len Din­ner der beim Wei­ßen Haus ak­kre­di­tier­ten Jour­na­lis­ten teil­neh­men wird. Die wich­tigs­ten Fra­gen zu dem The­men­kom­plex be­ant­wor­tet un­se­re Mit­ar­bei­te­rin Ga­b­rie­le Chwal­lek.

Was ist der Hin­ter­grund der jüngs­ten Es­ka­la­ti­on?

Man kann wohl an­neh­men, dass es bei Trump im­mer noch tief sitzt, dass er nach Me­dien­ent­hül­lun­gen über Russ­land-Kon­tak­te ge­zwun­gen war, sei­nen na­tio­na­len Si­cher­heits­be­ra­ter Micha­el Flynn zu ent­las­sen. Und jüngs­ter St­ein des An­sto­ßes war an­schei­nend ein CNN-Be­richt, wo­nach ein hoch­ran­gi­ger Trum­pMit­ar­bei­ter das FBI er­sucht hat, öf­fent­lich Mel­dun­gen über Russ­land-Kon­tak­te wäh­rend des Wahl­kamp­fes zu ent­kräf­ten. In bei­den Fäl­len be­ruh­ten die Be­rich­te auf un­dich­ten Stel­len, und sol­che Leaks hat es seit Trumps Amts­an­tritt schon mehr als ein Dut­zend Mal ge­ge­ben. Das kocht bei ihm an­schei­nend im­mer stär­ker hoch.

War­um kom­men die­se Leaks un­ter Trump so häu­fig vor? Die Ver­mu­tung liegt na­he, dass es in sei­ner Um­ge­bung ei­ni­ge Op­po­nen­ten ge­gen sei­nen Kurs oder auch ge­gen engs­te Ver­trau­te gibt. Trump re­agiert äu­ßerst emp­find­lich auf Kri­tik, da­her kann man wohl da­von aus­ge­hen, dass Kri­ti­ker die Leaks als Mit­tel ein­set­zen, um auf in­di­rek­tem Weg Kurs­kor­rek­tu­ren zu er­rei­chen.

Wie un­ge­wöhn­lich ist es, dass ein Prä­si­dent dem all­jähr­li­chen Jour­na­lis­ten-Ga­lad­in­ner fern­bleibt?

Zu­letzt war es Ro­nald Rea­gan, der nicht kam. Das war 1981, als er sich nach dem fehl­ge­scha­ge­nen At­ten­tat auf ihn noch von sei­nen Ver­let­zun­gen er­hol­te. Aber er rief im­mer­hin wäh­rend des Ban­ket­tes an. Auch das wird es dies­mal nicht ge­ben. Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma brach­te die Teil­neh­mer re­gel­mä­ßig mit lau­ni­gen Re­den zum La­chen. Im Vor­jahr wit­zel­te Oba­ma noch über Trump, den da­ma­li­gen Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber.

Wie steht es grund­sätz­lich mit der Pres­se­frei­heit in den USA?

Sie ist in der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung ver­an­kert. In ei­nem Zu­satz­ar­ti­kel heißt es: „Der Kon­gress darf kein Ge­setz er­las­sen, das die Ein­füh­rung ei­ner Staats­re­li­gi­on zum Ge­gen­stand hat, die freie Re­li­gi­ons­aus­übung ver­bie­tet, die Re­deo­der Pres­se­frei­heit oder das Recht des ein­schränkt, sich fried­lich zu ver­sam­meln.“

War­um ist Qu­el­len­schutz im Jour­na­lis­mus wich­tig?

Man­che wich­ti­ge In­for­ma­ti­on hät­te die Öf­fent­lich­keit nie er­reicht, wenn Jour­na­lis­ten ih­re Qu­el­len nicht hät­ten ge­heim hal­ten kön­nen. An­ony­mi­tät ist oft ei­ne Vor­aus­set­zung da­für, dass Men­schen mit Jour­na­lis­ten spre­chen – weil sie bei­spiels­wei­se Angst vor Ver­gel­tung oder Ver­lust des Ar­beits­plat­zes ha­ben, wenn ihr Na­me öf­fent­lich wird. Qu­el­len­schutz wird als ei­ne Gr­und­vor­aus­set­zung für Pres­se­frei­heit an­ge­se­hen.

Gibt es ei­nen ge­setz­lich ga­ran­tier­ten Qu­el­len­schutz für Jour­na­lis­ten?

Jour­na­lis­ten lei­ten aus dem in der Ver­fas­sung ver­an­ker­ten Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ge­ne­rell ein Pri­vi­leg ab, ih­re Qu­el­len in be­stimm­ten Fäl­len nicht iden­ti­fi­zie­ren zu müs­sen. Zahl­rei­che staat­li­che und Bun­des­ge­rich­te haVol­kes ben die­se Sicht­wei­se be­stä­tigt. Aber der Qu­el­len­schutz an sich ist nicht bun­des­ein­heit­lich als Ge­setz fest­ge­schrie­ben.

Aber Trump droht doch mit Maß­nah­men ge­gen die Me­di­en?

Am En­de dürf­te er kei­ne Mit­tel ha­ben, kri­ti­sche Me­di­en mund­tot zu ma­chen, wenn er dies denn will. Für die Ame­ri­ka­ner ist ih­re Ver­fas­sung hei­lig, auch die Ge­rich­te hal­ten sie hoch. Je­der Ver­such, die Me­di­en zu kne­beln, wür­de so­fort ge­richt­li­che Ak­tio­nen nach sich zie­hen.

DUNK­LE WOL­KEN ÜBER DEM WEISSEN HAUS: So se­hen es je­den­falls die vie­len Kri­ti­ker des US-Prä­si­den­ten. Sie wer­fen Do­nald Trump vor, die Pres­se­frei­heit ein­schrän­ken zu wol­len. Fo­to: dpa

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