Das Orches­ter bot die Hö­he­punk­te

Ba­den-Ba­den: Ol­ga Pe­re­tyat­ko und La­wrence Brown­lee im Fest­spiel­haus

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Es pas­siert nicht häu­fig bei Ari­en­aben­den, dass die als läss­li­che Gar­ni­tur ge­reich­ten or­ches­tra­len Zu­ta­ten zur Haupt­sa­che wer­den. Her­bei­ge­eilt aus Wien, wo sie als ers­te Frau in der Ge­schich­te beim Opern­ball die me­dia­le Auf­merk­sam­keit ge­wann, die sie am Pult di­ver­ser Opern­auf­füh­run­gen be­reits ge­fun­den hat, di­ri­gier­te die Ita­lie­ne­rin Spe­ran­za Sca­puc­ci die „Nor­ma“-Ou­ver­tü­re so dra­ma­tisch ge­stei­gert, ge­heim­nis­voll aus­ba­lan­ciert und trenn­scharf, mit ei­nem sam­te­nen or­ches­tra­len Or­gel­ton und me­lo­disch aus­schwin­gend, dass man mit ihr und dem aus­ge­zeich­ne­ten Sin­fo­nie­or­ches­ter Ba­sel zu ger­ne Bel­li­nis Drui­den­dra­ma in Gän­ze ge­hört hät­te. Im­mer­hin wag­te sich Ol­ga Pe­re­tyat­ko an die Auf­tritts­sze­ne der Nor­ma, die sich nicht als sehr güns­tig für sie er­wies, da ih­re Stim­me im lang­sa­men Teil von „Cas­ta Di­va“mü­de wirk­te, die Ver­zie­run­gen um­flort und die Tie­fe fin­giert klang, es ih­rem So­pran für das Re­zi­ta­tiv an Ge­wicht und Be­deu­tung fehl­te, was sie, bei al­ler­dings stei­fer Hö­he, in der Ca­vati­na „Ah! Bel­lo, a me ri­tor­na“mit schön ge­sof­te­ten Tö­nen und zar­tem Di­mi­nu­en­do aus­glich. In Lu­ci­as ers­ter Arie ver­blen­de­te sich die Stim­me gut mit dem Har­fen­klang, punk­te­te Pe­re­tyat­ko mit ge­schmack­vol­lem Vor­trag und wir­kungs­si­che­ren Hell-dun­kel-Schat­tie­run­gen. Mit der El­vi­ra aus Bel­li­nis „I Pu­ri­ta­ni“er­in­ner­te Pe­re­tyat­ko an ihr De­büt an der Me­tro­po­li­tan Oper, wo die So­pra­nis­tin aus St. Pe­ters­burg auf La­wrence Brown­lee, den Te­nor aus Ohio, ge­trof­fen war, der im ver­zier­ten Tenor­fach, sei es bei Ros­si­ni, Bel­li­ni oder Do­ni­zet­ti, ei­ne der Säu­len des Hau­ses ist. Der in Eu­ro­pa sel­ten zu er­le­ben­de Brown­lee nutz­te die Münch­ner „Se­mi­ra­mi­de“-Pro­duk­ti­on zum Aus­flug ins Fest­spiel­haus, wo er vor zwei Jah­ren in der klei­nen, nicht un­pro­ble­ma­ti­schen Par­tie des Sän­gers im „Ro­sen­ka­va­lier“ auf­ge­fal­len war. Die Ca­vati­ne des Ti­tel­hel­den aus Bel­li­nis we­nig ge­spiel­tem „Il pi­ra­ta“ge­riet et­was pau­schal, zeig­te aber bei schma­ler und en­ger Stim­me das rei­che Tim­bre und die sat­te, gleich­mä­ßi­ge Far­be und ei­ne fa­bel­haft si­che­re, klang­lich edel an­ge­bun­de­ne Hö­he, die sich in den „Pu­ri­ta­ni“bis in die ex­tre­me Hö­he stei­gert. In der gro­ßen Sze­ne aus dem drit­ten Akt be­wie­sen Pe­re­tyat­ko und Brown­lee, vor al­lem bei „Vi­e­ni, fra ques­te brac­cia“, wo sich El­vi­ras see­li­sche Er­schüt­te­run­gen in ver­zück­tes Wohl­ge­fal­len auf­lö­sen, ih­re Mög­lich­kei­ten wei­te Me­lo­die­bö­gen zum Tra­gen zu brin­gen.

Bes­ser als die von Brown­lee nach der Pau­se mit Sü­ße, klei­ner Trä­ne in der Stim­me, ly­risch aus­schwin­gend und da­bei be­stri­ckend mo­del­lier­te Arie des Na­dir aus den „Per­len­fi­schern“kann man sich Bi­zets ario­se Pre­zio­se kaum vor­stel­len. Mit die­ser Trau­mer­zäh­lung zeig­te Brown­lee, dass er nicht nur ein auf ex­po­nier­te Spit­zen­tö­ne abon­nier­ter Ton­lie­fe­rant, son­dern auch ein an­mu­ti­ger Gestal­ter ist. Pe­re­tyat­ko schloss sich als Mar­ke­ten­de­rin Ma­rie mit „Sa­lut à la Fran­ce“an, doch erst mit Lin­das reich ver­zier­tem, mit klei­nen Tril­ler ver­se­he­nen „O lu­ce di quest ani­ma“aus „Lin­da di Cha­mou­nix“fand man Pe­re­tyat­ko als zwit­schern­de Co­mé­di­en­ne in ge­wohn­ter Best­form. Ni­ko­laus Schmidt

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.