„Sin­gen rum und lei­den“

Chris­tus­kir­che: Don­na Le­on und Ari­en lie­ben­der Frau­en

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Mi­mi, Ma­dame But­ter­fly, Nor­ma, Vio­let­ta … die Lis­te von Frau­en, de­ren tra­gisch-trau­ri­ges Schick­sal ei­ne Oper ziert, ist so lang wie klang­voll. „Was ma­chen die schon?“, fragt Schrift­stel­le­rin Don­na Le­on gleich zu Be­ginn ih­rer Mo­de­ra­ti­on bei den In­ter­na­tio­na­len Hän­del-Fest­spie­len. „Sie sin­gen rum und lei­den! Bei uns nennt man das Weich­ei­er.“Das Pu­bli­kum nickt und lacht – das Eis ist di­rekt ge­bro­chen.

Der äu­ßerst kurz­wei­li­ge und sehr ge­lun­ge­ne Auf­takt der Rei­he „Abend­ster­ne“in der Chris­tus­kir­che Karls­ru­he wid­met sich dem The­ma „Frau­en­lie­be und -le­ben“in Hän­del-Opern. Auch in sei­nen Wer­ken wol­len star­ke Frau­en grund­sätz­lich den fal­schen Mann. „Du liebst, er ver­lässt dich, du stirbst.“Na pri­ma! Aber im­mer­hin: Die­se Glei­chung hat der Welt so wun­der­ba­re Mu­sik be­schert, dass man die „Hel­din­nen“gern kunst­voll un­ter ih­ren ro­man­ti­schen Stra­pa­zen lei­den lässt und bei ih­ren amou­rö­sen Kämp­fen und Ra­che-Es­ka­pa­den mit­fie­bert.

An die­sem Abend ist es an So­pra­nis­tin Pa­tri­zia Cio­fi den Frau­en Ro­de­lin­da, Al­ci­na, Lao­di­ce aus „Si­roe“, der Zau­be­rin Me­lis­sa aus „Ama­di­gi di Gau­la“so­wie Cleo­pa­tra ih­re Stim­me zu lei­hen. Wie sie das macht, ist im­mer wie­der pa­ckend und zu­gleich be­rü­ckend schön. Sei es ein schil­lern­des „Ko­lo­ra­tu­ren-Mons­ter“wie „Van­ne lun­gi dal mio pet­to“, bei dem sie nah an der Li­nie bleibt, oh­ne ih­re stimm­li­che Be­weg­lich­keit und Kraft ein­zu­bü­ßen, oder die herz­er­wei­chen­den Ari­en „Ah mio cor“von Al­ci­na und „Se pie­tà di me non sen­ti“von Cleo­pa­tra, die der­art be­rüh­ren, das manch ei­nem Kon­zert­be­su­cher ein tief emp­fun­de­nes „Wahn­sinn!“raus­rutscht – die Ita­lie­ne­rin leuch­tet die Fa­cet­ten der cha­rak­ter­star­ken Par­ti­en meis­ter­lich aus. Nur manch­mal wird sie da­bei in der Hö­he ein klein we­nig eng und spitz, doch das mag wo­mög­lich auch den über­bor­den­den Ge­füh­len in der Mu­sik ge­schul­det sein und tut dem Ge­nuss kei­nen Ab­bruch.

Ei­ne eben­falls glanz­vol­le Leis­tung lie­fert das En­sem­ble „Il po­mo d’oro“un­ter der Lei­tung von Ma­xim Emelyany­chev ab. Der rus­si­sche Di­ri­gent, der noch ju­gend­li­cher aus­sieht als er ist (Jahr­gang 1988), über­zeugt mit er­staun­li­chem Weit­blick und Ge­spür für die Mu­sik. Er führt sei­ne eben­falls noch recht jun­ge, aber sehr ver­sier­te Trup­pe zu ei­nem le­ben­di­gen wie trans­pa­ren­ten Klang­bild. Die­ses be­zieht sei­ne Stär­ke vor al­lem aus ex­zel­len­ten Dy­na­mik-Schat­tie­run­gen und ei­nem aus­ge­zeich­ne­ten Ti­ming – sei es in be­glei­ten­der Funk­ti­on für Cio­fi oder als Haupt­ak­teur wie in der „So­na­ta a quat­tro“in G-Dur op. 5 Nr. 4. Bra­vo! Eli­sa Rez­nicek

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