Pri­ma Bay­ern-Kli­ma

Beim 8:0 über den HSV blüht der un­ei­gen­nüt­zi­ge Mül­ler rich­tig auf

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ma­ik Ros­ner

Mün­chen. Dass nach dem 8:0 (3:0) des FC Bay­ern ge­gen den Ham­bur­ger SV al­le von Tho­mas Mül­ler schwärm­ten, ob­wohl er nicht ei­nen Tor­schuss ab­ge­ge­ben hat­te, war al­len­falls auf den ers­ten Blick über­ra­schend. Zwar hat­te Ro­bert Le­wan­dow­ski in sei­nen nur 57 Mi­nu­ten Spiel­zeit mit sei­nen Sai­son­to­ren 17 bis 19 (24./Foul­elf­me­ter, 42., 54.) be­son­ders au­gen­fäl­lig sei­ne Qua­li­tä­ten vor­ge­führt. Zwar hat­te Kings­ley Co­man in sei­ner hal­ben Jo­ker-St­un­de mit sei­nen ers­ten bei­den Sai­son­to­ren (65., 69.) auf sich auf­merk­sam ge­macht und Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge die Aus­sa­ge ent­lockt, man ha­be „die Nei­gung“, die Op­ti­on auf ei­ne fes­te Ver­pflich­tung des Juve-Leih­spie­lers mit Frist bis zum 30. April zu zie­hen. Doch Mül­ler war je­ner ge­we­sen, bei dem die ins­ge­samt ho­he Prä­senz und Spiel­freu­de den mar­kan­tes­ten Auf­schwung er­lebt hat­ten.

Die wuch­ti­ge Ga­la in Car­lo An­ce­lot­tis 1 000. Trai­ner-Pflicht­spiel mit wei­te­ren To­ren von Ar­turo Vi­dal (17.) und Ar­jen Rob­ben (87.) war ein Mül­ler-Spiel ge­we­sen. Das lag auch dar­an, dass al­le Kol­le­gen um ihn zu ei­ner rausch­haf­ten Dar­bie­tung auf­ge­legt wa­ren und sich für ihn je­ne Räu­me öff­ne­ten, die er so ger­ne aufauch stö­bert. Ne­ben­bei wa­ren bei den Bay­ern un­ge­fähr so vie­le an­ge­kom­me­ne Ha­cken­päs­se zu be­stau­nen ge­we­sen wie beim HSV Zu­spie­le der han­dels­üb­li­chen Art. Viel­leicht weiß man jetzt auch, war­um der Welt­meis­ter zu­letzt sehr oft ver­geb­lich nach sei­nem Glück ge­fahn­det hat­te. Die meist mit­tel­präch­ti­gen All­tags­auf­trit­te der ge­sam­ten Mann­schaft hat­ten dar­an wohl ei­nen ho­hen An­teil.

Dies­mal stan­den in der all­ge­mei­nen Gier aber vie­le Ball­kon­tak­te und vor al­lem drei Tor­be­tei­li­gun­gen in Mül­lers Bi­lanz. Vor al­lem sein selbst­lo­ser Qu­er­pass vor Da­vid Ala­bas 5:0 (56.) kam da­bei wie ein Be­leg da­her, war­um sei­ne Kol­le­gen, der Trai­ner und die Chef­eta­ge zu­letzt stets sei­nen Wert für die Mann­schaft be­tont hat­ten und ihn nun als „bes­ten Mann“(An­ce­lot­ti) und für „sei­ne bes­te Sai­son­leis­tung“(Rum­me­nig­ge) be­lo­big­ten. Frei vor Tor­wart Re­né Ad­ler hat­te Mül­ler ja in je­ner Sze­ne ge­stan­den, und wohl hät­te fast je­der Tor­jä­ger selbst ge­schos­sen, um das Ego zu strei­cheln. Doch Mül­ler be­dien­te den Kol­le­gen, der nur noch den Ball über die Li­nie schub­sen muss­te. „Viel­leicht ist der As­sist auf Da­vid ein Pa­ra­de­bei­spiel, dass ich das letz­te hal­be Jahr nicht ge­lo­gen ha­be, als ich ge­sagt ha­be, ein Tor ist jetzt für mich nicht al­les“, sag­te Mül­ler. Viel­leicht durf­te Mül­lers un­eit­le Vor­la­ge als bes­tes Bei­spiel für das in­tak­te Bin­nen­kli­ma in der Münch­ner Mann­schaft ge­deu­tet wer­den. Der freu­di­ge Ge­mein­sinn mit Spaß am sti­lis­tisch hoch­wer­ti­gen Zu­sam­men­spiel ge­riet zum prä­gen­den Ein­druck die­ses Sams­tags. Und in die­ses Bild füg­te sich zu­dem, dass die Spie­ler die­ses Kunst­werk von All­tags­dienst für ih­ren Trai­ner auf den Ra­sen ge­malt hat­ten, wenn­gleich ge­gen ei­nen schwa­chen HSV. Ein gu­tes Spiel sei An­ce­lot­tis gro­ßer Wunsch zum Ju­bi­lä­um ge­we­sen, be­rich­te­te Rob­ben. „Bes­ser kann man das nicht für ihn ma­chen“, sag­te der Nie­der­län­der.

Das Spiel war zu­dem wie ein wei­te­rer Hin­weis da­her­ge­kom­men für die The­se, wo­nach An­ce­lot­tis Mann­schaf­ten in der ent­schei­den­den Sai­son­pha­se voll da sei­en. Vor al­lem auf die­sem Image des Ita­lie­ners und auf den bei­den kla­ren Sie­gen vor der Win­ter­pau­se ge­gen den da­mals punkt­glei­chen Auf­stei­ger RB Leip­zig (3:0) und jüngst im Ach­tel­fi­nal-Hin­spiel der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Ar­senal (5:1) fuß­te bis­her die The­se, dass der FC Bay­ern trotz vie­ler mit­tel­präch­ti­ger All­tags­auf­trit­te auf rei­chen Er­trag zu­steu­ern könn­te. Oder wie Rum­me­nig­ge schon vorm HSV-Spiel ge­dich­tet hat­te: „Die Zeit, die jetzt an­steht, in der es an­fängt zu grü­nen und zu blü­hen – das ist die An­ce­lot­ti-Jah­res­zeit.“

MIT BREI­TER BRUST: Tor­schüt­ze Ar­turo Vi­dal und Dou­glas Cos­ta fei­ern das 1:0, HSV-Tor­hü­ter Re­né Ad­ler ist ge­schla­gen.

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