Gold, Gold, Bron­ze

Fried­rich und Loch­ner zeit­gleich Vie­rer­bob-Welt­meis­ter / Walt­her Drit­ter

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Kö­nigsee (sid). Als 93 Jah­re WM-Ge­schich­te in nur ei­nem Au­gen­blick ih­ren dra­ma­ti­schen Hö­he­punkt fan­den, bra­chen bei den neu­en deut­schen Bo­bWelt­meis­tern al­le Däm­me. Jo­han­nes Loch­ner sprang wie auf­ge­zo­gen durch den Ziel­be­reich am Kö­nigs­see, griff sich im­mer wie­der an den Kopf, Fran­ces­co Fried­rich brüll­te sei­ne pu­re Freu­de in den wol­ken­ver­han­ge­nen Him­mel – bei­de wa­ren so­eben zeit­gleich Welt­meis­ter im Vie­rer ge­wor­den und hat­ten da­mit ein bis­lang ein­ma­li­ges Ka­pi­tel Sport­ge­schich­te ge­schrie­ben.

Nach vier Läu­fen auf der 1 240 Me­ter lan­gen Eis­bahn wur­den zwei Gold­me­dail­len aus­ge­hän­digt, zu­dem kom­plet­tier­te Ni­co Walt­her als drit­ter Deut­scher das Po­dest für nur ei­ne Na­ti­on – all das hat­te es bei ei­ner Bob-WM seit 1924 nie zu­vor ge­ge­ben.

„Das war das geils­te Ren­nen, das wir je­mals ge­fah­ren sind“, freu­te sich Loch­ner. Der Aus­gang sei der „ab­so­lu­te Wahn­sinn, un­fass­bar“. Für Fried­rich war es ein „per­fek­ter“Ab­schluss der Heim-WM, „für die Fans und uns ist es das best­mög­li­che Er­geb­nis.“

Zwölf Mo­na­te vor Olym­pia 2018 in Pyeong­chang nutz­ten die Ath­le­ten des deut­schen Ver­ban­des BSD ih­ren Heim­vor­teil op­ti­mal und un­ter­mau­er­ten ih­ren An­spruch auf Me­dail­len bei den kom­men­den Win­ter­spie­len. In Süd­ko­rea wol­len Loch­ner, Fried­rich und Co die Schmach von 2014 wett­ma­chen, in Sot­schi wa­ren die deut­schen Bobs kom­plett leer aus­ge­gan­gen.

Vor al­lem Fried­rich und Loch­ner ist ei­ni­ges zu­zu­trau­en. Die Ent­schei­dung zwi­schen den Top-Pi­lo­ten wur­de zum Wim­pern­schlag­fi­na­le. Walt­her hielt zu­dem Ti­tel­ver­tei­di­ger Os­kars Mel­bar­dis aus Lett­land um 13 Hun­derts­tel­se­kun­den hin­ter sich, da­mit war der Drei­fach-Tri­umph per­fekt. 1997 in St. Mo­ritz hat­te die Schweiz schon ein­mal an ei­nem sol­chen Re­kord ge­schnup­pert, die Gast­ge­ber be­leg­ten im Vie­rer das kom- „Das ist für uns na­tür­lich das best­mög­li­che Er­geb­nis. Lei­der kos­tet es aber ziem­lich viel Sieg­prä­mie.“Tho­mas Schwab, Vor­stand des Bob- und Schlit­ten­ver­ban­des für Deutsch­land, nach dem Dop­pel­sieg. plet­te Po­di­um. We­ni­ge St­un­den nach dem Ren­nen wur­den aber al­le Schwei­zer we­gen ir­re­gu­lä­rer Ku­fen dis­qua­li­fi­ziert, der Deut­sche Wolf­gang Hop­pe „erb­te“den WM-Ti­tel.

Fried­rich hält nun die Ti­tel im gro­ßen und klei­nen Schlit­ten, Loch­ner ist Welt­und Eu­ro­pa­meis­ter in der Kö­nigs­dis­zi­plin die­ses Sports. Oh­ne Zwei­fel wird Deutsch­land in die olym­pi­sche Sai­son mit dem An­spruch star­ten, in Süd­ko­rea um zwei Gold­me­dail­len zu kämp­fen. Die Zwei­er-Kon­kur­renz do­mi­niert Fried­rich oh­ne­hin fast nach Be­lie­ben,

Erst­mals für ei­nen Ver­band al­le drei WM-Me­dail­len

seit Jah­ren wer­den ihm grund­sätz­lich auch Er­fol­ge im Vie­rer zu­ge­traut. Nun be­stä­tig­te er sein Po­ten­zi­al erst­mals bei ei­nem Groß­er­eig­nis.

Im Du­ell mit Loch­ner wird es in den kom­men­den Jah­ren auch dar­um ge­hen, wer mit­tel­fris­tig in die Rol­le als Deutsch­lands bes­ter Fah­rer in der Kö­nigs­dis­zi­plin schlüpft. Seit dem Rück­tritt von Ex-Welt­meis­ter Ma­xi­mi­li­an Arndt im ver­gan­ge­nen Som­mer ist die­se un­be­setzt. Zu­letzt schien es durch­aus so, als wür­de Loch­ner das Ren­nen ma­chen. Der Bay­er be­strei­tet zwar erst seit die­sem Win­ter re­gel­mä­ßig Welt­cup-Ren­nen im gro­ßen Schlit­ten, den­noch ge­wann er drei Welt­cups in die­ser Sai­son – es wa­ren die bis zur WM ein­zi­gen deut­schen Vie­rer-Sie­ge. Auf sei­ner Haus­bahn am Kö­nigs­see galt Loch­ner als kla­rer Fa­vo­rit, al­ler­dings warf den Stu­den­ten zu­letzt ei­ne hart­nä­cki­ge Vi­rus­er­kran­kung zu­rück – viel­leicht auch des­halb konn­te Fried­rich in den bei­den ent­schei­den­den Läu­fen noch mit Loch­ner gleich­zie­hen.

RA­SEND DIE RIN­NE RUN­TER: Fran­ces­co Fried­rich bei sei­ner er­folg­rei­chen Auf­hol­jagd im gro­ßen Schlit­ten. Nach vier Durch­gän­gen lag der Zwei­er­bob-Welt­meis­ter zeit­gleich mit Jo­han­nes Loch­ner auf Rang eins. Fo­to: dpa

UN­GLÄU­BIG: Jo­han­nes Loch­ner und sei­ne sieg­rei­che Vie­rer-Crew. Fo­to: dpa

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