Tra­di­ti­ons­hand­werk an Ori­gi­nal-Ma­schi­nen

Tech­ni­sches Mu­se­um öff­net im April mit Fest

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

PK – Es riecht nach Öl, und Me­tall, und die Ma­schi­nen ma­chen Lärm: Im Koll­mar&Jour­dan-Ge­bäu­de wird die Ver­gan­gen­heit le­ben­dig, er­le­ben Be­su­cher, wie Schmuck­stü­cke her­ge­stellt wer­den, wie Me­tall be­ar­bei­tet wird und wie kom­ple­xe Roh­wer­ke, Zif­fern­blät­ter oder Ge­häu­se für Uh­ren ge­baut wer­den, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung des städ­ti­schen Kul­tur­amts. Nach knapp ein­jäh­ri­ger Um­ge­stal­tung öff­net das Haus am 8. April wie­der sei­ne Pforten.

Ob Sand­guss, Gal­va­nik oder Wal­zen: Zur Schmuck­her­stel­lung wa­ren und sind vie­le Ver­fah­ren not­wen­dig, die heu­te fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten sind. Im Tech­ni­schen Mu­se­um der Pforz­hei­mer Schmuck- und Uh­ren­in­dus­trie blei­ben sie le­ben­dig. Be­su­cher kön­nen vom Ent­wurf bis zur Pro­duk­ti­on al­le Ar­beits­schrit­te ver­fol­gen und an Ori­gi­nal-Ma­schi­nen tra­di­tio­nel­le Fer­ti­gungs­tech­ni­ken be­stau­nen.

Die Be­su­cher er­war­ten um­ge­stal­te­te Räu­me, mo­dern an­ge­ord­ne­te Rund­gän­ge mit Ver­tie­fungs­sta­tio­nen, er­klä­ren­de Tex­te und ein Ort, in dem der Pra­xis­be­zug an den Ma­schi­nen vor­ge­führt wird.

Die Ge­schich­te des Mu­se­um be­gann 1979. Da­mals wur­de auf Initia­ti­ve von Kul­tur­bür­ger­meis­ter Fritz Wurs­ter ein För­der­ver­ein „Tech­ni­sches Mu­se­um“ge­grün­det. Hin­ter­grund war die Schlie­ßung vie­ler Schmuck­fir­men En­de der 1970er Jah­re. Der För­der­ver­ein woll­te so­wohl Ma­schi­nen als auch Werk­zeu­ge be­wah­ren, da­mit der Pro­zess der Schmuck- und Uh­ren­her­stel­lung für die Zu­kunft nach­voll­zieh­bar blei­be. En­ga­gier­te Bür­ger mit Kennt­nis­sen in die­sen Be­rei­chen hal­fen mit, und so er­öff­ne­te 1983 das Tech­ni­sche Mu­se­um. Über zwei Stock­wer­ke wur­de der ge­sam­te Pro­duk­ti­ons­ab­lauf vor­ge­führt. Eh­ren­amt­li­che be­dien­ten die Ma­schi­nen und lie­ßen das Mu­se­um le­ben­dig wer­den. Seit 1984 küm­mert sich die Stadt um Fi­nan­zie­rung und Er­hal­tung die­ses Kul­tur­guts.

Am 8. und 9. April wird das Tech­ni­sche Mu­se­um mit ei­nem gro­ßen Pu­bli­kums­fest und viel Rah­men­pro­gramm wie­der er­öff­net. Am 6. April, fin­det ein Fest­akt mit OB Gert Ha­ger statt, bei dem die Ku­ra­to­rin an der Schirn Kunst­hal­le Frank­furt, Kat­ha­ri­na Dohm ei­nen Fest­vor­trag zu „Kunst­ma­schi­ne – Ma­schi­nen­kunst“hält. In der neu­en Kon­zep­ti­on kön­nen sich Be­su­cher auch al­lei­ne durchs Haus be­we­gen und an­hand ver­ständ­li­cher Tex­te Idee und Tech­nik hin­ter den kom­ple­xen Ma­schi­nen ver­ste­hen, so das Kul­tur­amt wei­ter. Kon­ti­nui­tät und Wan­del wer­den schon im Ein­gangs­be­reich er­läu­tert: wie ver­zahnt die Uh­ren­und Schmuck­pro­duk­ti­on mit Pforz­heim ist und wie sich die­se im Lau­fe der Jah­re ge­wan­delt hat bis hin zur Fein­me­cha­nik und Me­tall­le­gie­rung. „Die Ma­schi­nen wer­den von Fach­leu­ten vor­ge­führt. So kann man als Be­su­cher mit­er­le­ben, wie die ein­zel­nen Fer­ti­gungs­schrit­te funk­tio­nie­ren und di­rekt Fra­gen stel­len“, er­läu­tert Arnd Ni­co­las Bent­ner, Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins des Tech­ni­schen Mu­se­ums. Es ge­be nun ei­nen „Nuk­le­usRaum“, in dem ge­zeigt wer­de, was sich aus der Schmuck- und Uh­ren­bran­che her­aus an In­dus­tri­en und In­sti­tu­tio­nen in der Re­gi­on ent­wi­ckelt hat.

Die An­ord­nung der Ma­schi­nen hat sich kaum ver­än­dert, sie wur­de al­ler­dings er­gänzt um Sta­tio­nen mit Text-Bild Ma­te­ri­al und Fil­men. Die un­ter­schied­li­chen Tech­ni­ken sind so an­ge­ord­net, wie die Pro­duk­ti­on ver­läuft, so­mit wird der ge­sam­te

Vom Ent­wurf bis zur Pro­duk­ti­on

„Le­bens­zy­klus“ei­nes Schmuck­stücks ge­zeigt vom Ent­wurf bis zum Ver­kauf. Ei­ne Bro­sche, die ge­prägt wird, ein Ring der ge­gos­sen wird, ei­ne Do­se, die email­liert wird, all das wird im je­wei­li­gen Pro­zess­ab­lauf ge­zeigt.

Im obe­ren Stock geht es um me­cha­ni­sche Uhr­wer­ke. Nach wie vor gibt es in Pforz­heim spe­zia­li­sier­te Her­stel­ler, dar­un­ter Sto­wa, La­co und Aris­to. An der Längs­sei­te ste­hen Pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen, ge­gen­über wird das Uhr­werk mon­tiert und ge­prüft. „Der Cha­rak­ter ei­ner al­ten Fa­b­rik bleibt auf bei­den Stock­wer­ken er­hal­ten“, er­läu­tert Mu­se­ums­lei­te­rin Cor­ne­lie Holz­ach. Mö­bel und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de pass­ten sich der Pa­ti­na an. Selbst der Bo­den wei­se Ris­se auf in dem Haus, dem man sei­ne Ge­schich­te an­se­he. Ak­ti­ve Be­tei­li­gung der Be­su­cher ist er­wünscht. Im Be­reich der Uh­ren lie­gen Kar­ten aus: hier soll das Wis­sen der Bür­ger mit ein­flie­ßen. „Es ist ein Mu­se­um ,in pro­gress‘. Wir er­hof­fen uns wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu Uhr­wer­ken und ha­ben da­für noch Flä­che frei­ge­hal­ten. Wir sind al­so in drei­fa­cher Hin­sicht ein le­ben­di­ges Mu­se­um: mit den Per­so­nen, die un­se­re Ma­schi­nen er­klä­ren und vor­füh­ren, mit dem Haus, das at­met, und durch das Mit­ein­be­zie­hen der Be­su­cher“, er­läu­tert Mu­se­ums­lei­te­rin Holz­ach.

DAS KOLL­MAR&JOUR­DAN-GE­BÄU­DE ist das Do­mi­zil des Tech­ni­schen Mu­se­ums der Pforz­hei­mer Schmuck- und Uh­ren­in­dus­trie. In sei­nem In­ne­ren wird nun neu­es Le­ben er­wa­chen, wenn das Mu­se­um am 8. April wie­der öff­net. Fo­to: Pe­tra Jasch­ke

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