Den Wor­ten Le­ben ein­ge­haucht

Le­sung zu Re­na­te Schostack war ein Ver­gnü­gen

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Re­na­te Schostack galt als ei­ne zu­rück­hal­ten­de Men­schen­ken­ne­rin und ge­naue Be­ob­ach­te­rin. 1938 in Pforz­heim ge­bo­ren, in Bröt­zin­gen auf­ge­wach­sen, zu Stu­di­en und wäh­rend des Be­rufs­le­bens in der hal­ben Welt un­ter­wegs, er­ar­bei­te­te sie sich von 1963 bis 2003 als Mit­glied der Feuille­ton-Re­dak­ti­on der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung An­er­ken­nung als Jour­na­lis­tin, ne­ben­bei ver­öf­fent­lich­te sie Ro­ma­ne, Er­zäh­lun­gen und Sach­bü­cher. Nach ih­rer Pen­sio­nie­rung leb­te sie wie­der in Pforz­heim. Im Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res ist sie über­ra­schend in Mün­chen ver­stor­ben, in der Stadt, aus der sie von 1985 bis 2003 be­rich­te­te.

Der preis­ge­krön­ten Pforz­hei­mer Schrift­stel­le­rin Re­na­te Schostack war am Frei­tag­nach­mit­tag die Le­sung „Gro­ße Li­te­ra­tur vor­ge­tra­gen von Gi­se­la Storck“im Vor­trags­saal der Stadt­bi­blio­thek ge­wid­met. Im Mit­tel­punkt der Le­sung stand die Er­zäh­lung „Der Pal­me­sel­kö­nig“, der 1998 in Bär­bel Rud­ins Win­d­ro­se Ver­lag (Kie­sel­bronn) er­schie­nen ist.

Gi­se­la Storck hauch­te den Wor­ten von Schostack Le­ben ein. Sie ver­lieh ih­nen ei­ne le­ben­di­ge bun­te Far­be und ließ mit ih­rer dra­ma­tur­gisch durch­dach­ten Er­zähl­wei­se die Wir­kung der mit zau­ber­haft fei­ner Iro­nie durch­zo­ge­nen Tex­te zur vol­len Ent­fal­tung kom­men.

Gi­se­la Storck hat­te nach ver­schie­de­nen Gas­t­en­ga­ge­ments an deut­schen Büh­nen seit 1967 von 1998 bis 2008 ein Fest­en­ga­ge­ment am Thea­ter Pforz­heim. In der Er­zäh­lung „Der Pal­me­sel­kö­nig“zeigt sich die ho­he Kunst der Schrift­stel­le­rin aus All­tags­be­ob­ach­tun­gen mit sorg­fäl­tig ge­wähl­ten Wor­ten Cha­rak­te­re of­fen zu le­gen und be­hut­sam zu über­ra­schen­den Wen­dun­gen zu kom­men.

„Ha­ben Sie ver­stan­den, war­um die Prot­ago­nis­tin die Holz­sta­tue ka­putt ge­macht hat?“woll­te Gi­se­la Storck von ih­rem Pu­bli­kum wis­sen. Sie selbst sei erst von ih­rem Mann auf die rich­ti­ge Spur ge­bracht wor­den: „Es war Lie­be.“Ei­ne Lie­be, die al­lei­ne be­sit­zen woll­te, die lie­ber zer­stör­te, be­vor an­de­re in ih­ren Be­sitz kom­men könn­ten.

Die zwei­te Er­zäh­lung, die Gi­se­la Storck vor­trug, war das „Por­trait ei­ner di­cken Frau“, die „auf dem So­ckel der Ge­müt­lich­keit thront“, der „vier Spra­chen flie­ßend vom Mun­de ge­hen“und die „das Pri­vi­leg des Al­ters“ge­nießt: „Das Ver­gnü­gen, die Leu­te ma­chen zu las­sen.“– Ein Ver­gnü­gen war auch die Le­sung. Bir­git Metz­baur

DIE SCHAU­SPIE­LE­RIN Gi­se­la Storck las aus Tex­ten der ver­stor­be­nen Pforz­hei­mer Au­to­rin Re­na­te Schostack. Fo­to: Wa­cker

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