„Wir wer­den sehr ag­gres­siv vor­ge­hen“

Ja­mes Rush­ton, Chef des Strea­m­ing-Di­ens­tes DAZN, kün­digt wei­te­re In­ves­ti­tio­nen in teu­re Sport-Über­tra­gungs­rech­te an

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin. Nach der zwei Mil­li­ar­den Eu­ro teu­ren Of­fen­si­ve in Ja­pan ist der deut­sche Markt an der Rei­he. Das Spor­tS­trea­m­ing-Por­tal DAZN will viel Geld in­ves­tie­ren und at­trak­ti­ve Me­dienRech­te kau­fen – am liebs­ten Fuß­ball und For­mel 1. „Was im­mer auf den Markt kommt, wir wer­den sehr ag­gres­siv vor­ge­hen“, sag­te der Vor­stands­vor­sit­zen­de Ja­mes Rush­ton im In­ter­view mit un­se­rem Mit­ar­bei­ter Micha­el Ross­mann. Ge­nug Geld ist nach An­ga­ben des Bri­ten in der Kas­se: „Ab­so­lut. Kei­ne Sor­ge. Wir sind sehr gut fi­nan­ziert.“

Herr Rush­ton, war­um ha­ben Sie sich für Ja­pan und Deutsch­land ent­schie­den? Rush­ton: Drei Haupt­punk­te: Wenn wir uns den deutsch­spra­chi­gen Markt und Ja­pan an­schau­en, sind es ma­kro­öko­no­mi­sche Fak­to­ren – Grö­ße der Be­völ­ke­rung, Wohl­stand und der Ver­net­zungs­grad. Bei­de Län­der be­sit­zen die­se Ei­gen­schaf­ten. Bei­de Märk­te sind von ei­nem gro­ßen Pay-TV-Sen­der do­mi­niert, die Markt­durch­drin­gung ist nicht be­son­ders hoch. Gleich­zei­tig gibt es aber vie­le Sport­fans, die mög­li­cher­wei­se gar nicht den In­halt ge­zeigt be­kom­men, den sie wol­len. Wir ha­ben ein­fach ge­schaut, wo gibt es gro­ßes Markt­po­ten­zi­al und gu­te Start­vor­aus­set­zun­gen. Und dann sind wir dort hin und ha­ben ge­schaut, wel­che Rech­te auf dem Markt ver­füg­bar sind. Wer sind Ih­re Wett­be­wer­ber in Deutsch­land?

Rush­ton: Im Ge­gen­satz zu TV-Sta­tio­nen ist DAZN ein pu­res Di­gi­tal-Pro­dukt. Und DAZN ist ein Pay-Ser­vice. Na­tür­lich be­deu­tet das, dass wir bei Rech­ten und im Abo-Markt in ei­nem Kon­kur­renz­ver­hält­nis zu Sky ste­hen, aber es ist mir sehr wich­tig fest­zu­hal­ten, dass wir kein di­rek­ter Wett­be­wer­ber von Sky sind, wenn es um den Preis geht: Sky und DAZN er­gän­zen sich viel­mehr. Sie kön­nen pro­blem­los Ihr Sky-Abon­ne­ment fort­set­zen und DAZN um 9,99 Eu­ro oben drauf set­zen.

Sie ha­ben ei­nen Zwei-Mil­li­ar­denDe­al in Ja­pan ge­macht, um die Über­tra­gungs­rech­te an der J-Le­ague (die ers­te ja­pa­ni­sche Fuß­ball-Li­ga, Anm. d. Red.) für zehn Jah­re zu kau­fen. Was wird das gro­ße Ding in Deutsch­land?

Rush­ton: Wenn wir wirk­lich an den Markt glau­ben, müs­sen wir uns die gro­ßen Rech­te schnap­pen – ob das Cham­pi­ons Le­ague, For­mel 1 oder Ski ist. Was im­mer auf den Markt kommt, wir wer­den sehr ag­gres­siv vor­ge­hen, sehr pro­ak­tiv – und dann wer­den wir uns die Rech­te si­chern. Wer­den wir da­bei er­folg­reich sein? Kei­ne Ah­nung, aber in dem ge­sam­ten Pro­zess wer­den wir ei­ne sehr gro­ße Rol­le spie­len in den nächs­ten Jah­ren. Die Rech­te zur Cham­pi­ons Le­ague sol­len bald auf den Markt kom­men, DAZN wird al­so mit­bie­ten?

Rush­ton: Wir wer­den zwei­fels­frei Teil des Pro­zes­ses sein, klar. Um zu sa­gen, wie wir bie­ten wer­den, müs­sen wir aber zu­erst die tat­säch­lich aus­ge­schrie­be­nen Pa­ket se­hen.

Dann wird DAZN al­so doch der di­rek­te Wett­be­wer­ber von Sky, denn nie­mand an­ders in Deutsch­land bie­tet im Pay-Be­reich so viel Geld für Top-Fuß­ball-Rech­te. Rush­ton: Es ist nicht nur Sky ge­gen DAZN bei je­dem Recht, das auf den Markt kommt. Auch die Deut­sche Te­le­kom hat in der Ver­gan­gen­heit ei­ne gro­ße Rol­le ge­spielt – und sie schau­en ganz klar er­neut auf Sportin­hal­te, und sie ha­ben die fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten, ei­nen gro­ßen Kauf zu tä­ti­gen. Au­ßer­dem gibt es noch Ama­zon, die sehr ak­tiv sind. Ja, Sky ist der Go­ril­la im Raum, aber es geht nicht nur um DAZN und Sky. Wir sind uns über das wett­be­werbs­star­ke Markt­um­feld sehr be­wusst.

For­mel 1 hat ei­ne gro­ße Reich­wei- te von durch­schnitt­lich vier bis fünf Mil­lio­nen Zu­schau­ern in Deutsch­land.

Rush­ton: Die For­mel 1 ist im­mer sehr in­ter­es­sant. Wir strah­len sie in Ja­pan be­reits auf DAZN aus, al­so sind wir jetzt schon Part­ner. Und das Schö­ne an For­mel 1 ist, dass es die Men­schen vor al­lem in Deutsch­land sehr in­ten­siv ver­fol­gen.

Da Sie schon so viel Geld in Ja­pan aus­ge­ge­ben ha­ben: Ist da über­haupt noch et­was für den deut­schen Markt üb­rig?

Rush­ton: Ab­so­lut. Kei­ne Sor­ge. Wir sind sehr gut fi­nan­ziert und kön­nen uns mit un­se­ren An­teils­eig­ner glück­lich schät­zen. Sie sind al­le sehr vi­sio­när und be­sit­zen An­tei­le an in­ter­es­san­ten Din­gen wie War­ner Mu­sic, Spo­ti­fy oder Dee­zer. Der Ac­cess-Vor­stand hat ge­sagt, DAZN’s Bu­si­ness wird fi­nan­ziert auf ei­ner Ba­sis von zehn bis zwölf Jah­ren.

Das rech­net sich?

Ant­wort: Ob wir be­züg­lich der Ak­qui­si­tio­nen in Ja­pan mit der J-Le­ague das Geld zu­rück­be­kom­men in den nächs­ten paar Jah­ren? Na­tür­lich nicht, aber das ist auch nicht das Ziel. Der Punkt ist, dass die­se pres­ti­ge­träch­ti­ge Li­ga Auf­merk­sam­keit für DAZN er­zeugt. Wir kön­nen zei­gen, wie gut der Ser­vice ist. Und in vier bis sechs Jah­ren kön­nen wir dann selbst­be­wusst sein und in die Pro­duk­te und Rech­te re­inves­tie­ren.

DIE „GROSSEN RECH­TE“will sich Ja­mes Rush­ton mit dem Strea­m­ing-Di­enst DAZN schnap­pen – und da­mit mit An­bie­tern wie Sky kon­kur­rie­ren. Fo­to: dpa

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