Häs­trä­ger spot­ten über Auf­zu­g­test­turm

Rott­wei­ler Nar­ren­sprung lockt die Mas­sen an

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von Le­na Müs­sig­mann und Kath­rin Drin­kuth

Rott­weil/Schram­berg. Noch mal rich­tig ge­nie­ßen, be­vor am Ascher­mitt­woch al­les vor­bei ist – so lau­te­te die De­vi­se: Zahl­rei­che Hoch­bur­gen ha­ben am Fast­nachts­mon­tag mit Um­zü­gen und an­de­ren Fest­ver­an­stal­tun­gen die Fünf­te Jah­res­zeit ge­fei­ert. Al­lein in Rott­weil zo­gen am Mor­gen meh­re­re Tau­send Mäsch­ger­le beim tra­di­tio­nel­len Nar­ren­sprung durch das Schwar­ze Tor in die äl­tes­te Stadt Ba­denWürt­tem­bergs. Un­ter strah­lend blau­em Him­mel ver­folg­ten zwi­schen 10 000 und 15 000 Be­su­cher das Spek­ta­kel, wie die Po­li­zei mit­teil­te. Der Nar­ren­sprung gilt als ei­ner der tra­di­ti­ons­reichs­ten Um­zü­ge der schwä­bisch-ale­man­ni­schen Fast­nacht.

Ei­ne Be­son­der­heit in Rott­weil ist das Auf­sa­gen: Die Nar­ren ha­ben ein Bild oder ei­ne klei­ne Plas­tik da­bei – dann er­zäh­len sie den Be­su­chern am Stra­ßen­rand da­zu An­ek­do­ten aus der Stadt. Mehr­fach zu se­hen war auf den Bil­dern die­ses Jahr der Auf­zu­g­test­turm, der neu­er­dings über Rott­weil auf­ragt, und die um­strit­te­ne Hän­ge­brü­cke, die von dort in die Stadt ge­baut wer­den soll.

Stutt­garts Ober­bür­ger­meis­ter Fritz Kuhn (Grü­ne) durf­te sehr viel län­ger im Amt blei­ben als vie­le Rat­haus­chefs in der Re­gi­on Karls­ru­he, die be­reits am Schmut­zi­gen Don­ners­tag ver­trie­ben wur­den: Kuhn muss­te sich dem An­sturm der Nar­ren erst ges­tern um 11.11 Uhr beu­gen. Er ließ die Rat­haus­tü­ren für rund 150 Ab­ge­sand­te der Kar­ne­vals­ge­sell­schaf­ten öff­nen. Die Nar­ren ver­lie­hen dem OB dar­auf­hin den Or­den „Hu­mor hat Vor­fahrt“– ei­ne An­spie­lung auf die De­bat­te über mög­li­che Fahr­ver­bo­te we­gen des Stutt­gar­ter Fe­in­stau­balarms. Nach­dem Kuhn sich nicht nur als Wit­ze-Er­zäh­ler und Sän­ger, son­dern auch noch als Tän­zer be­tä­tig­te, ver­lieh ihm der Lan­des­ver­band Würt­tem­ber­gi­scher Kar­ne­vals­ver­ei­ne den „He­xen­tanz­or­den“. Auch an­dern­orts ka­men zahl­rei­che Nar­ren zu Um­zü­gen – et­wa in Pful­len­dorf im Kreis Sig­ma­rin­gen. Dort hat­ten die „Stegstre­cker“fast 50 Zünf­te zum „Fast­net Män­tig Um­zug“ein­ge­la­den: Un­ter den Mäsch­ger­le, die durch die bunt ge­schmück­te Stadt zo­gen, wa­ren bei­spiels­wei­se die „Burg­stall­go­is­ter Bit­tel­schieß“, die „Kat­ze­dope­schlie­fer Dei­sen­dorf“so­wie zahl­rei­che Schal­mei­en, Gug­gen­mu­si­ken und

OB Kuhn er­hält Or­den: „Hu­mor hat Vor­fahrt“

Mu­sik­kap­pel­len. Ziem­lich nass wur­de es für man­che Nar­ren tra­di­tio­nell in Schram­berg im Kreis Rott­weil: Mit der „Da-Bach-Na-Fahrt“pfleg­ten sie in dem Schwarz­wald-Städt­chen ei­nen feucht-fröh­li­chen Brauch der schwä­bisch-ale­man­ni­schen Fast­nacht. 40 Zwei­er­teams fuh­ren am Mit­tag in Holz­zu­bern mit krea­ti­ven Auf­bau­ten die Schiltach hin­un­ter. Je nach­dem, wie gut sie sich durch den Bach ma­nö­vrier­ten, wur­de ih­nen von den rund 30 000 Zu­schau­ern „furzt­ro­cken“oder „patsch­nass“zu­ge­ru­fen.

Ganz so fröh­lich ging es zu Fast­nacht nicht über­all zu. Zwei Brü­der wur­den be­reits am Sonn­tag nach ei­ner Fast­nachts­par­ty in Neu­hau­sen im Enz­kreis schwer ver­letzt. Nach An­ga­ben der Po­li­zei wur­den die bei­den 20 und 23 Jah­re al­ten Män­ner vor ei­nem Fest­zelt von meh­re­ren jun­gen Män­nern an­ge­grif­fen. Die Hin­ter­grün­de der Atta­cke wa­ren laut Po­li­zei zu­nächst un­klar.

SCHRÄGE FASTNACHTSKULTFIGUREN: Die Mas­ken­trä­ger mit dem Fe­dera­han­nes-Ko­s­tüm ge­hö­ren zu den At­trak­tio­nen der tra­di­ti­ons­rei­chen Rott­wei­ler Fast­nacht. Weit mehr als 10 000 Gäs­te be­such­ten den be­rühm­ten Nar­ren­sprung. Fo­tos: See­ger

WELLENRITT AUF DEM DRACHEN: Bei der Da-Bach-Na-Fahrt in Schram­berg ris­kiert die­ser Dra­chen­tö­ter ein Bad.

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