Wenn der ei­ge­ne Kör­per zum Feind wird

Stu­die: 70 Pro­zent der Be­völ­ke­rung ha­ben Angst vor Krebs / In­for­ma­ti­ons­dienst be­rät

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ju­li­us Sand­mann

Karls­ru­he/Hei­del­berg. Die Angst vor Krebs sitzt bei sehr vie­len Men­schen tief: Nach den An­ga­ben ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Stu­die der Kran­ken­kas­se DAKGe­sund­heit fürch­ten sich 70 Pro­zent der deut­schen Be­völ­ke­rung am meis­ten da­vor, dass die­se Krank­heit bei ih­nen dia­gnos­ti­ziert wird. Al­ler­dings hat sich die Me­di­zin in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wei­ter­ent­wi­ckelt, und in Hei­del­berg gibt es mit dem Krebs­in­for­ma­ti­ons­dienst (KID) ein um­fas­sen­des Hilfs- und In­for­ma­ti­ons­an­ge­bot (sie­he Stich­wort).

„Krebs wird von den meis­ten Men­schen mit ei­ner töd­li­chen Be­dro­hung as­so­zi­iert“, er­klärt KID-Lei­te­rin Su­san­ne Weg-Re­mers. Hin­zu kommt der per­fi­de Cha­rak­ter des Kreb­ses. „Bei der Krank­heit wird der Kör­per von den ei­ge­nen Zel­len an­ge­grif­fen“, sagt Weg-Re­mers.

Enor­me Fort­schrit­te in der Krebs-The­ra­pie

In Deutsch­land ist der Wunsch nach Be­ra­tung groß: Nach den An­ga­ben ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Stu­die er­kran­ken über 40 Pro­zent der Frau­en und mehr als die Hälf­te der Män­ner im Lau­fe ih­res Le­bens an Krebs. „Bei uns mel­den sich vie­le Pa­ti­en­ten oder An­ge­hö­ri­ge kurz nach ei­ner Krebs-Dia­gno­se, weil sie sich ori­en­tie­ren und wis­sen wol­len, wie es wei­ter­geht“, er­zählt Weg-Re­mers. Denn auch die Angst vor den Ne­ben­wir­kun­gen der The­ra­pie sei groß. Aber die Leu­te bä­ten auch dar­um, ih­nen et­wa bei so­zi­al­recht­li­chen Pro­ble­men zu hel­fen. Aus me­di­zi­ni­scher Sicht kann Weg-Re­mers ein biss­chen Mut ma­chen: „Bei den drei Säu­len der Krebs-The­ra­pie Ope­ra­ti­on, Che­mo­the­ra­pie und Be­strah­lung wa­ren in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enor­me Fort­schrit­te zu ver­zeich­nen.“Zu­dem wür­den die ver­schie­de­nen For­men der Krank­heit im­mer bes­ser auf­ge­schlüs­selt und ziel­ge­rich­te­te­re Me­di­ka­men­te und The­ra­pi­en ent­wi­ckelt.

Al­ler­dings dür­fen sich Er­krank­te kei­ne fal­schen Il­lu­sio­nen über ei­ne kom­plet­te Hei­lung ma­chen. „Heut­zu­ta­ge ha­ben weit­aus mehr Men­schen ei­ne lang­fris­ti­ge Über­le­bens­chan­ce. Den­noch führt für vie­le ei­ne Krebs-Dia­gno­se nach wie vor zum Tod“, sagt Weg-Re­mers. Das Ziel der Be­hand­lung sei, dass ein Pa­ti­ent nicht an ei­nem Tu­mor ster­be und ein gu­tes Le­ben füh­ren kön­ne. „Je­mand, der sei­nen Krebs zehn Jah­re über­lebt hat, hat ei­ne gu­te Chan­ce, dass die­ser nicht wie­der­kommt“, er­klärt Weg-Re­mers.

Die KID-Lei­te­rin hat ein paar Tipps, um der Krank­heit zu­min­dest et­was vor­zu­beu­gen: „Wich­tig ist die Ba­lan­ce zwi­schen Er­näh­rung und kör­per­li­cher Be­tä­ti­gung.“Über­ge­wicht sei da­her nicht gut; Fast Food, be­son­ders zu­cker­hal­ti­ge Ge­trän­ke und ro­tes Fleisch, sei­en zu mei­den, pflanz­li­che Pro­duk­te hin­ge­gen zu be­vor­zu­gen. Zu­dem könn­ten UVS­trah­len – auch in So­la­ri­en – ge­fähr­lich wer­den. Ge­ra­de bei Kin­dern er­hö­he zu viel Son­ne das Haut­krebs­ri­si­ko.

Au­ßer­dem ist das Rau­chen nach wie vor ein gro­ßer Fak­tor. „Rau­chen er­höht nicht nur das Ri­si­ko, an Lungenkrebs zu er­kran­ken“, er­zählt Weg-Re­mers. Um da­mit auf­zu­hö­ren sei es je­doch nie zu spät, er­klärt Her­mann Bren­ner, Ab­tei­lungs­lei­ter im Deut­schen Krebs­for­schungs­zen­trum. „Nach ei­nem Rauch­stopp sinkt das Krebs­ri­si­ko schon nach we­ni­gen Jah­ren mess­bar – auch nach lan­gen Jah­ren ei­nes Rau­cher­le­bens.“

DIA­GNO­SE LUNGENKREBS: Das Rau­chen er­höht nicht nur das Ri­si­ko für die­se Er­kran­kung, son­dern auch für an­de­re Krebs­ar­ten. For­scher be­to­nen je­doch, dass ein Zi­ga­ret­ten­ver­zicht auch nach jah­re­lan­gem Rau­chen ef­fek­tiv sein kann. Fo­to: Rai­ner Jen­sen dpa/lbn

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