Von we­gen spe­zi­ell!

Zwei­tes Abend­ster­ne-Kon­zert un­ter der Lei­tung von Cars­ten Wie­busch

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Wer glaubt, die Hän­del-Fest­spie­le mit ih­ren Opern- und Kon­zert­auf­füh­run­gen sei­en nur et­was für be­son­ders Ba­rock-In­ter­es­sier­te und für ein brei­te­res Pu­bli­kum viel zu spe­zi­ell und zu ab­ge­ho­ben, der konn­te sich beim äu­ßerst gut be­such­ten Kon­zert in der na­he­zu voll­be­setz­ten Chris­tus­kir­che – die mit­nich­ten ei­ne klei­ne Kir­che ist – ei­nes Bes­se­ren be­lehrt se­hen. Das mit „Abend­ster­ne 2“über­schrie­be­ne und im Pro­gramm­heft tref­fend mit „Ita­lie­ni­sche Rei­se“um­ris­se­ne Kon­zert bot ne­ben Wer­ken Hän­dels auch Stü­cke von Vi­val­di und Co­rel­li.

Die von Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Cars­ten Wie­busch ge­lei­te­ten Deut­schen Hän­del-So­lis­ten, das Orches­ter der Karls­ru­her Hän­del­fest­spie­le, über­zeug­ten be­reits zu Be­ginn in der Ou­ver­tü­re g-Moll zu „Don­na che in ciel“ HWV 233 mit ei­nem mar­kan­ten Klang­bild und er­öff­ne­ten den Abend stil­ge­recht. Der pol­ni­sche Coun­ter­te­nor Ja­kub Józef Or­lin­ski sorg­te im An­schluss in Vi­val­dis Ver­to­nung des 126. Psalms „Ni­si Do­mi­nus“für gro­ße Be­geis­te­rung beim Pu­bli­kum; mit sei­ner sehr prä­sen­ten, aber den­noch nicht auf­dring­li­chen Stim­me füll­te er den ge­sam­ten Kir­chen­raum mit so­no­rem Wohl­klang aus. Be­son­ders an­ge­nehm zu hö­ren war et­wa der vier­te Satz mit sei­nem wie­gen­den Rhyth­mus; be­mer­kens­wert auch der Glo­ria-Satz, der durch das ge­wollt lang­sa­me Tem­po im Ver­ein mit ei­nem me­lan­cho­li­schen Brat­schen­so­lo die Er­war­tun­gen des Zu­hö­rers nach fest­li­chem Ge­prän­ge be­wusst un­ter­lief.

Von ei­nem apar­ten und zu­gleich vir­tuo­sen Or­gel­so­lo ge­prägt war ein Orches­ter-So­na­ten­satz aus dem Hän­delO­ra­to­ri­um „Il tri­on­fo des tem­po e del in­gan­no“HWV 46 a, der zum recht be­kann­ten Con­cer­to gros­so op. 6 Nr. 4 von Ar­can­ge­lo Co­rel­li über­lei­te­te. Das Ge­gen­über von So­lis­ten­grup­pe und Orches­ter­tut­ti war von gro­ßer Aus­ge­wo­gen­heit, be­son­ders der quir­li­ge und äu­ßerst ra­sant in­ter­pre­tier­te Fi­nal­satz hin­ter­ließ nach­hal­ti­gen Ein­druck. Sei­nen Hö­he­punkt er­lang­te das Kon­zert in­des mit Hän­dels Psalm­ver­to­nung „Di­xit Do­mi­nus“. Die So­pra­nis­tin­nen Jen­ni­fer Fran­ce und Il­kin Al­pay so­wie noch­mals Ja­kub Or­lin­ski und der Kam­mer­chor der Chris­tus­kir­che bo­ten ei­ne mus­ter­gül­ti­ge, den Text nach­voll­zieh­bar aus­deu­ten­de und sehr über­zeu­gen­de Auf­füh­rung des Wer­kes und lie­ßen am En­de Ju­bel­ru­fe aus dem Pu­bli­kum er­tö­nen. -hd.

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