Trai­ner für bes­se­ren Schlaf

„Slee­pCoach“misst Vi­tal­da­ten und er­fragt schlaf­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren

Pforzheimer Kurier - - WISSENSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Kon­rad Stamm­schrö­er

Karls­ru­he. Geht es Ih­nen auch so? Sie ha­ben acht St­un­den ge­schla­fen, füh­len sich mor­gens aber tod­mü­de. Oder sie kön­nen par­tout nicht ein- oder durch­schla­fen. Und das seit ge­rau­mer Zeit. Dann soll­ten Sie ih­rer man­gel­haf­ten Schlaf­qua­li­tät of­fen­siv ent­ge­gen­tre­ten. Blei­ben Schlaf­pro­ble­me un­be­han­delt, be­steht ein er­höh­tes Ri­si­ko für die Ent­wick­lung von Herz-Kreis­lauf­er­kran­kun­gen und ei­ne re­du­zier­te Le­bens­er­war­tung. Schlech­ter Schlaf ver­ur­sacht Ag­gres­si­on und De­pres­si­on, ver­schlech­tert die Ar­beits­ef­fi­zi­enz und be­ein­flusst das Er­in­ne­rungs-und Ur­teils­ver­mö­gen. Feh­ler pas­sie­ren öf­ter und Un­fäl­le wer­den wahr­schein­li­cher.

Doch was tun, um die Schlaf­qua­li­tät zu ver­bes­sern? Ur­sa­chen­for­schung ist das Ge­bot der St­un­de. Sind mi­nu­ten­lan­ge Ate­maus­set­zer (Schlaf­apnoe), das Rest­less-Legs-Syn­drom (ru­he­lo­se Bei­ne) oder an­de­re Um­stän­de wie fal­sches Schlaf­ver­hal­ten Schuld am schlech­ten Schlaf? Arzt­be­such, dann even­tu­ell Über­wei­sung ins Schlaf­la­bor – das ist der­zeit der klas­si­sche Weg, um den Pro­ble­men auf die Spur zu kom­men. „Doch die War­te­zei­ten für ei­ne sta­tio­nä­re, mehr­tä­gi­ge Kon­trol­le des Schla­fes in La­bo­ren sind lang. Sie be­tra­gen manch­mal bis zu ei­nem Jahr“, weiß Jo­han­nes Schnei­der vom FZI For­schungs­zen­trum In­for­ma­tik in Karls­ru­he. „Slee­pCoach“, ei­ne Art Früh­er­ken­nungs­sys­tem und am­bu­lan­te Vor­ab­un­ter­su­chung, soll Pa­ti­en­ten schnel­ler Hil­fe bie­ten und die Not­wen­dig­keit um­fas­sen­de­rer Dia­gno­se in Schlaf­la­bo­ren ab­klä­ren.

„Slee­pCoach“be­steht aus zwei Ele­men­ten: ei­nem zu Hau­se trag­ba­ren Sen­sor für das Hand­ge­lenk, der Slee­pWatch. „Er misst Vi­tal­da­ten wie Herz­ra­te, Herz­ra­ten­va­ria­bi­li­tät, At­mung, Be­we­gung und La­ge“, er­klärt Schnei­der. Wei­te­re re­le­van­te Grö­ßen wie Lärm, Hel­lig­keit und Tem­pe­ra­tur wer­den mit­ein­be­zo­gen. Zu­dem ent­hält das Sys­tem ei­ne Smart­pho­ne-App. Sie er­fasst nächt­li­che Atem­ge­räu­sche mit dem ein­ge­bau­ten Mi­kro­fon und er­fragt schlaf­be­ein­flus­sen­de Fak­to­ren über ein vom Nut­zer ge­führ­tes elek­tro­ni­sches Schlaf­ta­ge­buch. „Der Nut­zer von Slee­pCoach soll da­durch selbst ler­nen, was Ein­fluss auf sei­nen Schlaf hat. Hat er vor dem Zu­bett­ge­hen viel Kaf­fee ge­trun­ken oder mit der bö­sen Schwie­ger­mut­ter te­le­fo­niert, kann er das ein­tra­gen,“er­läu­tert Schnei­der. Fällt der Schlaf nach Koff­e­in­ge­nuss und Te­le­fon­stress un­ru­hig aus, kön­nen künf­tig der­ar­ti­ge Au­ßen­ein­flüs­se zu spä­ter St­un­de ver­mie­den wer­den. „Der Ta­ges­ver­lauf steht in di­rek­ter Ver­bin­dung zur Schlaf­qua­li­tät“, so Schnei­der. Je­der kön­ne für sich her­aus­fin­den, was sei­nen Schlaf ne­ga­tiv oder po­si­tiv be­ein­flusst. Ist ein de­tail­lier­tes Scree­ning ge­bo­ten, geht am Schlaf­la­bor kein Weg vor­bei. Wäh­rend der gan­zen Nacht wer­den dort ver­schie­de­ne Kör­per­funk­tio­nen wie Hirn­strö­me, Au­gen­be­we­gun­gen, At­mung, Mus­kel­span­nung oder Sau­er­stoff­sät­ti­gung des Blu­tes auf­ge­zeich­net. Auf­grund die­ser Mess­wer­te kann am Mor­gen da­nach ein sehr ge­nau­es Schlaf­pro­fil der ein­zel­nen Schlaf­sta­di­en er­stellt wer­den. Die­ses Schlaf­pro­fil lässt Rück­schlüs­se auf die Schlaf­qua­li­tät und die Ur­sa­chen für de­ren Be­ein­träch­ti­gung zu. Der ge­sam­te Auf­ent­halt ei­nes Pa­ti­en­ten im Schlaf­la­bor kann bei­spiels­wei­se drei Ta­ge be­zie­hungs­wei­se Näch­te dau­ern. „Slee­pCoach“ist ein drei­jäh­ri­ges, vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung ge­för­der­tes For­schungs­pro­jekt, das noch bis Mai die­sen Jah­res läuft. Es hat ein Bud­get von rund 600 000 Eu­ro. Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner sind das FZI For­schungs­zen­trum In­for­ma­tik am KIT, die mo­vi­sens Gm­bH in Karls­ru­he und das Schlaf­la­bor des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Frei­burg.

SLEEP COACH be­steht aus Sen­sor plus App.

Fo­to: mo­vi­sens

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