Jon­ker, der über­rasch­te „Wunsch­kan­di­dat“

VfL Wolfs­burg er­in­nert sich van Gaals und Ma­gaths eins­ti­gen As­sis­ten­ten / Nie­der­län­der be­tritt kein Neu­land

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Wolfs­burg (sid). An­dries Jon­ker schau­te nach­denk­lich. Der neue Jo­ker im Ab­stiegs­kampf des VfL Wolfs­burg leg­te im­mer wie­der die Stirn in Fal­ten und blick­te aus dem Fens­ter. „Wir müs­sen hier ein klei­nes Pro­blem lö­sen“, sag­te der Nie­der­län­der bei sei­ner Vor­stel­lung als Hoff­nungs­trä­ger der Wöl­fe. Das „klei­ne“Pro­blem: den kri­seln­den Meis­ter von 2009 vor dem dro­hen­den Ab­sturz in die Zwei­te Li­ga ret­ten. Mit et­was Ver­spä­tung be­gann um 14.06 Uhr Jon­kers Mis­si­on in Wolfs­burg, der frü­he­re As­sis­tent von Lou­is van Gaal beim FC Bay­ern soll die Nie­der­sach­sen als Nach­fol­ger des ge­schei­ter­ten Valé­ri­en Is­maël wie­der in die Spur brin­gen. Jon­ker sei die „Wun­schlö­sung“, sag­te Sport­chef Olaf Reb­be bei des­sen Vor­stel­lung in der Are­na: „Ziel ist es, mög­lichst schnell die 40 Punk­te zu er­rei­chen.“

Sechs Sie­ge aus den ver­blei­ben­den zwölf Spie­len? Ein durch­aus am­bi­tio­nier­tes Ziel. Dies wur­de Is­maël nicht mehr zu­ge­traut. Am Sonn­tag teil­te Reb­be dem Deutsch-Fran­zo­sen mit, dass sei­ne Di­ens­te in der Au­to­stadt nicht mehr ge­braucht wer­den. Nun über­nimmt Jon­ker, aus­ge­stat­tet mit ei­nem Ver­trag bis 2018, die schwie­ri­ge Auf­ga­be, aus ei­ner An­samm­lung von hoch­be­gab­ten Spie­lern wie Ma­rio Go­mez oder Da­ni­el Di­da­vi ei­ne ech­te Mann­schaft zu for­men, die dem Druck im Ab­stiegs­kampf ge­wach­sen ist. Er wol­le „wis­sen, was los ist“, sag­te Fa­mi­li­en­va­ter Jon­ker. Er müs­se her­aus­fin­den, war­um das im Win­ter noch ein­mal für 33 Mil­lio­nen Eu­ro ver­stärk­te Team fünf der letz­ten sechs Spie­le ver­lo­ren und als Ta­bel­len-14. nur noch zwei Punk­te Vor­sprung auf den Re­le­ga­ti­ons­rang hat.

Vor den nun an­ste­hen­den Aus­wärts­spie­len in Mainz und Leip­zig wol­le er vor al­lem „Klar­heit“ver­mit­teln, um das „Ma­xi­ma­le aus der Mann­schaft zu ho­len“, er­gänz­te er. Jon­ker bringt zwei KoTrai­ner mit nach Wolfs­burg: Ei­ner von bei­den ist Fred­die Ljung­berg, frü­he­rer schwe­di­scher Na­tio­nal­spie­ler und ehe­ma­li­ges Un­ter­wä­sche-Mo­del, der sei­ne bes­te Zeit als Spie­ler beim FC Ar­senal hat­te. Jon­ker selbst über­nimmt erst­mals die Haupt­rol­le bei ei­nem gro­ßen Club. Der 54-Jäh­ri­ge lei­te­te zu­letzt die Nach­wuchs­aka­de­mie des eng­li­schen TopClubs Ar­senal, von 2009 bis 2011 war er beim FC Bay­ern Schat­ten­mann von van Gaal. Nach des­sen Ent­las­sung im April 2011 führ­te er die Münch­ner als Chef­trai­ner in die Cham­pi­ons Le­ague.

Auch in Wolfs­burg ist Jon­ker ein al­ter Be­kann­ter: Von 2012 bis 2014 war er KoTrai­ner un­ter Fe­lix Ma­gath, Lo­ren­zGün­ther Köst­ner und Die­ter He­cking. „Ich hät­te nie ge­dacht, dass ich der Wunsch­kan­di­dat sein könn­te“, sag­te Jon­ker, über die „über­ra­schen­de“An­fra­ge von Reb­be. Lan­ge nach­den­ken konn­te er nicht. „Sie ha­ben mir kei­ne Zeit ge­las­sen, es muss­te ganz, ganz schnell ge­hen“, sag­te der Nie­der­län­der, der nach Is­maël und He­cking schon der drit­te Trai­ner der schwä­cheln­den Mil­lio­nen-Trup­pe in der lau­fen­den Sai­son ist. Jon­ker kann nicht mehr viel ge­win­nen bis zum Som­mer, der Klas­sen­ver­bleib mit der sechst­teu­ers­ten Mann­schaft der Bun­des­li­ga ist ei­gent­lich ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Doch er und Reb­be ha­ben je­de Men­ge zu ver­lie­ren. Aus­ge­rech­net im Jahr der 20-jäh­ri­gen Bun­des­li­ga­zu­ge­hö­rig­keit droht der Ab­stieg in die Zweit­klas­sig­keit.

„GANZ, GANZ SCHNELL“muss­te al­les ge­hen: Nun ist An­dries Jon­ker der­je­ni­ge, der als Trai­ner Ver­ant­wor­tung trägt, dass der VfL Wolfs­burg nicht in die Zwei­te Li­ga fällt. Fo­to: dpa

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