Vie­le Lä­den sind heu­te Nach­mit­tag ge­schlos­sen

Pforz­hei­mer fei­ern auch oh­ne ei­ge­nen Um­zug

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Ob­wohl auf den Stra­ßen Pforz­heims bis auf ein paar ver­klei­de­te Men­schen nicht über­mä­ßig viel von Fas­nacht zu spü­ren ist – da muss man schon die Hal­len­fas­nacht auf­su­chen oder die Prunk­sit­zun­gen der Fas­nachts-Ge­sell­schaf­ten – gilt doch auch in der Gold­stadt: Am heu­ti­gen Fas­nachts­diens­tag ha­ben so gut wie al­le Ge­schäf­te in der Pforz­hei­mer In­nen­stadt ge­schlos­sen. So ha­ben die An­ge­stell­ten auch die Mög­lich­keit, sich ins när­ri­sche Trei­ben zu stür­zen. Al­ler­dings müs­sen sie für ei­nen Um­zug in den Enz­kreis fah­ren, in Dill­wei­ßen­stein gibt es be­reits im drit­ten Jahr kei­nen mehr. Aber: Fas­nacht ist Fas­nacht. Oder doch nicht? Der Ku­ri­er hör­te sich in Pforz­heim um – und fand Un­ter­schied­li­ches her­aus.

Ent­we­der gibt es ab­so­lu­te Fas­nachtsFans oder das Ge­gen­teil da­von: den Fas­nachts­muf­fel. Und das mit den Um­zü­gen ist auch so ei­ne Sa­che für sich. Bei Wind und Wet­ter an den Stra­ßen­rand ste­hen und fröh­lich sein? Nicht un­be­dingt. Der Fo­to-Fach­an­ge­stell­te Ste­fan Stau­da­cher et­wa be­zeich­net sich zwar als „rich­ti­gen Fas­nach­ter“, aber Hal­le ist ihm doch lie­ber als Um­zug. „Da kann ich sit­zen“, sagt er la­chend. Und fügt hin­zu: „Beim Um­zug muss das Wet­ter stim­men.“Ob sein Ge­schäft ge­schlos­sen hat, ist für ihn zweit­ran­gig. „Ich ha­be so­wie­so frei.“Doch Ste­fan Stau­da­cher wird die freie Zeit in Stutt­gart-Feu­er­bach ver­brin­gen, wo er vie­le Mit­glie­der des dor­ti­gen Ver­eins kennt und mög­lichst auch al­le Ver­an­stal­tun­gen be­sucht. „Letz­tes Jahr war ich Ma­ri­en­kä­fer“, sagt er. Auch Frank Merk­le, der seit zehn Jah­ren in Pforz­heim in ei­nem Kauf­haus ar­bei­tet, ver­bringt sei­ne när­ri­sche Zeit nicht am Ar­beits­ort, son­dern in Bret­ten. Ver­klei­det ist er schnell, da er noch al­te Bun­des­wehr-Kla­mot­ten hat, wie er sagt. Wür­de ihm ein Um­zug in Pforz­heim ge­fal­len? Wenn, dann müss­te der durch die In­nen­stadt füh­ren, fin­det er.

Auch Ma­ria Reif, die in ei­ner Än­de­rungs­schnei­de­rei ar­bei­tet, hat Spaß am när­ri­schen Trei­ben. „Mein Mann Jo­sef und ich wa­ren am Sonn­tag in Er­sin­gen auf dem Um­zug, das war su­per. Hat uns aber ge­ra­de noch ge­reicht. Wir ka­men vom Ski­fah­ren und dann bin ich ein­fach in Ski­ho­se dort­hin ge­gan­gen.“Das Ehe­paar Reif war auch schon in Dill­wei­ßen­stein beim Um­zug, wür­de jetzt aber nicht mit dem Au­to durch die Ge­gend fah­ren, um Er­satz zu su­chen. „Wenn in Dill­wei­ßen­stein wie­der ein Um­zug wä­re, wür­den wir so­fort wie­der hin­ge­hen“, sagt sie.

Und dann gibt es da noch die Sor­te Fas­nachts-Nar­ren, die sich of­fen­bar schon ge­nug aus­ge­tobt ha­ben. Zu die­ser ge­hört die Mo­de­de­si­gne­rin Eva Vogt, die schon von Be­rufs we­gen ei­ne Af­fi­ni­tät für Ko­s­tü­me hat. Aber: „Frü­her hab ich das lie­ber ge­macht, es hat et­was nach­ge­las­sen. Und mein Kind ist ja auch schon groß.“Al­ler­dings sei sie, so sagt die

Fas­nach­ter zieht es auch in den Enz­kreis

Würz­bur­ge­rin, ein­mal in Tie­fen­bronn beim Fa­schings-Um­zug ge­we­sen. „Den fand ich un­heim­lich toll.“

Und die Aus­zu­bil­den­de im Buch­han­del, Ma­ria Rei­chert, sucht noch nach dem rich­ti­gen Ver­ein. „Ich war zehn Jah­re lang bei der Fas­nacht ak­tiv hier, in der Gar­de. Aber ich ha­be mich kom­plett zu­rück­ge­zo­gen und freue mich jetzt ein­fach über ei­nen frei­en Nach­mit­tag.“Viel­leicht reißt es sie ja mal wie­der mit, dann aber nur ak­tiv. „Nur als Zu­schau­er am Rand ste­hen, das fin­de ich lang­wei­lig.“

Über ih­ren frei­en Nach­mit­tag freut sich auch die Kos­me­tik-Fach­an­ge­stell­te Kers­tin Fröh­lich. Sie be­dau­ert eben­falls, dass es den Um­zug in Dill­wei­ßen­stein nicht mehr gibt. „Der hat mir sehr gut ge­fal­len.“Und dann gibt es da noch jun­ge Fas­nachts-Muf­fel, wie zum Bei­spiel den 21-jäh­ri­gen Stu­den­ten Ma­ri­us Gei­ger.

„Ich bin über­haupt kein Fa­schings­mensch. Und ich ver­klei­de mich auch nicht. Frü­her mal in Nie­fern, da war ich Bat­man.“

DER SCHNEEMANN ist al­les, was vom Um­zug in Dill­wei­ßen­stein üb­rig ge­blie­ben ist: Die Mit­glie­der der Bel­rem-Gil­de ha­ben ihn prä­pa­riert. Er wird am heu­ti­gen Abend mit viel Tam­tam auf dem Lud­wigs­platz ver­brannt. Ab 17.11 Uhr wird ge­fei­ert. Fo­to: Roth

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