Per­so­nal­zu­wachs in „Ki­kis Nest“

Micha­el Ro­se­now aus Kie­sel­bronn hat den Be­ruf ge­wech­selt und ar­bei­tet als Ta­ges­va­ter

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Su­san­ne Roth

Kie­sel­bronn. Als Exot emp­fin­det sich Micha­el Ro­se­now jetzt wirk­lich nicht. Mit dem Be­griff weiß er gar nicht viel an­zu­fan­gen au­ßer, mit den Schul­tern zu zu­cken. Und den­noch übt er ei­nen Job aus, in dem man eher sel­ten Män­ner ver­mu­tet und auch fin­det: Der 45-jäh­ri­ge Kie­sel­bron­ner ist Ta­ges­va­ter.

Von Kin­dern um­ge­ben zu sein, das war der ge­lern­te Kauf­mann, der zu­letzt als The­ra­pie-Di­s­po­nent im süd­li­chen Land­kreis Karls­ru­he ar­bei­te­te, schon ge­wohnt. Fünf ei­ge­ne Kin­der im Al­ter von drei bis 18 Jah­ren hat er zu­sam­men mit sei­ner Frau An­ne. Die­se ar­bei­tet be­reits seit 2003 als Ta­ges­mut­ter – nun hat „Ki­kis Nest“mit Micha­el Ro­se­now noch Per­so­nal­zu­wachs be­kom­men. Und da­mit dür­fen auch mehr Kin­der auf­ge­nom­men wer­den. Bis zu sie­ben Kin­der un­ter drei Jah­ren wä­ren mög­lich, aber mit zwölf Kin­dern ins­ge­samt sind im Haus Ro­se­now auch rein schon von den Rä­um­lich­kei­ten her die Gren­zen er­reicht und der An­bau in Gestalt ei­ner ehe­ma­li­gen Scheu­ne, in den „Ki­kis Nest“dann zie­hen wird, ist erst noch im Wer­den. Ge­plant war es nicht un­be­dingt, dass Micha­el Ro­se­now bei „Ta­ges­müt­ter Enz­tal“ei­ne Qua­li­fi­zie­rung als Ta­ges­va­ter macht, „das hat sich so er­ge­ben“, sagt er. Erst beim vier­ten Kind, dem im Jahr 2010 ge­bo­re­nen Ben, ha­be er sich ei­ne El­tern­zeit ge­nom­men. Frü­her war das auch nicht un­be­dingt üb­lich. Beim fünf­ten Kind, dem 2013 ge­bo­re­nen Eli­as, ver­län­ger­te er auf ein Jahr. Und be­reits nach ei­nem hal­ben Jahr zu­hau­se wuss­te er: „Ich will nicht mehr zu­rück in die­sen Be­ruf.“Erst ha­be er den Stel­len­markt stu­diert, aber im Ge­gen­satz zu sei­ner Frau An­ne kei­ne An­ge­bo­te be­kom­men. Und es sehr be­dau­ert, dass sie den Nach­wuchs ei­ner be­freun­de­ten Fa­mi­lie zu­rück­wei­sen muss­ten, weil die vom Enz­kreis vor­ge­se­he­ne Mar­ge er­reicht war. Der 45-Jäh­ri­ge merk­te auch, wie gut ihm die Zeit mit den Kin­dern tat und wie viel Spaß es ihm mach­te, mit ih­nen zu­sam­men zu sein. „Ist ein­fach toll“, sagt er. „Nicht mehr mor­gens aus dem Haus ge­hen, wenn sie noch schla­fen und abends heim kom­men, wenn sie schon im Bett lie­gen und nur am Wo­che­n­en­de Pa­pa sein.“ Dass sei­ne zwei­te El­tern­zeit mit dem Ent­schluss, den Job hin­zu­wer­fen, en­den wür­de ahn­te er nicht. Als gläu­bi­ge Chris­ten ha­be man sich ge­sagt, „wir schau­en mal, was Gott mit uns vor hat“. Wenn man in­stän­dig um die Ant­wort auf ei­ne kon­kre­te Fra­ge bit­te und „dran­blei­be“, dann be­kom­me man die­se auch. „Erst war die Re­de da­von, dass ich halb­tags ar­bei­te.“Und Schritt für Schritt war klar, Ro­se­now macht ei­nen Schnitt und wird Ta­ges­va­ter. Na­tür­lich müs­se man sich in der Er­zie­hung ei­nig sein, sagt er. Und kon­se­quent blei­ben. „Mei­ne Frau macht den Plan für den Tag und wenn sie sagt, heu­te ist Bas­teln dran, dann ist das okay für mich“, sagt Ro­se­now. „Na­tür­lich ha­ben wir ei­ne Ar­beits­tei­lung. Ich ko­che zum Bei­spiel.“Und Quat­schma­chen ge­hört na­tür­lich auch da­zu. Er fügt hin­zu: „Aber wir sit­zen nicht oft zu zwölft am Tisch, das ver­teilt sich.“„Die Zeit, in der am meis­ten los ist, ist mor­gens, dann wird es ru­hi­ger, je wei­ter der Tag vor­an­schrei­tet.“Um 7.15 Uhr fängt der Tag an, die Ta­geskin­der wer­den meist um 16.45 Uhr ab­ge­holt. Und die Qua­li­fi­zie­rung sei kein Pro­blem ge­we­sen. „Ich war ja schon im The­ma drin und ha­be auch recht­li­che Än­de­run­gen durch mei­ne Frau mit­be­kom­men.“Kei­ne Se­kun­de ha­be er den Ent­schluss be­reut. Erst recht nicht, wenn er im Som­mer im Gar­ten sitzt, „al­le Kin­der spie­len und glück­lich sind“. Und an wel­chem Ar­beits­platz be­kom­me man schon ei­ne stür­mi­sche Umar­mung zur Be­grü­ßung.

El­tern­zeit en­de­te mit Job­wech­sel

UM­GE­BEN VON NEU­EN ARBEITSUTENSILIEN wie Spie­le, Ku­schel­tie­re, Mi­ni-Kü­che: der Kie­sel­bron­ner Ta­ges­va­ter Micha­el Ro­se­now. Fo­to: Roth

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.