Kei­ne Ab­schot­tung

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Der „Wo­chen­blick“, ei­ne erst vor ei­nem Jahr ge­grün­de­te Re­gio­nal­zei­tung in Ober­ös­ter­reich, war bis­lang der deut­schen Öf­fent­lich­keit eher un­be­kannt. Doch seit ei­ni­gen Ta­gen ist dies an­ders. Seit­dem die Zei­tung auf ih­rer Home­page ein Bild von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel vor ei­nem Flücht­lings­la­ger mit der Über­schrift „Mer­kel hofft auf zwölf Mil­lio­nen Ein­wan­de­rer“ver­öf­fent­licht hat, ist in den so­zia­len Netz­wer­ken in Deutsch­land die Em­pö­rung groß. In rechts­po­pu­lis­ti­schen Krei­sen gilt der Ar­ti­kel als Be­leg da­für, dass Mer­kel in ei­nem Ge­heim­plan die „Mas­sen­ein­wan­de­rung nach Deutsch­land“pla­ne. Doch der an­geb­li­che ge­hei­me Plan ist we­der ge­heim noch in sei­nen Kern­aus­sa­gen über­ra­schend neu. Viel­mehr han­delt es sich um den re­gu­lä­ren „De­mo­gra­fie-Bericht“der Bun­des­re­gie­rung aus dem Hau­se von In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, der im In­ter­net ein­seh­bar ist. Und al­les an­de­re als ge­heim wa­ren auch ein öf­fent­li­cher De­mo­gra­fie­gip­fel der Re­gie­rung in der vor­letz­ten Wo­che so­wie ei­ne Bun­des­tags­de­bat­te am Don­ners­tag. Von Ver­schwö­rung kei­ne Spur.

Denn die Pro­ble­me sind akut. In we­ni­gen Jah­ren schei­den die „Ba­by-Boo­mer“, die An­ge­hö­ri­gen der ge­bur­ten­stärks­ten Nach­kriegs­jahr­gän­ge, aus dem ak­ti­ven Er­werbs­le­ben aus und wer­den Rent­ner. Mit al­len Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen für die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen und die So­zi­al­kas­sen. Selbst die Zu­wan­de­rung kann das de­mo­gra­fi­sche Pro­blem von Übe­r­al­te­rung und Schrump­fung nicht lö­sen, al­len­falls et­was ab­mil­dern. Der Al­te­rungs­pro­zess der Ge­sell­schaft schrei­tet wei­ter vor­an.

Die Bun­des­re­gie­rung setzt auf wei­te­re Zu­wan­de­rung, al­ler­dings nicht, wie die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker be­haup­ten, von zwölf Mil­lio­nen Men­schen auf ei­nen Schlag. Ab­schot­tung ge­fähr­det lang­fris­tig den wirt­schaft­li­chen Wohl­stand und den so­zia­len Frie­den. Um re­gu­lie­rend steu­ern zu kön­nen und die Zu­wan­de­rung aus­schließ­lich in die So­zi­al­sys­te­me zu ver­hin­dern, ist al­ler­dings ein mo­der­nes Ein­wan­de­rungs­ge­setz, in dem der Be­darf, die Qua­li­fi­ka­tio­nen und die Re­geln klar de­fi­niert wer­den, über­fäl­lig.

Ei­ne „Mi­nus-Zu­wan­de­rung“kann man for­dern, man muss dann aber auch die Kon­se­quen­zen klar be­nen­nen. Die Al­ter­na­ti­ve heißt: Län­ger ar­bei­ten. Vom Him­mel reg­net das Man­na je­den­falls nicht. Dar­um gilt es, schon jetzt ent­ge­gen­zu­steu­ern. Die von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on be­schlos­se­ne Fle­xi-Ren­te ist ein ers­ter Schritt, um sich von ei­nem star­ren Ren­ten­ein­tritts­al­ter zu lö­sen. Die von der AfD ge­for­der­te „Mi­nus-Zu­wan­de­rung“hin­ge­gen taugt nichts, im Ge­gen­teil. Sie wür­de die de­mo­gra­fi­schen Pro­ble­me nur noch ver­schär­fen.

Die Ge­sell­schaft wird im­mer äl­ter

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