Die Saar-Über­ra­schung

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Die Wahl­for­scher sind auch nicht mehr das, was sie ein­mal wa­ren. Ein Kopf-anKopf-Ren­nen zwi­schen CDU und SPD im Saar­land hat­ten die Ex­per­ten vor­her­ge­sagt, aber sie ha­ben die Rech­nung of­fen­sicht­lich oh­ne die Wäh­ler ge­macht. Die Uni­on hielt sich nicht nur wa­cker, son­dern sie leg­te noch be­acht­lich zu. Die SPD konn­te die Eu­pho­rie um ih­ren neu­en Ber­li­ner Spit­zen­mann Mar­tin Schulz nicht in Wäh­ler­stim­men um­set­zen. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten hat­ten auf ei­nen Macht­wech­sel an der Saar ge­hofft und auf ein Si­gnal, das An­ge­la Mer­kel das Fürch­ten leh­ren soll­te. Doch Pus­te­ku­chen.

Die Kanz­le­rin geht ge­stärkt aus dem Ur­nen­gang im kleins­ten Flä­chen­land her­vor. Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hat ih­rer Par­tei­freun­din in Ber­lin die Schmach ei­ner CDU-Nie­der­la­ge er­spart. Schon im Ja­nu­ar hat­te die Uni­on in Saarbrücken weit vor der SPD ge­le­gen, doch dann kam der Pau­ken­schlag aus Ber­lin und mit ihm

die Schulz-Be­geis­te­rung. An der Saar hat der Hy­pe um den neu­en Mann an der SPD-Spit­ze und um lin­ke Blü­ten­träu­me nicht ver­fan­gen. Am En­de gab die so­li­de Re­gie­rungs­ar­beit der Mi­nis­ter­prä­si­den­tin beim Kreuz­chen­ma­chen den Aus­schlag. Bun­des­po­li­ti­sche The­men ha­ben am En­de doch nicht die er­war­te­te Rol­le ge­spielt. Am En­de ging es um mehr Ar­beits­plät­ze in ei­ner struk­tur­schwa­chen Re­gi­on, um ei­ne bes­se­re In­fra­struk­tur vor der Haus­tü­re und um die Zu­kunft des Tur­bo-Abiturs.

Zu­min­dest hat es das Saar­land ge­schafft, trotz der ver­gleichs­wei­se klei­nen Zahl von Stimm­be­rech­tig­ten, für gro­ße bun­des­po­li­ti­sche Be­ach­tung zu sor­gen. Zu Be­ginn des Su­per­wahl­jah­res schau­te auch das Aus­land ge­bannt nach Saarbrücken. Sind ers­te Zei­chen für ei­ne Ber­li­ner Göt­ter­däm­me­rung zu er­ken­nen oder bleibt al­les beim Al­ten? Der Stim­men­zu­wachs der Uni­on ist Rü­cken­wind für die Ber­li­ner Re­gie­rungs­ar­beit von An­ge­la Mer­kel.

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