Von Thea­ter­ku­lis­se bis Ka­be­l­iso­lie­rung

Was Pa­pier so al­les kann / Trend zur Spe­zia­li­sie­rung

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Bam­berg/Ober­kirch. Die Zei­tung im Brief­kas­ten, der Stau im Dru­cker oder zer­knüll­te Ta­schen­tü­cher. Sol­che Din­ge fal­len Men­schen als ers­tes ein, wenn es um den Werk­stoff Pa­pier geht. Die Di­gi­ta­li­sie­rung hat auch die­ser In­dus­trie Pro­ble­me ge­bracht. Der Markt für Pa­pier, auf dem man schreibt oder druckt, wird klei­ner. Ver­pa­ckung da­ge­gen läuft dank des On­li­ne-Han­dels sehr gut. Die Bran­che ist im Um­bruch. Ex­per­ten su­chen des­halb nach neu­en High­tech-Ide­en.

Vie­le Her­stel­ler sind oh­ne­hin schon Spe­zia­lis­ten – mit Pro­duk­ten, die kaum et­was zu tun ha­ben mit der her­kömm­li­chen DIN-A4-Sei­te. Da­zu zäh­len et­wa die Bier­de­ckel der Fir­ma Katz aus Wei­sen­bach oder Ther­mo­so­wie Durch­schreib­pa­pie­re des Kat­zMut­ter­un­ter­neh­mens Ko­eh­ler-Pa­perGroup aus Ober­kirch.

Die Pro­duk­te der Bran­che sind un­ge­mein viel­fäl­tig, wie die fol­gen­den Bei­spie­le zei­gen.

Flamm­fest

Die­ses spe­zi­el­le Pa­pier kann ent­flam­men, darf aber nicht flam­mend wei­ter­bren­nen, son­dern muss so­fort wie­der er­lö­schen und ver­koh­len. Es be­steht nur zu ei­nem ge­rin­gen Teil aus Zell­stoff und ent­hält meist Mi­ne­ral­fa­sern. Flamm­hem­men­de Pa­pie­re hal­ten da­ge­gen ei­ne be­stimm­te Zeit lang Feu­er aus. Sie sind meist mit Sal­zen im­prä­gniert, die bei Hit­ze feu­e­r­er­sti­cken­de Ga­se ent­wi­ckeln – zum Bei­spiel ge­nutzt für Thea­ter­ku­lis­sen und De­ko­ra­tio­nen wie Lam­pi­ons, auch zum Bas­teln gut ge­eig­net.

Elek­troi­so­la­ti­on

Sol­ches Ma­te­ri­al ge­hört zu den teu­ers­ten Pa­pie­ren und ist fest, meist mit Kunst­har­zen im­prä­gniert und oh­ne Po­ren. Es darf we­der Füll­stof­fe noch strom­lei­ten­de Ve­r­un­rei­ni­gun­gen wie Me­tall oder Koh­le, Sal­ze und Säu­ren ent­hal­ten. Die­se Art von Pa­pier kommt et­wa als Ka­bel­pa­pier zum Ein­satz, das spi­ral­för­mig um Lei­tungs­dräh­te ge­wi­ckelt wird.

Krank­heits­er­ken­nung

Es han­delt sich um auf Fa­sern ba­sie­ren­des Trä­ger­ma­te­ri­al für die Dia­gnos­tik und für Schnell­tests – ein­fach zu hand­ha­ben an der Hau­tober­flä­che, in Atem oder Urin für ei­ne ver­bes­ser­te Früh­er­ken­nung.

Fil­ter im Au­to oder Flug­zeug

Ab­ga­se, schäd­li­cher Rauch oder an­de­re Stof­fe ver­ur­sa­chen Ge­sund­heits­pro­ble­me oder rie­chen schlicht nicht gut. In den Ka­bi­nen von Au­tos oder Last­wa­gen, Zü­gen oder Flug­zeu­gen gibt es des­halb hoch­tech­no­lo­gisch her­ge­stell­te Fil­ter aus Pa­pier.

Ter­ras­sen-Pa­nee­le

Pa­pier kann auch drau­ßen hal­ten. Eti­ket­ten­ab­fäl­le wer­den da­zu re­cy­celt und zu­sam­men mit an­de­ren Ma­te­ria­li­en zu sehr wet­ter­be­stän­di­gen Pa­nee­len ver­ar­bei­tet.

Not­un­ter­kunft

Bis­her gibt es zwar bloß ei­nen Pro­to­typ, aber der ist nicht nur was­ser­fest, son­dern auch wär­me­iso­liert. Die „In­stant Ho­mes“sol­len leicht zu trans­por­tie­ren und schnell auf­zu­bau­en sein – noch ist es ei­ne Idee von For­schern der Darm­städ­ter TU.

Schuh­pap­pe

Ge­meint ist hier nicht et­wa der Schuh­kar­ton, son­dern fes­te und bieg­sa­me Hart­pap­pen für Brand­soh­len, al­so die In­nen­soh­le oder auch für die Kap­pen und Ge­len­ke in eher bil­li­gen Schu­hen. Die­se Pap­pe ist sehr bie­ge­und spalt­fest und hat ei­ne ho­he Ober­flä­chen­här­te. Mit Kunst­stoff-Emul­sio­nen wird sie fes­ter und was­ser­dich­ter ge­macht.

Für sol­che tech­ni­schen und spe­zi­el­len Zwe­cke wie die­se wur­de 2015 al­ler­dings noch der ge­rings­te Teil (5,9 Pro­zent) des Pa­piers in Deutsch­land ge­nutzt. Ins­ge­samt ver­brauch­ten die Men­schen bun­des­weit rech­ne­risch 20,8 Mil­lio­nen Ton­nen Pa­pier, so die ak­tu­ells­ten Zah­len des Ver­bands Deut­scher Pa­pier­fa­bri­ken (VDP). Der Ver­brauch stieg da­mit im Ver­gleich zum Vor­jahr um ein Pro­zent.

Fast die Hälf­te (49,5 Pro­zent) und da­mit den größ­ten An­teil mach­ten Pa­pier, Kar­ton und Pap­pe für Ver­pa­ckun­gen aus. Im­mer­hin 38,1 Pro­zent der Men­ge wa­ren gra­fi­sche Pa­pie­re, al­so et­wa Dru­cker­pa­pier.

So­phie Rohr­mei­er

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