Ein Her­ren­witz mit Bart(h)

Die er­folg­reichs­ten Kli­schees ern­ten die dicks­ten Kar­tof­feln: Ma­rio Barth in Karls­ru­he

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Ma­rio Barth ist zeit­los ge­wor­den. In ei­ner im­mer kon­fu­ser wer­den­den Welt sind Zufluchts­or­te pri­va­ter Ge­wiss­heit zu Ra­ri­tät ge­wor­den – Barth ge­hört da­zu. Wie bei der ge­lieb­ten Plat­ten­samm­lung weiß man bei Barth zu­ver­läs­sig, was man be­kommt. In über 16 Jah­ren hat er das hu­mo­ris­ti­sche Feld zwi­schen Mann und Frau hin- und her­ge­pflügt wie kein Zwei­ter – und da­mit be­wie­sen, dass nicht die dümms­ten Bau­ern, son­dern die er­folg­reichs­ten Kli­schees die dicks­ten Kar­tof­feln ern­ten. Wenn der 44-jäh­ri­ge aus Ber­lin in ei­ner na­tür­lich aus­ver­kauf­ten – dm-Are­na in Karls­ru­he ge­nau drei Eck­punk­te glo­ba­ler Ge­schich­te aus­macht, ist die Rei­hen­fol­ge klar: Big Bang, DJ Bo­bo, Ma­rio Barth. Na­tür­lich im Jahr 2250. War­um das nicht nach Hoch­mut klingt? Weil der Kö­nig der Come­dy sei­ne Uns­terb­lich­keit längst be­wie­sen hat. Barth, der Welt­re­kord­in­ha­ber, der Wort­schöp­fer („Fününününüh“), die Kult­fi­gur. Doch auch: Barth, der ewig glei­che Staub­fän­ger männ­lich-weib­li­cher In­tri­gen.

Schon das Pro­gramm klingt so in­no­va­tiv wie ein Frau­en­ma­ga­zin aus den 80ern: „Män­ner sind be­kloppt, aber se­xy“. Wäh­rend Wort­künst­ler ih­re Shows seit Jah­ren mit Head­sets ab­sol­vie­ren, stie­felt Barth wie ein ewi­ger No­ma­de mit sei­nem ka­bel­ge­bun­de­nen Mi­kro über die rie­si­ge Büh­ne. In T-Shirt, Blue Je­ans und mit Dau­er­lä­cheln. Die Bot­schaft ist klar: Er, der ana­lo­ge Hu­mor­po­et rei­ße­ri­scher Ge­schlechts­kon­flik­te, funk­tio­niert auch im di­gi­ta­len 2017 präch­tig. Das fu­tu­ris­ti­sche Flug­zeug, dem er mit pas­sen­der Flug­ha­fen BER-Po­in­te ent­steigt, wirkt da fast schon wie ei­ne Re­vo­lu­ti­on.

Sonst aber bleibt al­les ziel­si­cher beim Al­ten: Män­ner spie­len gern mit Tech­nik, ma­len Hams­ter nachts mit phos­pho­res­zie­ren­der Far­be an und mö­gen Feu­er­werk. Die Frau? Der ist nicht nur kalt – nein sie ist auch so däm­lich, dass sie in Pa­nik auf ei­nem Hau­fen C9 ste­hen bleibt, den die Män­ner ihr als Spreng­stoff ver­kau­fen, und ein Nil­pferd stur mit ei­nem Nas­horn ver­wech­selt.

War­um die­se Po­in­ten noch zün­den? Zum ei­nen, weil Barth sein Pro­gramm der­art na­tür­lich-sym­pa­thisch prä­sen­tiert, als sei­en ihm die stein­al­ten Wit­ze eben erst ein­ge­fal­len. Halb selbst über die ar­chai­schen Bot­schaf­ten la­chend, be­zwingt er die Mie­ne von Ma­na­gern nicht we­ni­ger als die von Leu­ten aus der Plat­te. Wenn er über sei­nen Un­fall „nach Acht-Me­ter-Sprung aus dem Stand“ber­li­nert, den Weg in die Not­auf­nah­me um­reißt und die Ka­me­ra gan­ze 36 Se­kun­den das däm­li­che Ge­sicht des Arz­tes zu den Wor­ten „Der Fuß is ka­putt!“fo­kus­siert, ist die Ziel­rich­tung klar: Hier geht’s aufs Gro­be. Doch so schlimm kann man das doch nicht fin­den. Un­be­schwert­heit hat schließ­lich ih­ren Preis.

Barth er­obert sich die Her­zen sei­nes Pu­bli­kums mit je­der Mi­nu­te sou­ve­rä­ner. Da mö­gen die An­ek­do­ten vom schwu­len Luft­han­sa-Mit­ar­bei­ter, der ihm we­gen Flug­aus­falls ei­ne Fünf-Li­ter-Cham­pa­gner-Fla­sche schenkt, die am nächs­ten Ga­te wie­der kas­siert wird, noch so skur­ril wir­ken – wenn Barth ih­nen das Eti­kett „Ori­gi­nal pas­siert“auf­klebt, fällt das La­chen um­so leich­ter. Denn selbst, wenn all das Ge­hör­te gran­dio­ser Un­fug wä­re, blie­be Barth doch der coo­le Rock­star deut­scher Come­dy, der zwi­schen Dir­ty Talk und Des­sous, zwi­schen Dil­do-Par­ty und Tam­pon-Kauf („Da ist die Dü­bel-Ab­tei­lung von Obi ein Scheiß da­ge­gen!“) im­mer noch die Zeit für ein biss­chen Leich­tig­keit fin­det. Die pas­sen­de An­ma­ßung kommt da­zu gleich ganz frei Haus. Vor Kur­zem, er­zählt er, ha­be ihn ein Jour­na­list ge­fragt: „Das nächs­te Pro­gramm wie­der über Män­ner und Frau­en?“Barths Ge­gen­fra­ge ist ent­waff­nend: Ob er An­gus Young viel­leicht vor­schla­gen wol­le, Pan­flö­te zu ler­nen? Un­frei­wil­lig ist das der ko­mischs­te Mo­ment des Abends. Der Reist bleibt: Ein Her­ren­witz mit Bart(h). Mar­kus Mer­tens

HIER GEHT’S AUFS GRO­BE: Ma­rio Barth in der Karls­ru­her dm-Are­na. Fo­to: Mer­tens

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