Han­dels­streit über­schat­tet Gip­fel

Chi­na und die EU ver­zich­ten auf Schul­ter­schluss beim Kli­ma­schutz

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Brüs­sel (dpa). Streit über die Han­dels­po­li­tik hat ges­tern den EU-Chi­na-Gip­fel über­schat­tet und ei­nen his­to­ri­schen Schul­ter­schluss beim Kli­ma­schutz ver­hin­dert. Weil man sich über ei­nen Pas­sus der ge­plan­ten Ab­schluss­er­klä­rung nicht ei­nig wur­de, kam auch das be­reits ab­ge­stimm­te Be­kennt­nis zum Pa­ri­ser Welt­kli­ma­pakt nicht zu­stan­de. Das be­stä­tig­ten EU-Di­plo­ma­ten nach dem Gip­fel. Ei­gent­lich woll­ten die Eu­ro­päi­sche Uni­on und Chi­na mit der Kli­ma­schutz-Er­klä­rung ein star­kes Si­gnal ge­gen die Ab­kehr von US-Prä­si­dent Do­nald Trump vom Pa­ri­ser Ab­kom­men set­zen und sich als en­ge geo­po­li­ti­sche Part­ner prä­sen­tie­ren. Die­ser sym­bo­li­sche Akt schei­ter­te. EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk be­zeich­ne­te das Tref­fen den­noch als das bes­te in der Ge­schich­te der bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen. „Das ist kei­ne Pro­pa­gan­da“, ver­si­cher­te er. Man ha­be Ge­mein­sam­kei­ten ge­sucht und ge­fun­den. „Wir brau­chen noch et­was Zeit, um in ei­ni­gen Aspek­ten prä­zi­ser zu wer­den“, füg­te er hin­zu. Stol­per­stein war der Streit über Chi­nas Sta­tus als Markt­wirt­schaft. Beim Bei­tritt zur Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on war der Volks­re­pu­blik 2001 zu­ge­sagt wor­den, ab De­zem­ber 2016 wie ei­ne Markt­wirt­schaft be­han­delt zu wer­den. Der Sta­tus schützt vor ho­hen Straf­zöl­len. Den­noch ar­bei­tet die EU der­zeit an Ab­wehr­me­cha­nis­men ge­gen chi­ne­si­sche Bil­lig­im­por­te. Mi­nis­ter­prä­si­dent Li Ke­qiang for­der­te die EU auf, ih­re Pflich­ten aus dem WTO-Pro­to­koll zu er­fül­len. Das sei für Chi­na sehr wich­tig, mahn­te er bei der ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz. EU-Di­plo­ma­ten wie­sen dar­auf hin, dass es auch bei frü­he­ren Tref­fen kein ge­mein­sa­mes Schluss­do­ku­ment ge­ge­ben ha­be. Beim Kli­ma­schutz ha­be man voll­kom­men über­ein­ge­stimmt. Aber da die ge­mein­sa­me Er­klä­rung zum Pa­ri­ser Ab­kom­men als An­hang des Schluss­do­ku­ments ge­plant ge­we­sen sei, sei sie lei­der nicht zu­stan­de ge­kom­men. Tusk be­ton­te den­noch: „Heu­te ver­stär­ken wir un­se­re Zu­sam­men­ar­beit beim Kli­ma­wan­del.“Li äu­ßer­te sich zu der Fra­ge nicht öf­fent­lich. Der chi­ne­si­sche Re­gie­rungs­chef be­kann­te sich aber all­ge­mein zu sta­bi­len Be­zie­hun­gen bei­der Sei­ten in ei­ner Welt wach­sen­der Un­si­cher­heit. Fei­er­lich un­ter­zeich­net wur­den ei­ni­ge klei­ne­re Ver­ein­ba­run­gen, dar­un­ter ei­ne zum Schutz geis­ti­gen Ei­gen­tums, zur Zu­sam­men­ar­beit in Zoll­fra­gen so­wie für For­schung und Ent­wick­lung. Schon vor dem ei­gent­li­chen Gip­fel gab es bei ei­nem Wirt­schafts­tref­fen von bei­den Sei­ten deut­li­che Wor­te zu strit­ti­gen The­men. So ver­lang­te EUKom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker ei­nen Ab­bau chi­ne­si­scher In­ves­ti­ti­ons­hür­den für aus­län­di­sche Kon­zer­ne.

IN HAN­DELS­FRA­GEN UN­EI­NIG: EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk und Chi­nas Mi­nis­ter­prä­si­dent Li Ke­qiang auf dem Gip­fel in Brüs­sel. Fo­to: AFP

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