Ma­ra­thon­sit­zung in Ber­lin

Bun­des­tag stellt wich­ti­ge Wei­chen / „Wip­pe“kommt

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ber­lin (dpa). Nach ei­nem bei­spiel­lo­sen Hin und Her soll das Frei­heits- und Ein­heits­denk­mal in Ber­lin nun doch ge­baut wer­den. Der Bun­des­tag for­der­te in ei­ner nächt­li­chen Sit­zung mit kla­rer Mehr­heit, das seit Jah­ren ge­plan­te Pro­jekt noch vor der Bun­des­tags­wahl im Herbst auf den Weg zu brin­gen. Ein­wei­hung soll im Herbst 2019 sein – am 30. Jah­res­tag des Mau­er­falls. Die Grü­nen un­ter­stütz­ten ei­nen ent­spre­chen­den An­trag von Uni­on und SPD. Nur die Lin­ken stimm­ten da­ge­gen. Das Plenum hob da­mit ei­nen Be­schluss des Haus­halts­aus­schus­ses vom ver­gan­ge­nen April auf, der das Pro­jekt we­gen ei­ner Kos­ten­stei­ge­rung von 10 auf 15 Mil­lio­nen Eu­ro ge­stoppt hat­te. Dar­über hin­aus hat der Bun­des­tag in sei­ner längs­ten Sit­zung die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode wei­te­re wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen – zu Kinderehen, Impfberatung bis hin zur Majestätsbeleidigung. • Kinderehen: Ih­nen hat das Par­la­ment ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben. Das neue Ge­setz sieht vor, dass Ehen von Per­so­nen un­ter 16 Jah­ren grund­sätz­lich nich­tig sind. Zu­dem sol­len sie ge­richt­lich an­nul­liert wer­den, wenn ein Gat­te zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung zwi­schen 16 und 18 Jah­ren alt war. Nur in be­son­de­ren Här­te­fäl­len kann da­von ab­ge­se­hen wer­den – und das auch nur, wenn ein min­der­jäh­ri­ger Ehe­part­ner zwi­schen­zeit­lich voll­jäh­rig ge­wor­den ist und die Ehe be­stä­tigt. Die­se Re­ge­lun­gen gel­ten auch für Ehen, die im Aus­land ge­schlos­sen wur­den. • Impfberatung: Der Bun­des­tag will auch so­ge­nann­te Impf­muf­fel in die Schran­ken wei­sen. Mit ei­nem neu­en Ge­setz sol­len Ki­tas künf­tig El­tern beim Ge­sund­heits­amt mel­den müs­sen, wenn die­se kei­ne Impfberatung beim Hauso­der Kin­der­arzt nach­wei­sen kön­nen. Der Nach­weis ei­ner Impfberatung ist schon seit zwei Jah­ren Pflicht, doch bis­lang ist es den Ki­tas frei­ge­stellt, ob sie säu­mi­ge El­tern mel­den. Wer sich ei­ner Impfberatung hart­nä­ckig ver­wei­gert, muss be­reits heu­te mit ei­ner Geld­bu­ße von 2 500 Eu­ro rech­nen. Die vom Par­la­ment be­schlos­se­ne Ver­schär­fung muss al­ler­dings noch vom Bun­des­rat be­stä­tigt wer­den, be­vor sie in Kraft tre­ten kann. • Alterspräsident des Bun­des­ta­ges: Er wird statt nach Le­bens­jah­ren künf­tig nach den par­la­men­ta­ri­schen Di­enst­jah­ren be­stimmt. Ei­ne ent­spre­chen­de Än­de­rung sei­ner Ge­schäfts­ord­nung be­schloss der Bun­des­tag mit der Mehr­heit der Gro­ßen Ko­ali­ti­on. Laut of­fi­zi­el­ler Be­grün­dung will man so si­cher­stel­len, dass die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung von ei­nem Ab­ge­ord­ne­ten mit ge­nug Er­fah­rung ge­lei­tet wird. Zu­gleich wür­de aber wohl auch ein AfD-Ab­ge­ord­ne­ter in die­ser Rol­le ver­hin­dert. Der Alterspräsident lei­tet die ers­te Par­la­ments­sit­zung nach der Wahl, bis ein neu­er Bun­des­tags­prä­si­dent ge­wählt ist. • Majestätsbeleidigung: Der Pa­ra­graf 103 ist ab­ge­schafft, der Bun­des­tag be­schloss ein­stim­mig die Strei­chung aus dem Straf­ge­setz­buch. Der Pas­sus stell­te die Be­lei­di­gung von Or­ga­nen und Ver­tre­tern aus­län­di­scher Staa­ten un­ter be­son­de­re Stra­fe, es droh­ten bis zu drei Jah­re Ge­fäng­nis. In die Schlag­zei­len ge­riet der Pa­ra­graf, nach­dem der tür­ki­sche Prä­si­dent Er­do­gan da­mit ge­gen Mo­de­ra­tor Jan Böh­mer­mann vor­ge­gan­gen war.

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