Ab­küh­lung

KLAUS GASS­NER

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Kein Eis­berg schmilzt schnel­ler, nur weil Do­nald Trump ein­mal mehr das ge­tan hat, was er am liebs­ten tut, näm­lich zu pro­vo­zie­ren und zu spal­ten. Es gibt vie­le ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler und noch mehr ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­mer, die recht ge­nau wis­sen, dass ei­ne mo­der­ne, zu­kunfts­ori­en­tier­te Wirt­schaft auf den nach­hal­ti­gen Um­gang mit Roh­stof­fen an­ge­wie­sen ist. Sie wer­den sich vom voll­mun­di­gen Dröh­nen nach ei­nem „grö­ße­ren Ame­ri­ka“nicht ab­len­ken las­sen. Ein Dröh­nen, das üb­ri­gens schnel­ler vor­bei sein kann als man der­zeit glau­ben kann. Denn auch dar­in ist Trump ein ganz Gro­ßer: in der Sprung­haf­tig­keit. Viel un­an­ge­neh­mer als die ob­jek­ti­ven Fol­gen des Aus­stiegs aus dem Kli­ma­schutz­ab­kom­men ist die Kli­ma­ver­än­de­rung in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik. Just je­ne Groß­macht, die sich ein Jahr­hun­dert lang als Ga­rant der frei­en Welt ver­stand, als Part­ner des Wes­tens, auch als Ide­en­schmie­de für wirt­schaft­li­chen und wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt, aus­ge­rech­net je­ne Groß­macht zieht nun den Iso­la­tio­nis­mus ei­nem part­ner­schaft­li­chen Mit­ein­an­der vor.

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wa­ren stets ein Land, das sei­ne In­ter­es­sen in der Welt­po­li­tik zu wah­ren wuss­te. Da­für brauch­te es kei­nes Do­nald Trumps. Die USA folg­ten aber auch treu ei­nem fest ver­an­ker­ten, nicht sel­ten ner­ven­den öko­no­mi­schen Sen­dungs­be­wusst­stein: Mit USDol­lar

kann man al­les kau­fen. Nun er­setzt Trump die­se kauf­män­ni­sche Ma­xi­me durch em­pö­ren­des Miss­trau­en ge­gen al­le Part­ner die­ser Welt. „Wir wur­den über­vor­teilt“, „das ist schlecht für Ame­ri­ka“, sol­che Trump´schen Vorwürfe spre­chen eher von man­geln­dem Selbst­ver­trau­en als von mann­haf­tem Rin­gen um gu­te Lö­sun­gen.

Trump hat in die in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen da­mit Gift ge­legt. Er hat die in­tel­lek­tu­el­le Hö­he zer­stört, auf der Di­plo­ma­tie in al­ler Re­gel an­ge­sie­delt ist. Der Preis ist hoch. Wie kaum ein an­de­res The­ma hat die Kli­ma­schutz­po­li­tik die Welt ge­ei­nigt. Im Rin­gen um Kli­ma­zie­le ha­ben al­le Staa­ten des Glo­bus ein so über­gro­ßes ge­mein­sa­mes Ziel er­kannt, dass sie be­reit wa­ren zu Kom­pro­mis­sen. Kli­ma­po­li­tik ist aber weit mehr als ge­bün­del­te Ver­ein­ba­run­gen über Emis­sio­nen. Kli­ma­po­li­tik ist Ent­wick­lungs­po­li­tik, und ei­ne gu­te Ent­wick­lungs­po­li­tik ist ein Ga­rant ge­gen Flucht­be­we­gun­gen und neue Kon­flik­te. Die­se Zu­sam­men­hän­ge sind kom­plex – of­fen­kun­dig viel zu kom­plex für Do­nald Trump. Sein Nein zum Kli­ma­schutz macht frös­teln – nicht we­gen des um­welt­po­li­ti­schen Sün­den­falls. Viel­mehr we­gen der Macht ei­nes Man­nes an der Spit­ze ei­ner Welt­macht, der Au­ßen­po­li­tik als Wahl­kampf miss­ver­steht und im Stan­de ist, die ge­sam­te geo­stra­te­gi­sche Ord­nung da­mit zu ver­än­dern.

Do­nald Trumps „Nein“lässt frös­teln

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