„i-Tüp­fel­chen auf dem Sah­ne­häub­chen“

Klaus Zwick durf­te als ei­ner der ers­ten deut­schen Lok­füh­rer ans Steu­er ei­nes TGV

Pforzheimer Kurier - - ZEHN JAHRE TGV -

Das Bild (oben in der Mit­te) wird Klaus Zwick nie mehr ver­ges­sen: „Als ich in den Karls­ru­her Haupt­bahn­hof ein­fuhr, sah ich nur ei­ne ein­zi­ge gel­be, win­ken­de und strah­len­de Mas­se auf dem Bahn­steig ste­hen.“Ei­nen so gro­ßen Bahn­hof wie zur Pre­mie­ren­fahrt des TGV vor zehn Jah­ren hat­te der Lok­füh­rer noch nie er­lebt. „Das war das i-Tüp­fel­chen auf dem Sah­ne­häub­chen“, sagt der Ei­sen­bah­ner. Der Bo­nus auf dem Bo­nus qua­si, denn dass Klaus Zwick als deut­scher Lok­füh­rer, den fran­zö­si­schen Su­per­zug bei sei­ner ers­ten of­fi­zi­el­len Fahrt auf deut­sches Staats­ge­biet über­haupt len­ken durf­te, war schon ziem­lich viel der Eh­re.

Als Zwick im zar­ten Al­ter von 21 Jah­ren zum ers­ten Mal in den Füh­rer­stand ei­ner Lok klet­ter­te, war der Ge­dan­ke, je­mals ei­nen aus­län­di­schen Zug len­ken zu dür­fen, pu­re Uto­pie. „Nie­mals hät­ten wir uns das träu­men las­sen.“Mit dem Eu­ro­ci­ty war er von sei­ner Hei­mat Stutt­gart zwar schon öf­ter über den Rhein ge­fah­ren, in Straß­burg aber, wur­de die deut­sche Lok ab­ge­hängt und durch ei­ne fran­zö­si­sche Zug­ma­schi­ne mit fran­zö­si­schem Pi­lo­ten er­setzt. Mehr als ein­mal stand der Deut­sche dann am Bahn­steig und schau­te dem Zug hin­ter­her. Sie­ben Jah­re spä­ter wur­de Klaus Zwick Teil der deutsch-fran­zö­si­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­ge­schich­te. Die Deut­sche Bahn und die SNCF schul­ten den er­fah­re­nen Zug­len­ker für den TGV. „Ich ha­be das na­tür­lich als Pri­vi­leg emp­fun­den“, sagt er stolz. Die schnells­te Fahrt sei­nes Le­bens hat er dem TGV zu ver­dan­ken. Bei sei­ner Schu­lung durf­te er auf der fran­zö­si­schen Schnell­stre­cke zwi­schen Metz und Pa­ris mal rich­tig Gas ge­ben. „320 St­un­den­ki­lo­me­ter! Schnel­ler bin ich nie zu­vor und nie mehr da­nach ge­fah­ren“.

Der Ge­schwin­dig­keits­rausch hat den Ei­sen­bah­ner nicht er­fasst. Das Frank­reich­fie­ber aber – das hat ihn da­mals rich­tig ge­packt. Bis heu­te. „Ich ha­be die Spra­che an der Volks­hoch­schu­le ge­lernt und wenn ich heu­te mit mei­ner Frau nach Frank­reich fah­re, kann ich mich recht gut ver­stän­di­gen.“

In­zwi­schen ist Zwick im Ru­he­stand. In sei­ner ak­ti­ven Zeit konn­te er den TGV nie of­fi­zi­ell bis Pa­ris len­ken. Sei­ne be­triebs­tech­ni­sche Aus­bil­dung er­laub­te die Fahrt nur bis Straß­burg. „Heu­te fah­ren die Kol­le­gen durch“, sagt er. Der TGV bleibt für Zwick trotz­dem die Sah­ne auf dem Ku­chen. Zu sei­nem Ru­he­stand hat er sich ei­ne Ex­tra­por­ti­on ge­gönnt: „Ich ha­be mir für mei­ne letz­te Fahrt den TGV ge­wünscht.“smk

PIO­NIER: Klaus Zwick fuhr den TGV als ei­ner der ers­ten deut­schen Lok­füh­rer. Fe­lix Wil­halm ist ei­ner sei­ner Nach­fol­ger. Fo­to: Graf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.