Die glo­ba­le Ge­mein­schaft als Null­sum­men­spiel

Trumps Welt­bild führt zur kli­ma­po­li­ti­schen Kehrt­wen­de / Bruch mit der Tra­di­ti­on des auf­ge­klär­ten Den­kens

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Frank Herr­mann

Wa­shing­ton. Es ist nicht so, dass Do­nald Trump der ers­te ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent wä­re, der sich schwer tut mit dem Kli­ma­wan­del. Schon Ge­or­ge W. Bush über­nahm das un­sin­ni­ge Ar­gu­ment, wo­nach in­ter­na­tio­na­le Kli­ma-Ab­ma­chun­gen der ei­ge­nen Wirt­schaft scha­den, ob­wohl sie in Wahr­heit die Mo­der­ni­sie­rung der­sel­ben för­dern. Selbst Ba­rack Oba­ma brauch­te ei­ne Wei­le, ehe er mit­rei­ßen­der Rhe­to­rik zum The­ma Er­der­wär­mung po­li­ti­sche Ta­ten fol­gen ließ. Be­vor er den Pa­ri­ser Gip­fel zu ei­nem Er­folg wer­den ließ, in­dem er maß­geb­lich da­zu bei­trug, die zö­gern­den Chi­ne­sen ins Boot zu ho­len, hat Oba­ma auf ei­nem an­de­ren, in Ko­pen­ha­gen, eher die Rol­le des Brem­sers ge­spielt.

Was Trump in­des un­ter­schei­det von all sei­nen Vor­gän­gern, die seit 1945 im Oval Of­fice re­si­die­ren, ist ein eng­stir­ni­ger Blick auf den Pla­ne­ten. Der funk­tio­niert in sei­nen Au­gen strikt nach dem Prin­zip des Null­sum­men­spiels. Vor­tei­le für den ei­nen ge­hen zwangs­läu­fig auf Kos­ten des an­de­ren, als wä­re es na­iv, an die ge­ra­de im op­ti­mis­ti­schen Ame­ri­ka frü­her so häu­fig be­schwo­re­ne Win-Win-Si­tua­ti­on zu glau­ben. Sie­ger oder Ver­lie­rer – da­zwi­schen gibt es nichts.

Wer sich noch Il­lu­sio­nen mach­te über an­geb­lich auf­ge­klär­te Stra­te­gen im Stab des Wei­ßen Hau­ses, wur­de die­ser Ta­ge ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Die Welt, schrie­ben Her­bert Ray­mond McMas­ter und Ga­ry Cohn im „Wall Street Jour­nal“, sei kei­ne glo­ba­le Ge­mein­schaft. Viel­mehr sei sie ei­ne Are­na, in der Na­tio­nen, nicht staat­li­che Ak­teu­re und Un­ter­neh­men kon­kur­rie­ren, um für sich selbst das je­weils Bes­te her­aus­zu­ho­len. Der ei­ne ist Si­cher­heits­be­ra­ter, der an­de­re für Wirt­schafts­fra­gen zu­stän­dig. Wohl­ge­merkt, die Re­de ist von zwei Be­ra­tern, die man­cher eu­ro­päi­sche Be­su­cher – sich an je­den Hoff­nungs­stroh­halm klam­mernd – bis­lang im­mer dem Kreis der In­ter­na­tio­na­lis­ten in der Re­gie­rungs­zen­tra­le zu­rech­ne­te.

Das Welt­ge­sche­hen als Null­sum­men­spiel: Der An­satz hat Trump letzt­lich zum Aus­stieg aus dem Kli­ma­schutz­de­al be­wo­gen. Da­mit bricht er mit der Tra­di­ti­on ei­ner Denk­schu­le, von der Ame­ri­ka in den ver­gan­ge­nen sieb­zig Jah­ren enorm pro­fi­tier­te – dies ist die ei­gent­li­che Zä­sur. Seit dem Zwei­ten Welt­krieg ha­ben US-Prä­si­den­ten den na­tio­na­len Vor­teil nie ego­ma­nisch eng de­fi­niert, son­dern fast im­mer mit dem „big pic­tu­re“im Blick. Wer von der Sta­bi­li­tät in­ter­na­tio­na­ler Be­zie­hun­gen pro­fi­tie­ren will, muss in sie in­ves­tie­ren. Das kos­tet Geld, ist aber bil­li­ger als je­de denk­ba­re Al­ter­na­ti­ve. Mit der Men­ta­li­tät ei­nes Buch­hal­ters hat Trump mit der Tra­di­ti­on auf­ge­klär­ten Den­kens ge­bro­chen. Einst­wei­len sind es die po­pu­lis­ti­schen Na­tio­na­lis­ten, an­ge­führt vom Chef­ideo­lo­gen Ste­ve Ban­non, die sich durch­ge­setzt ha­ben. Man ver­tre­te die In­ter­es­sen Pitts­burghs, nicht die von Pa­ris, lau­tet die grif­fi­ge Zei­le da­zu.

Das Bild ist schon des­halb schief, weil Pitts­burgh den Struk­tur­wan­del ziem­lich er­folg­reich ge­meis­tert hat, weg von den rau­chen­den Schlo­ten der Stahl­in­dus­trie, hin zu High­tech und Di­enst­leis­tun­gen. So­wie­so klei­det Trump sei­ne Erb­sen­zäh­le­rei in The­sen, die auch öko­no­misch nicht den ge­rings­ten Sinn ma­chen, je­den­falls nicht für die USA als Gan­zes. Mit sei­ner Kli­mar­he­to­rik er­weckt er den An­schein, als hän­ge die Zu­kunft des Lan­des al­lein von der Fä­hig­keit ab, un­be­schränkt Koh­le zu för­dern und zu ver­bren­nen. In sei­nem Ame­ri­ka­bild dreht sich al­les um den Rost­gür­tel der „old eco­no­my“, als ge­be es nicht auch Ka­li­for­ni­en mit sei­nen völ­lig an­ders ge­la­ger­ten In­ter­es­sen und wirt­schaft­lich deut­lich stär­ke­rer Macht. Nun ha­ben ihn die Wäh­ler im „rust belt“die Wahl ge­win­nen las­sen, wäh­rend ihm Ka­li­for­ni­en die kal­te Schul­ter zeig­te. Trump be­lohnt Loya­li­tät, wäh­rend er Wi­der­spruch be­straft.

Tat­säch­lich be­schäf­tigt die So­lar­ener­gie in­zwi­schen mehr als dop­pelt so vie­le Men­schen wie die Koh­le­berg­wer­ke zwi­schen Wyo­ming und West Vir­gi­nia. Ka­li­for­ni­en – auf sich al­lein ge­stellt wä­re es die sechst­größ­te Volks­wirt­schaft der Er­de – hat be­schlos­sen, die Emis­si­on von Treib­haus­ga­sen bis 2030 um 40 Pro­zent ge­gen­über dem Ni­veau des Jah­res 1990 zu sen­ken. Und Pitts­burgh? Die Stadt ist Mit­glied ei­ner Al­li­anz von fünf­zig ame­ri­ka­ni­schen Kom­mu­nen, die trotz Trumps Aus­stieg an den Zie­len des Pa­ri­ser Ab­kom­mens fest­hal­ten wol­len.

Ar­beits­markt: So­lar­ener­gie viel be­deu­ten­der als Koh­le

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