„Yes, das ma­chen wir“

Der Karls­ru­her Initia­tiv­kreis „Mit Recht. Karls­ru­he“prä­sen­tiert sei­ne Idee von ei­nem Fo­rum Recht in Ber­lin

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Mar­tin Fer­ber

Ber­lin. Karls­ru­he macht mo­bil – und will auf dem Ge­län­de des Bun­des­ge­richts­ho­fes ei­nen au­then­ti­schen Ort schaf­fen, an dem das abs­trak­te Ge­bil­de des Rechts­staats, der zur Wah­rung und Si­che­rung der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung un­ver­zicht­bar ist, do­ku­men­tiert, fass­lich dar­ge­stellt und so­mit für den Bür­ger er­leb­bar wird. Als Sitz des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, des Bun­des­ge­richts­ho­fes, der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt­schaft und der Lan­des­jus­tiz sieht sich die ehe­ma­li­ge ba­di­schen Re­si­denz­stadt als „Re­si­denz des Rechts“, die wie kei­ne an­de­re Stadt den mo­der­nen, de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat Deutsch­land ver­tritt.

Per­sön­lich­kei­ten aus Ge­sell­schaft, Po­li­tik, Jus­tiz und Me­di­en ha­ben den pri­va­ten Initia­tiv­kreis „Mit Recht. Karls­ru­he“ge­grün­det und wer­ben of­fen­siv da­für, in der Fä­cher­stadt ein Fo­rum Recht zu grün­den, das mehr als ein Mu­se­um zur deut­schen Rechts­ge­schich­te sein soll – ein mo­der­nes In­for­ma­ti­ons-, Do­ku­men­ta­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zen­trum, das als Bil­dungs­stät­te wie als Er­leb­nis­ort dar­stellt, wie das Recht da­für sorgt, dass die De­mo­kra­tie funk­tio­niert.

In Ber­lin, in den no­blen Räu­men der Deut­schen Par­la­men­ta­ri­schen Ge­sell­schaft im ehe­ma­li­gen Pa­lais des Reichs­tags­prä­si­den­ten, warb der Initia­tiv­kreis für sein An­lie­gen und stieß bei den zahl­rei­chen Ver­tre­tern des Bun­des­tags so­wie Re­prä­sen­tan­ten der obers­ten Ge­rich­te, der An­walt­schaft, der Wis­sen­schaft und der Kul­tur auf gro­ßes Wohl­wol­len und Zu­stim­mung. So hat­te der Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­tags 200 000 Eu­ro für ei­ne Mach­bar­keits­stu­die be­wil­ligt, die im Herbst vor­lie­gen und die Grund­la­ge für die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung dar­stel­len soll. „Der Rechts­staat will er­klärt wer­den und muss ver­tei­digt wer­den“, sag­te Su­san­ne Ba­er, Rich­te­rin am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Na­men des Initia­tiv­krei­ses, den da­ne­ben auch Bet­ti­na Lim­perg, Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts­ho­fes, Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup und der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent des BGH, Gün­ter Hirsch, mit gro­ßem En­ga­ge­ment ver­tra­ten.

Wenn man nach Po­len, Un­garn, in die Tür­kei oder so­gar in die USA bli­cke, se­he man, dass „Ge­fähr­dun­gen für den Rechts­staat“un­ter­wegs sei­en, nö­tig sei ein „En­ga­ge­ment für den Rechts­staat“, so Ba­er. In Karls­ru­he be­ste­he die Chan­ce, den Rechts­staat so span­nend zu prä­sen­tie­ren, „dass er die Men­schen be­geis­tert“. Mit die­sem Ar­gu­ment warb auch Clau­dia Roth von den Grü­nen, Vi­ze­prä­si­den­tin des Deut­schen Bun­des­tags, für die Er­rich­tung des Fo­rums Recht in Karls­ru­he. „Wir müs­sen wer­ben für das, was uns stark und reich macht“, sag­te sie, es sei be­denk­lich, „dass selbst in schein­bar ge­fes­tig­ten De­mo­kra­ti­en der Bo­den wa­ckelt“. Der Rechts­staat sei ein „Gr­und­nah­rungs­mit­tel der De­mo­kra­tie“. Auch ih­re Par­tei­freun­din Re­na­te Kü­n­ast, die Vor­sit­zen­de des Rechts­aus­schus­ses des Bun­des­tags, warb für das Pro­jekt. Sie zi­tier­te die frü­he­re DDR-Bür­ger­recht­le­rin Bär­bel Boh­ley, die nach dem Fall der Mau­er und der Wie­der­ver­ei­ni­gung ent­täuscht ge­sagt hat­te: „Wir woll­ten Ge­rech­tig­keit – und ha­ben den Rechts­staat be­kom­men.“Dies be­le­ge, wie wich­tig es sei, den Rechts­staat zu ver­ste­hen und sei­ne Urteile zu ak­zep­tie­ren. Cars­ten Kör­ber, CDU-Par­la­men­ta­ri­er aus Sach­sen und Haupt­be­richt­er­stat­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Haus­halts­aus­schuss, auf des­sen Ver­mitt­lung der Abend in den Räu­men der Par­la­men­ta­ri­schen Ge­sell­schaft mög­lich wur­de, sag­te, es sei „mehr als über­fäl­lig“, das Fo­rum Recht zum Le­ben zu er­we­cken. Der Ber­li­ner Kul­tur­wis­sen­schaft­ler Horst Bre­de­kamp zeig­te in ei­nem an­re­gen­den Vor­trag auf, wie ein der­art abs­trak­ter Be­griff wie das Recht sinn­lich prä­sen­tiert wer­den könn­te. „Recht­spre­chung oh­ne Vi­sua­li­sie­rung bleibt leer“, sag­te er. Ein­dring­lich warb er da­für, das Recht „in ei­ne neue Em­blem­form“zu über­füh­ren. In­so­fern kön­ne er dem Auf­bau ei­nes der­ar­ti­gen Or­tes in Karls­ru­he „nur al­les Recht zu­spre­chen“.

BGH-Prä­si­den­tin Bet­ti­na Lim­perg wie Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup zeig­ten sich an­ge­tan, auf welch brei­te Zu­stim­mung ih­re Idee in Ber­lin fiel. Er neh­me „zahl­rei­che An­re­gun­gen“mit, um wei­ter an der Ver­wirk­li­chung der Idee ar­bei­ten zu kön­nen, sag­te Men­trup. Und auch Ver­fas­sungs­rich­te­rin Su­san­ne Ba­er zog ein po­si­ti­ves Fa­zit: „Im Herbst sol­len al­le sa­gen: Yes, das ma­chen wir!“

LOBBYARBEIT in Ber­lin: Ver­fas­sungs­rich­te­rin Su­san­ne Ba­er stellt Par­la­men­ta­ri­ern das ge­plan­te Fo­rum Recht vor. Fo­to: Frei/Fo­rum

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