Hun­de­hal­te­rin droht ei­ne An­kla­ge

De­bat­te um Um­gang mit ge­fähr­li­chen Hun­den

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von Ti­na May­er und Tho­mas Bur­meis­ter

Malsch/Ba­den-Ba­den/Stet­ten. Nach der töd­li­chen Atta­cke ei­nes Hun­des auf ei­ne Se­nio­rin in Stet­ten am kal­ten Markt (Kreis Sig­ma­rin­gen) prüft die Staats­an­walt­schaft He­chin­gen ei­ne An­kla­ge ge­gen die Hun­de­hal­te­rin we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung. Im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung der 43-jäh­ri­gen Be­sit­ze­rin des ag­gres­si­ven Hun­des der Ras­se Kan­gal reicht die Straf­maß­pa­let­te von ei­ner Geld­stra­fe bis hin zu fünf Jah­ren Haft, wie der Spre­cher der An­kla­ge­be­hör­de, Mar­kus En­gel, auf An­fra­ge er­klär­te.

Bei der Ob­duk­ti­on der ge­tö­te­ten 72-jäh­ri­gen Frau be­stä­tig­te sich laut Staats­an­walt­schaft, dass sie an den Fol­gen schwe­rer Hun­de­bis­se im Kopf- und Hals­be­reich starb. Da­mit wur­de un­ter an­de­rem auch die Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen, dass sie wäh­rend der Atta­cke ei­nem Herz­in­farkt er­lag. Die Un­ter­su­chung der Ka­da­ver des Kan­gals und zwei­er wei­te­rer Hun­de der­sel­ben Hal­te­rin er­gab kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten. Bis­lang sei­en kei­ne Hin­wei­se et­wa auf man­geln­de Er­näh­rung oder die Auf­nah­me un­ge­wöhn­li­cher Sub­stan­zen fest­ge­stellt wor­den, hieß es. Die drei Hun­de sei­en auf­grund der aku­ten Ge­fähr­dungs­si­tua­ti­on er­schos­sen wor­den, heißt es wei­ter.

„Ein Kan­gal ist ei­gent­lich ein Her­den­schutz­hund“, sagt da­zu Hun­de­ex­per­tin El­ke Keck aus Malsch. Die­se Ras­se sei ex­tra da­für ge­züch­tet, ei­ne Her­de vor Wöl­fen oder Bä­ren zu schüt­zen. „So ein Hund hat bei uns ei­gent­lich nichts ver­lo­ren“, so die Vor­sit­zen­de des Hun­de­sport­ver­eins „Ca­nis Club Malsch“. Hal­te man ein sol­ches Tier, sei die art­ge­rech­te Be­schäf­ti­gung un­er­läss­lich. „Ein Kan­gal kann nicht ein­fach nur im Hof oder im Gar­ten sit­zen“, so Keck. Ne­ben Be­schäf­ti­gung sei auch die Bin­dung zu sei­nem Hal­ter ent­schei­dend. Nach An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums für Länd­li­chen Raum kann grund­sätz­lich je­der Hund ge­fähr­lich wer­den. Ne­ben Um­welt­er­fah­run­gen spie­le der Hal­ter ei­ne tra­gen­de Rol­le bei der So­zia­li­sa­ti­on und Er­zie­hung des Hun­des, so ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher.

In Hes­sen und Ham­burg wird die Ras­se Kan­gal als ge­fähr­lich ein­ge­stuft. In der ba­den­würt­tem­ber­gi­schen Ver­ord­nung über ge­fähr­li­che Hun­de sind Kan­gals nicht als so­ge­nann­te Kampf­hun­de ge­lis­tet. Die Ver­ord­nung er­mög­li­che es aber, „al­le Hun­de je­der­zeit als ge­fähr­lich zu klas­si­fi­zie­ren, bei de­nen es Hin­wei­se auf ei­ne Ge­fahr für Le­ben oder Ge­sund­heit von Men­schen gibt“, so der Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums in Stutt­gart, Re­na­to Gigliot­ti.

Un­ter­des­sen er­mit­teln auch Be­am­te der Po­li­zei­hun­de­füh­rer­staf­fel aus Rhein­müns­ter nach ei­nem Hun­de­biss. Wie es hieß, soll ei­ne 27-jäh­ri­ge Hun­de­hal­te­rin in Ba­den-Ba­den bei dem Ver­such, ihr Tier vor dem An­griff ei­nes wei­te­ren Vier­bei­ners zu schüt­zen, von dem at­ta­ckie­ren­den Hund in die rech­te Hand ge­bis­sen wor­den sein. Da dies zu ei­nem ver­ba­len Schlag­ab­tausch der Hun­de­hal­ter ge­führt hat­te, lei­te­ten die Be­am­ten Ver­fah­ren we­gen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung und Be­lei­di­gung ein.

UM­STRIT­TEN ist die Hal­tung von ge­fähr­li­chen Hun­den – hier ein Staf­fordshire-Bull­ter­ri­er, der als Kampf­hund gilt. Fo­to: dpa

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