Ehe­paar be­schäf­tig­te ru­mä­ni­sche Pro­sti­tu­ier­te

Zwei Bruch­sa­ler müs­sen meh­re­re Jah­re hin­ter Git­ter

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Mann­heim/Bruch­sal/Karls­ru­he (ul). Das Mann­hei­mer Land­ge­richt hat zwei Bor­dell­be­trei­ber aus Bruch­sal zu Haft­stra­fen ver­ur­teilt. Das Ehe­paar hat­te von 2008 bis 2010 et­wa 100 ru­mä­ni­sche Pro­sti­tu­ier­te be­schäf­tigt. Lohn­steu­er und So­zi­al­ab­ga­ben führ­ten die bei­den An­ge­klag­ten je­doch nicht ab. Den ge­sam­ten Scha­den be­zif­fer­te die Wirt­schafts­straf­kam­mer auf min­des­tens 750 000 Eu­ro. Der Haupt­an­ge­klag­te wur­de zu drei Jah­ren und acht Mo­na­ten ver­ur­teilt, sei­ne Gat­tin er­hielt zwei Jah­re und vier Mo­na­te. Die Ver­tei­di­gung plä­dier­te auf Frei­spruch. Die Pro­sti­tu­ier­ten sei­en selbst­stän­dig ge­we­sen. Ein Ar­beits­ver­hält­nis ha­be nicht be­stan­den. Das Ge­richt sah dies völ­lig an­ders. Das Paar ha­be als Ar­beit­ge­ber die „Bor­dell­ket­te Young La­dies“be­trie­ben, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter An­dre­as Lin­den­thal. Die Pro­sti­tu­ier­ten sei­en als Ar­beit­neh­me­rin­nen tä­tig ge­we­sen. Die Frau­en stamm­ten über­wie­gend aus Ru­mä­ni­en. Sie wur­den in an­ge­mie­te­ten Woh­nun­gen ein­ge­setzt, dar­un­ter in Mann­heim, Karls­ru­he, Stutt­gart und der Pfalz. Die Ar­beits­zei­ten ga­ben die An­ge­klag­ten vor. Eben­so die Prei­se für ver­schie­de­ne se­xu­el­le Di­enst­leis­tun­gen. Auch ha­be ei­ne „Ab­mel­de­pflicht“be­stan­den. Für die te­le­fo­ni­sche Ver­ga­be der Ter­mi­ne an Frei­er war die 52-jäh­ri­ge An­ge­klag­te zu­stän­dig. Die Ein­nah­men muss­ten die Frau­en in ei­nen Tre­sor wer­fen, über dem ei­ne Vi­deo­ka­me­ra hing. Mehr­fach die Wo­che ka­men der 63-jäh­ri­ge An­ge­klag­te oder sei­ne Frau, um ab­zu­rech­nen. Die Hälf­te des Gel­des wur­de an die Frau­en aus­ge­zahlt. Für Staats­an­walt Mir­ko Heim wa­ren dies „re­gel­mä­ßi­ge Lohn­zah­lun­gen“im Rah­men ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses. Die­ser An­sicht ist auch die Wirt­schafts­straf­kam­mer. Die An­ge­klag­ten hät­ten So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in Hö­he von 560 000 Eu­ro ab­füh­ren müs­sen und rund 200 000 Eu­ro an Lohn- und Um­satz­steu­ern. Wie hoch die Ein­nah­men wa­ren, kann nur ge­schätzt wer­den. 300 000 Eu­ro in bar sind be­schlag­nahmt wor­den. Das Ehe­paar ha­be aus „un­ge­zü­gel­tem Ge­winn­stre­ben“ge­han­delt, sag­te Staats­an­walt Mir­ko Heim. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter be­zeich­ne­te das Ver­hal­ten der Ver­tei­di­ger in den 30 Pro­zess­ta­gen als „un­pro­fes­sio­nell“und „schäd­lich“. Die An­ge­klag­ten sei­en „au­ßer­or­dent­lich schlecht be­ra­ten“wor­den. Ein Ver­tei­di­ger ha­be den 63-jäh­ri­gen Man­dan­ten als „Her­bergs­va­ter im zwei­ten Früh­ling“dar­ge­stellt. Der Vor­sit­zen­de sprach von ei­ner „Fan­ta­sie­welt“. Die noch auf frei­em Fuß be­find­li­chen An­ge­klag­ten soll­ten sich auf die Haft „men­tal vor­be­rei­ten“. Noch nie sei ein Ur­teil der Kam­mer auf­ge­ho­ben wor­den.

Mit dem 2002 in Kraft ge­tre­te­nen Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz sol­len die Ar­beits­be­din­gun­gen der Frau­en ver­bes­sert und der Zu­gang zur So­zi­al­ver­si­che­rung er­leich­tert wer­den. Pro­sti­tu­ier­te kön­nen seit­her als Ar­beit­neh­mer be­schäf­tigt wer­den. Dem Ar­beit­ge­ber steht da­bei aber le­dig­lich ein „ein­ge­schränk­tes Wei­sungs­recht“zu.

„Un­ge­zü­gel­tes Ge­winn­stre­ben“

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