Gu­ter Rat ist manch­mal teu­er

Kri­tik an Kos­ten für Ex­per­ten­kom­mis­si­on des Land­tags

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Do­mi­nik Schnei­der

Karls­ru­he/Stutt­gart. Die Zei­chen ste­hen für Land­tags­prä­si­den­tin Muh­te­rem Aras (Grü­ne) auf Sturm. Die De­bat­te um die Ex­per­ten­kom­mis­si­on, die bis März 2018 ei­ne Neu­re­ge­lung zur Al­ters­vor­sor­ge für Ab­ge­ord­ne­te im Land­tag vor­schla­gen soll, ver­schärft sich. Der Grund: Die Kos­ten von über 400 000 Eu­ro und der Vor­wurf der Fal­sch­aus­sa­ge. „Wir ver­wah­ren uns ge­gen die Be­haup­tung von Frau Aras, wir wä­ren voll­um­fäng­lich dar­über in­for­miert wor­den, wel­che Kos­ten mit der ge­plan­ten Ex­per­ten­kom­mis­si­on ein­her­ge­hen“, tei­len die bei­den Frak­ti­ons­vor­sit- zen­den An­dre­as Stoch (SPD) und Hans-Ul­rich Rül­ke (FDP) mit. Die Land­tags­prä­si­den­tin weist die Vorwürfe auf Nach­fra­ge die­ser Zei­tung ent­schie­den zu­rück.

In ih­rer Amts­zeit als Land­tags­prä­si­den­tin seit Mai 2016 steht Aras erst­mals öf­fent­lich in der Kri­tik. Was ist pas­siert? Der Land­tag hat­te An­fang des Jah­res ei­ne Rück­kehr zur lu­kra­ti­ven Staats­pen­si­on be­schlos­sen, die nach öf­fent­li­chem Druck im März wie­der zu­rück­ge­nom­men wur­de. Die­ser Be­schluss be­inhal­te­te au­ßer­dem den Auf­trag an die Par­la­ments­prä­si­den­tin, Per­so­nal­vor­schlä­ge für ei­ne un­ab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on zu un­ter­brei­ten, die Vor­schlä­ge für ei­ne zeit­ge­mä­ße Al­ters­vor­sor­ge für Ab­ge­ord­ne­te ma­chen soll. „Die­sem Auf­trag sind wir nach­ge­kom­men“, meint Aras. Als Vor­sit­zen­der die­ser Kom­mis­si­on hat sie den ehe­ma­li­gen Rich­ter am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVG) Her­bert Landau ge­won­nen, der für sei­ne Ar­beit ein Ho­no­rar von 125 000 Eu­ro ver­langt. Mit zwei wei­te­ren Re­fe­ren­ten und der Öf­fent­lich­keits­ar­beit soll die Ex­per­ten­kom­mis­si­on für sie­ben Mo­na­te Ar­beit ins­ge­samt 404 200 Eu­ro kos­ten. „Ich kann ver­ste­hen, dass die ho­he Sum­me man­che ir­ri­tiert, aber mein An­satz war, die ver­fah­re­ne La­ge auf­zu­lö­sen. Da­für muss man Geld in die Hand neh­men“, so Aras. Die Land­tags­prä­si­den­tin hat laut Rül­ke am 3. Mai die fünf Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den zu ei­nem Ge­spräch ein­ge­la­den – da­bei ging es um die Aus­ge­stal­tung und den Auf­trag der Kom­mis­si­on: „Über Kos­ten wur­de an die­sem Tag nicht ge­spro­chen.“Aras wi­der­spricht dem Vor­wurf: „Ich ha­be nie be­haup­tet, dort kon­kre­te Zah­len ge­nannt zu ha­ben.“Viel­mehr ha­be sie über die Kon­di­tio­nen des vor­ge­se­he­nen Vor­sit­zen­den Landau in­for­miert – ei­ne Ent­loh­nung in Hö­he sei­nes Ak­tiv­ge­hal­tes als Rich­ter am BVG. Aras will die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den nach den Pfingst­fe­ri­en zu ei­nem Ge­spräch ein­la­den: „Das The­ma ist zu wich­tig, um es par­tei­po­li­tisch aus­zu­schlach­ten.“Die FDP-Frak­ti­on tra­ge die Aus­ge­stal­tung der Kom­mis­si­on mit, nicht aber die Kos­ten: „Wir hal­ten die per­sön­li­chen Vor­stel­lun­gen des vor­ge­se­he­nen Kom­mis­si­ons­vor­sit­zen­den für maß­los über­zo­gen“, sagt Rül­ke.

Aras der Fal­sch­aus­sa­ge be­zich­tigt

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