„Größ­ter Wan­del der Ge­schich­te“

Beim Daim­ler-Ju­bi­lä­um in Ras­tatt steht der Bran­chen-Um­bruch im Mit­tel­punkt

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ma­rio Belt­schak

Ras­tatt. Es ist kei­ne ganz klas­si­sche Ge­burts­tags­fei­er, die Daim­ler an­läss­lich des Stand­ort-Ju­bi­lä­ums ins Ras­tatt fei­ert. Die Tor­te ist aus Le­der, statt ei­nem ha­ben gleich 6 500 Men­schen ih­ren Eh­ren­tag, und Ge­schen­ke wer­den ei­gent­lich nur in Form von Re­den über­reicht. In de­nen geht es – von zahl­rei­chen Rück­bli­cken auf die nun 25 Jah­re wäh­ren­de Werks­ge­schich­te ein­mal ab­ge­se­hen – äu­ßerst po­li­tisch zu. Die Au­to­mo­bil­bran­che be­fin­det sich im Um­bruch. Und da­von zeugt nicht nur das kom­pak­te Elek­tro­au­to Con­cept A Se­dan, das ei­ner E-Klas­se ge­gen­über steht, die in den An­fangs­jah­ren des Werks vom Band lief.

„Die Au­to­in­dus­trie ist der wich­tigs­te Wirt­schafts­zweig in Ba­den-Würt­tem­berg. Das soll auch künf­tig so blei­ben“, sagt Kon­zern­chef Die­ter Zet­sche. Un­ter­schwel­lig schwingt da ein we­nig Sor­ge mit. Der Um­stieg auf die Elek­tro­mo­bi­li­tät ge­stal­tet sich als Kraft­akt. Deut­lich macht dies auch die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut, die den in Ber­lin wei­len­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Win­fried Kret­sch­mann auf der Ver­an­stal­tung ver­tritt: „Die Au­to­in­dus­trie er­lebt den wohl größ­ten Wan­del in ih­rer Ge­schich­te. Das Au­to wird ge­ra­de qua­si zum zwei­ten Mal er­fun­den.“Nach we­ni­gen Sät­zen holt sie dann zum flam­men­den Plä­doy­er für den Ver­bren­nungs­mo­tor aus: „Er spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le im Pro­zess zur Emis­si­ons­frei­heit. Für mich ist es des­halb un­ver­ständ­lich, dass der Ver­bren­nungs­mo­tor in der Dis­kus­si­on steht.“

Von den an­we­sen­den Daim­ler-Ma­na­gern und der Po­lit-Pro­mi­nenz gab es für Hoff­meis­ter-Kraut lau­ten Ap­plaus. Si­cher auch, weil die Ver­bren­ner die na­he Zu­kunft des Werks in Ras­tatt be­stim­men wer­den. Die nächs­te Kom­pakt­wa­gen­ge­ne­ra­ti­on soll ab dem kom­men­den Jahr vom Band rol­len. Im Le­ad-Werk von Daim­ler lau­fen da­für nicht nur Vor­be­rei­tun­gen, son­dern auch Um­bau­maß­nah­men. Den­noch stellt der ört­li­che Be­triebs­rats­chef Ull­rich Zin­nert fest: „Das The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät kommt ra­sant auf uns zu.“Da­für müss­ten die Mit­ar­bei­ter ent­spre­chend qua­li­fi­ziert wer­den. Die Vor­aus­set­zun­gen da­für wur­den schon zu Wo­chen­be­ginn ge­schaf­fen, als das Ma­nage­ment und der Be­triebs­rat ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung un­ter­zeich­ne­ten, die vor­sieht, dass künf­tig auch E-Au­tos am Stand­ort ge­baut wer­den (die BNN be­rich­te­ten).

Da­mit dürf­te auch der Stand­ort über Jah­re hin­weg ge­si­chert sein. Es blei­ben aber gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Da­mit kennt sich das Ras­tat­ter Team aber bes­tens aus, was nicht zu­letzt die zig Qu­er­ver­wei­se in den Re­den auf den ver­patz­ten Elch­test im Jahr 1997 deut­lich ma­chen. Aus der Kri­se ging man ge­stärkt her­vor. Auch das lässt am En­de die Zu­ver­sicht auf der mit ei­ni­gen fu­tu­ris­ti­schen Show­ele­men­ten auf­ge­pepp­ten Ge­burts­tags­fei­er sie­gen.

FUTURISTISCHE LICHT­SPIE­LE: Auch im Ras­tat­ter Daim­ler-Werk wird die Elek­tro­mo­bi­li­tät künf­tig ei­ne gro­ße Rol­le spie­len. Fo­to: Col­let

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