„Die­sel­ga­te“in In­gol­stadt

Staats­an­walt­schaft wei­tet die Er­mitt­lun­gen bei Au­di aus

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Cars­ten Hoefer

Mün­chen. Die Münch­ner Staats­an­walt­schaft wei­tet ih­re Be­trugs-Er­mitt­lun­gen ge­gen Au­di in der Die­sel-Af­fä­re nach neu­en Vor­wür­fen aus. Da­bei geht es nun auch um Fahr­zeug­ver­käu­fe in Deutsch­land und Eu­ro­pa, nicht nur wie bis­her in den USA. „Wir ha­ben das jetzt er­wei­tert“, sag­te ges­tern ein Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Mün­chen II. Mit­te März hat­te die Staats­an­walt­schaft ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen des Ver­dachts des Be­tru­ges und der straf­ba­ren Wer­bung bei der In­gol­städ­ter VWToch­ter ein­ge­lei­tet. Da­bei ging es zu­nächst nur um Ab­gas-Ma­ni­pu­la­tio­nen in den USA. Das Ver­fah­ren läuft wei­ter ge­gen Un­be­kannt, wie der Er­mitt­ler wei­ter sag­te. Kon­kre­te Be­schul­dig­te im ak­ti­ven oder ehe­ma­li­gen Au­di-Ma­nage­ment gibt es nicht. Ein En­de der Er­mitt­lun­gen sei bis­her nicht ab­seh­bar.

Bun­des­ver­kehr­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) hat­te wie be­rich­tet am Vor­tag be­kannt ge­ge­ben, dass Au­di ei­ne „un­zu­läs­si­ge Ab­gas­Soft­ware“in den Ober­klas­se-Mo­del­len Au­di A8 und A7 mit V6und V8-Die­sel­mo­to­ren ver­wen­det ha­be. Da­bei geht es um ei­ne so­ge­nann­te Lenk­win­kel­er­ken­nung. Die­se sorgt da­für, dass die Au­tos im nor­ma­len Fahr­be­trieb auf der Stra­ße deut­lich mehr Stick­oxi­de (NOx) ) aus­sto­ßen als auf dem Prüf­stand und die Grenz­wer­te über­schrei­ten. Stick­oxi­de gel­ten als ge­sund­heits­schäd­lich.

Im Herbst 2015 war der VW-Ab­gas­skan­dal ans Licht ge­kom­men, die Af­fä­re hat ih­ren Ur­sprung in den USA. Dar­auf­hin wa­ren Nach­prü­fun­gen bei Au­to­her­stel­lern ein­ge­lei­tet wor­den. Au­di-Chef Ru­pert Stad­ler hat­te erst im März ge­sagt, bei Au­di al­les auf den Prüf­stand zu stel­len. Au­di will mit dem Rück­ruf der rund 24 000 be­trof­fe­nen Fahr­zeu­ge vor­aus­sicht­lich im Ju­li be­gin­nen, wie das Un­ter­neh­men am Vor­tag er­klärt hat­te. 14 000 die­ser Au­tos sind in Deutsch­land zu­ge­las­sen, der Rest in an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern. Bis zum 12. Ju­ni sol­len Lö­sungs­vor­schlä­ge zur Um­rüs­tung über­mit­telt wer­den.

Der Bund will nun wei­te­re Fahr­zeu­ge des VW-Kon­zerns mit ähn­li­chen Mo­to­ren un­ter­su­chen las­sen. Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) kom­men­tier­te die Aus­wei­tung des Ab­gas­Skan­dals mit den Wor­ten: „Ich er­war­te von al­len Au­to­her­stel­lern, dass sie sich end­lich ehr­lich ma­chen.“Die deut­schen Her­stel­ler soll­ten ih­re tech­no­lo­gi­sche Kom­pe­tenz in die Ent­wick­lung von um­welt­freund­li­che­ren Fahr­zeu­gen ste­cken und nicht „auf Trick­se­rei­en rich­ten.“

Die Deut­sche Um­welt­hil­fe for­der­te Kon­se­quen­zen: „Al­len be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen muss die Typ­zu­las­sung ent­zo­gen wer­den“, sag­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Resch. Wa­gen der Ober­klas­se sei­en trotz ih­res ho­hen Prei­ses „be­son­ders schmut­zig“, kri­ti­sier­te er. Tech­nisch sei die Ein­hal­tung der Ab­gas­wer­te kein Pro­blem. „Es ist ei­gent­lich un­glaub­lich, dass aus­ge­rech­net bei Fahr­zeu­gen, die in der Preis­spit­ze lie­gen, we­gen ein paar hun­dert Eu­ro Ein­spa­rung die Ab­gas­wer­te ma­ni­pu­liert wer­den.“

Au­di-Chef Stad­ler hat der­weil die öf­fent­li­chen Aus­sa­gen von Do­brindt (CSU) zu den Ab­gas-Ma­ni­pu­la­tio­nen kri­ti­siert. „Dass Herr Do­brindt al­lein vor­prescht, hat mich per­sön­lich sehr ent­täuscht“, sag­te Stad­ler der „Au­to­mo­bil­wo­che“. „Wir sind al­le zwei Wo­chen beim Kraft­fahrt­bun­des­amt und er­stat­ten Be­richt. Bei 24 000 Au­tos in Eu­ro­pa ha­ben wir Auf­fäl­lig­kei­ten ge­fun­den. Die­se In­for­ma­tio­nen ha­ben wir den Be­hör­den mit­ge­teilt. Dies und das wei­te­re Vor­ge­hen woll­ten wir ge­mein­sam kom­mu­ni­zie­ren“, sag­te Stad­ler. Dass die Be­hör­den il­le­ga­le Soft­ware „ent­deckt“hät­ten, sei das fal­sche Wort. „Wir selbst dre­hen je­des St­ein­chen um.“

Stad­ler ist von Do­brindt ent­täuscht

DIE DIE­SEL-AF­FÄ­RE von VW und sei­nen Töch­tern zieht wei­te­re Krei­se, die Ober­klas­se­toch­ter Au­di und ihr Chef ge­ra­ten im­mer stär­ker un­ter Druck. Fo­to: dpa

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