„Wun­der­ba­rer Ne­ger“fei­ert in al­ter Fri­sche

Bei Ro­ber­to Blan­co knal­len zum 80. die Sekt­kor­ken

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Karls­ru­he. Die Po­li­ti­ker hie­ßen Strauß, Stol­ten­berg und Schmidt, die öf­fent­lich-recht­lich ver­mit­tel­ten Pro­fiZer­streu­er wa­ren Pe­ter Alex­an­der, Udo Jür­gens und To­ny Mar­shall. Oder – für ei­nen eher grel­len Ge­schmack – auch Ro­ber­to Blan­co. Der „wun­der­ba­re Ne­ger“, als den Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Her­mann den En­ter­tai­ner po­li­tisch nicht ganz kor­rekt apo­stro­phier­te, wird 80 Jah­re alt. Am Mitt­woch knal­len die Kor­ken.

Ro­ber­to Blan­co, 1937 in Tu­nis ge­bo­re­ner, stets ex­al­tier­ter Kos­mo­po­lit, ist an­ders als man denkt – und doch ent­spricht er vie­len Kli­schees. Zwei Se­mes­ter lang wid­me­te er sich an der Ma­dri­der Uni­ver­si­tät der Hu­man­me­di­zin, dann sat­tel­te er um aufs Hu­ma­ne oh­ne Me­di­zin: 1957 zeig­te der Sohn ei­nes ku­ba­ni­schen Va­rie­té-Künst­lers der Kon­kur­renz bei ei­nem Nach­wuchs-Wett­be­werb, wie Un­ter­hal­tung wirk­lich geht. Er kon­zer­tier­te mit der le­gen­dä­ren Jo­se­phi­ne Ba­ker, er­wies sich bald je­doch als glück­li­che­re Be­set­zung ei­nes Man­nes fürs Gro­be. Sein pro­gram­ma­ti­scher Gas­sen­hau­er „Ein biss­chen Spaß muss sein“cha­rak­te­ri­siert den Dau­er­gast bei Die­ter Tho­mas Heck, Pe­ter Fran­ken­feld und Hans Ro­sen­thal be­son­ders tref­fend. Da lässt ei­ner den lie­ben Gott ei­nen gu­ten Mann sein und sorgt zu Zei­ten der tro­cke­nen Bon­ner Re­pu­blik da­für, dass der Ma­lo­cher an der Glot­ze nach ge­ta­ner Ar­beit ei­nen Grund zum Schen­kel­klop­fen hat.

Ro­ber­to Blan­co heißt wirk­lich so. Sei­ne leib­li­che Mut­ter – sie starb, als der Ju­ni­or ge­ra­de zwei Jah­re alt war – war Mer­ce­des Blan­co, ei­ne Sän­ge­rin und Tän­ze­rin aus Ku­ba, die die Zeit­ge­nos­sen mit ih­rem le­gen­dä­ren Hüft­schwung be­tört ha­ben soll. Von ihr, so be­kann­te Ro­ber­to Blan­co spä­ter, ha­be er auch die Le­bens­freu­de ge­erbt und den Spaß am Hier und Jetzt. Als er vor lau­ter Spaß den Über­blick über sei­ne Fi­nan­zen zu ver­lie­ren droh­te, zog er sich gleich­sam am ei­ge­nen Schopf aus dem Sumpf: Mit viel Selbst­iro­nie pro­du­zier­te er un­ter tä­ti­ger Mit­hil­fe ei­ner Wer­be­agen­tur und ei­nes Au­to­ver­mie­ters ein lu­kra­ti­ves Vi­deo mit dem Ti­tel „Ein biss­chen spar’n muss sein“.

In Lie­bes­din­gen spar­te das CSU-Eh­ren­mit­glied nie: Nach 40 Ehe­jah­ren sag­te er sich 2004 un­ter­for­dert von sei­ner Ehe­frau Mi­reil­le los, ein Jahr spä­ter trat er mit de­ren deut­lich jün­ge­ren Nach­fol­ge­rin Lu­z­an­dra Straß­burg vor den Al­tar.

Sei­ne Au­ra als Welt­bür­ger weiß Ro­ber­to Blan­co seit je­her mit größ­ter Selbst­ver­ständ­lich­keit zu in­sze­nie­ren. Be­reits lan­ge be­vor der Be­griff In­te­gra­ti­on ge­sell­schaft­li­che Kon­junk­tur hat­te, war der En­ter­tai­ner Kos­mo­po­lit und deut­scher Hei­mat­künst­ler in ei­nem, zeig­te dem Pu­bli­kum ge­ra­de­zu im Exo­ti­schen das Ver­trau­te. Deut­lich wird das beim Blick auf sei­ne Ver­si­on ei­nes Ti­tels von Da­vid Has­sel­hoff. Die­se schafft ei­ne Über­tra­gung di­rekt in die krach­le­der­ne Bier­zelt-At­mo­sphä­re sei­ner baye­ri­schen Freun­de. Statt „Cra­zy For You“singt Blan­co: „Re­si bring Bier“. WELT­BÜR­GER Ro­ber­to Blan­co wird 80. Fo­to: dpa

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