Nach ei­nem 2:3 ge­gen Reut­lin­gen war Schluss

Vier Jah­re hiel­ten sich die Ki­cker vom Bröt­zin­ger Tal in der neu ge­schaf­fe­nen Re­gio­nal­li­ga – dann kam das Aus

Pforzheimer Kurier - - 50 JAHRE FCP-ZWEITLIGA-ABSTIEG -

Mit Ein­füh­rung der Bun­des­li­ga wur­de zu­gleich die Re­gio­nal­li­ga Süd als zweit­höchs­te Leis­tungs­ka­te­go­rie ins Le­ben ge­ru­fen. Die Auf­nah­me­kri­te­ri­en hat­te der 1. FC Pforz­heim er­füllt und streb­te zu­ver­sicht­lich ei­ner mög­lichst er­folg­rei­chen Zu­kunft ent­ge­gen. Die Ab­schieds­glo­cken aus der Re­gio­nal­li­ga läu­te­ten frei­lich für die von Trai­ner Heinz Rup­pen­stein ge­lei­te­te „Club“-Elf be­reits nach vier Jah­ren am 21. Mai 1967 im hei­mi­schen Bröt­zin­ger Tal bei ei­ner 2:3-Nie­der­la­ge ge­gen SSV Reut­lin­gen: Te­pe, Ke­ber, Deng­ler, Neu­reu­ther, Sp­ohn, Weber, Volk­mann, Koth­mann, Holm, Krauß, Schä­fer im „Club“-Dress hat­ten den Ver­stoß des FCP nach 17 Jah­ren aus der Leis­tungs­stu­fe zu er­tra­gen. Nur 500 Be­su­cher wa­ren Zeu­gen des Ab­schieds­spiels.

Für ei­ni­ge Prot­ago­nis­ten je­ner Epo­che hat­te die Re­gio­nal­li­ga­zeit auch an­ge­neh­me Re­mi­nis­zen­zen er­zeugt – trotz des Ab­stie­ges. So be­deu­te­te et­wa für die bei­den Of­fen­si­v­cracks Die­ter Ro­sa­now­ski und Klaus („Fif­fi“) Volk­mann der ers­te Auf­tritt des FC Bay­ern Mün­chen 1964 im Bröt­zin­ger Tal ein denk­wür­di­ger Event, als Sepp Mai­er, Franz Be­cken­bau­er und Gerd Mül­ler an der Enz auf­kreuz­ten. „Der Kup­fer­schmidt hat mich ge­foult, und Ro­sa ver­wan­del­te den Elf­me­ter zum 1:1-Halb­zeit­stand“, weiß Volk­mann noch ganz ge­nau. Und eben­so, dass über 10 000 Be­su­cher den 4:1-Sieg des spä­te­ren Re­kord­meis­ters ver­folg­ten. Die mit Stars ge­spick­ten Of­fen­ba­cher Ki­ckers wie­der­um zähl­ten zum Lieb­lings­ver­ein Volk­manns, ge­gen die er häu­fig zum Match­win­ner wur­de.

Mit ei­ner ne­ga­ti­ven Ent­wick­lung, die Ro­sa­now­ski nach der Ab­dan­kung von Prä­si­dent Will Kö­nig 1959 an­sie­delt, ging denn der schlei­chen­de Nie­der­gang im Pforz­hei­mer Wes­ten ein­her – trotz ver­zwei­fel­ter An­stren­gun­gen auf dem Trans­fer­markt. Nicht al­le Zu­gän­ge er­füll­ten die ho­hen Er­war­tun­gen, wenn­gleich Ki­cker wie Holm (VfL Neu­stadt), Seiß­ler (Hes­sen Kas­sel), Paulick (Vik­to­ria Aschaf­fen­burg) oder da­nach Agu­r­ew und Schrö­ter (bei­de VfL Ne­u­müns­ter) so­wie Burg­hardt (Mainz 05) in den ers­ten bei­den Jah­ren po­si­tiv auf­fie­len. Aus­ge­spro­che­ne Pa­ra­dies­vö­gel wa­ren Adol­fo Go­doy und Ful­ge­ni­co Santan­der, die aus Spa­ni­en ver­pflich­tet wor­den wa­ren. Letzt­lich konn­ten vor der Sai­son 1966/67 die zu­vor en­ga­gier­ten Te­pe (1860 Mün­chen), Koth­mann (FC Kon­stanz), Krauß (VfB Stutt­gart) und Al­f­red Kohl­häufl (Spvgg Platt­ling) das un­ter Coach Rup­pen­stein auf Ha­va­rie­kurs be­find­li­che Ver­eins­schiff auch nicht mehr ret­ten.

Der heu­te 86-jäh­ri­ge, in Karls­ru­he woh­nen­de Heinz Rup­pen­stein war nach ei­ner hal­ben Sai­son 1966/67 für den um­strit­te­nen Ar­pad Med­ve en­ga­giert wor­den, ver­moch­te je­doch die Er­folgs­as­ke­se des FCP eben­so we­nig zu ver­hin­dern. „Der Ka­der war ein­fach zu schwach. Wenn Kee­per Te­pe so stark ge­we­sen wä­re wie ein Jahr spä­ter bei uns, wenn es in der Of­fen­si­ve mehr Durch­schlags­kraft ge­ge­ben hät­te, wä­re der Ab­stieg vi­el­leicht zu ver­mei­den ge­we­sen“, glaubt Die­ter Ro­sa­now­ski. Die mick­ri­ge Aus­beu­te: Nur ge­gen Meis­ter FC Schwein­furt (2:1), SV Wald­hof (2:0) und FC Vil­lin­gen (2:0) sieg­te der „Club“auf sei­ner Ab­schieds­tour­nee.

Auf dem Trai­ner­ka­rus­sell wäh­rend Re­gio­nal­li­ga-Zei­ten be­fan­den sich im Pforz­hei­mer Wes­ten vier Übungs­lei­ter: 1963 Karl Strie­bin­ger, 1963/64 Erich Bier­brodt, 1964 – 1966 Med­ve, 1966/67 Rup­pen­stein. Der Zu­schau­er­schnitt im ers­ten Re­gio­nal­li­ga­jahr 1963/64 von 4 500 Be­su­chern pro Heim­spiel sank bis zur letz­ten Run­de 1966/67 auf et­wa 2 300.

Po­si­tiv im­mer­hin, dass acht Ak­teu­re von 1963/64 bis 1966/67 stets zum Ka­der des 1. FC Pforz­heim ge­hör­ten: Die­ter Ro­sa­now­ski, Ed­mund Herr, Ro­land Holm, Horst Klink, Rolf Neu­reu­ther, Hart­mut Schä­fer, Her­mann Sp­ohn und Klaus Volk­mann. Holm und Neu­reu­ther sind mitt­ler­wei­le ge­stor­ben.

Der ins Ama­teur­la­ger ab­ge­stürz­te „Club“ver­pass­te die Chan­ce, in die Zwei­te Bun­des­li­ga auf­zu­stei­gen, wäh­rend der Auf­stiegs­run­de 1991, als er ge­gen 1860 Mün­chen und Hes­sen Kas­sel schei­ter­te. Und der FCP ließ die Ge­le­gen­heit, sich 1994 in die dritt­klas­si­ge Re­gio­nal­li­ga ein­zu­rei­hen, eben­so un­ge­nutzt wie der VfR Pforz­heim, wel­cher 1995 in der Re­le­ga­ti­on an Ein­tracht Frank­furts Ama­teu­ren schei­ter­te.

Die Hoff­nung auf ei­nen bal­di­gen Ein­zug in die mitt­ler­wei­le viert­klas­si­ge Re­gio­nal­li­ga wird im­mer­hin beim Nach­fol­ge­ver­ein 1. CfR Pforz­heim wei­ter ge­hegt und ge­pflegt. Ger­not Ot­to

Ver­zwei­fel­te Ret­tungs­ver­su­che am Trans­fer­markt

DIE ABSTIEGSMANNSCHAFT aus dem Jahr 1967 konn­te nur drei Sie­ge ein­fah­ren. Der FCP soll­te sich da­von nicht mehr er­ho­len. Fo­to: Mah­ner

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