Sti­lis­ti­sches Wan­dern zwi­schen Wel­ten

Pforz­hei­mer Ku­ri­er prä­sen­tiert die Band „Wil­des Holz“im Ma­ler­saal des Os­ter­feld

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Die kleins­te war klei­ner als ei­ne üb­li­che aus dem Mu­sik­un­ter­richt be­kann­te Block­flö­te, die größ­te manns­hoch. Da­bei han­del­te es sich um ei­ne Sub­groß­bass-Block­flö­te, ge­fer­tigt aus Bir­ken­sperr­holz. Rund ein Dut­zend der Holz­blas­in­stru­men­te hat­te To­bi­as Rei­si­ge, ei­ner von drei Mit­glie­dern der Cross­over-Grup­pe Wil­des Holz, hin­ter sich auf­ge­reiht. Kurz vor der Pau­se de­mons­trier­te Rei­si­ge am Don­ners­tag­abend die gan­ze Klang­brei­te, die sich mit Flö­ten er­zeu­gen lässt.

Er nahm ei­ne kur­ze Phra­se mit ei­nem der In­stru­men­te auf und spiel­te sie per Lo­op wie­der ab. Dann griff er zu ei­nem an­de­ren und leg­te ei­ne neue Phra­se dar­über. Mehr­fach griff er so zu Flö­ten un­ter­schied­li­cher Ton­la­gen, bis am En­de ein kom­ple­xes Werk aus Rhyth­men und Me­lo­di­en ent­stand. Die Flö­ten sind das stil­bil­den­de Ele­ment der Pro­fi-Trup­pe Wil­des Holz, zu Gast im Os­ter­feld-Ma­ler­saal, prä­sen­tiert vom Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Ne­ben dem di­plo­mier­ten Jazz-Block­flö­tis­ten Rei­si­ge stan­den Mar­kus Con­rads am Kon­tra­bass und An­to Kar­au­la an der klas­si­schen Gi­tar­re auf der Büh­ne. Al­le drei spie­len schon jah­re­lang zu­sam­men und ken­nen sich noch aus dem ge­mein­sa­men Mu­sik­un­ter­richt in Reck­ling­hau­sen.

Die Er­klä­rung für den Na­men der Band – na­he­lie­gend: Al­le In­stru­men­te sind aus Holz. Ger­ne spie­len sie auch bei der Be­ti­te­lung ih­rer CDs mit die­sem Na­men: So heißt die jüngs­te „Ast­rein“, ei­ne an­de­re „Mil­des Holz“. Sti­lis­tisch wan­dern die drei zwi­schen al­len Wel­ten. Der Ti­tel „Speed King“der Grup­pe Deep Pur­p­le kommt mo­nu­men­tal­bom­bas­tisch elek­trisch ver­stärkt im Sti­le ei­nes Apo­ca­lyp­ti­ca-Stü­ckes da­her. Di­rekt da­nach spiel­ten die Drei ein rein akus­ti­sches Stück, kom­po­niert vom Bas­sis­ten Con­rads – still, sanft, aus wohl­tem­pe­riert ge­setz­ten Tö­nen. Der Ti­tel: „iVen­ga amor!“. Grö­ßer hät­te der klang­li­che und stim­mungs­mä­ßi­ge Kon­trast kaum sein kön­nen. Ger­ne grif­fen die Mu­si­ker, die bis zu 120 Kon­zer­te pro Jahr ge­ben, auf klas­si­sche Kom­po­nis­ten zu­rück. Auf Beet­ho­vens Kla­vier­so­na­te Nr. 8 „Pa­the­tique“bei­spiels­wei­se. Oder auf ein Stück mit dem Ti­tel Mo­zart 40 – ne­ckisch, wie die­ser zu sei­nem Na­men kam. Ein­mal, er­zähl­te Rei­si­ge, hät­ten sie die Kom­po­si­ti­on im Mu­sik­un­ter­richt ei­ner Schu­le vor­ge­tra­gen und ge­fragt, ob die­se je­mand ken­ne. Ei­ner der Schü­ler ha­be auf­ge­merkt und ge­sagt: Mo­zart 40. Da­bei stell­te sich her­aus: Das war ein Klin­gel­ton sei­nes Han­dys. Tat­säch­lich han­del­te es sich aber um Bach. Den Ti­tel bau­te die Grup­pe in Form ei­nes Med­leys auf: Bach bil­de­te den Rah­men und lie­fer­te den Re­frain für al­ler­lei Pop-Ti­tel. Hei­te­res Stü­ck­era­ten an­schie­ßend: Er­kannt wur­de un­ter an­de­rem Micha­el Jack­sons „Bil­lie Je­an“. Ha­rald Bott

AL­LES AUS HOLZ: Die Cross-over-Band „Wil­des Holz“ver­knüpf­te im Os­ter­feld sanf­te Pop-Tö­ne mit klas­si­schen Klän­gen. Fo­to: Wa­cker

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