Die ge­zähm­te Zeit schlägt Ka­prio­len In­ter­na­tio­na­les Künst­ler­pro­jekt im „LAF“

Pforzheimer Kurier - - KULTUR IN PFORZHEIM -

Wer zähmt nun wen? Die Zeit den Men­schen oder um­ge­kehrt? Zähmt er sich nicht selbst, weil der Mensch die Zeit über­haupt erst er­fun­den hat? In­ter­es­san­te Fra­gen, die seit Don­ners­tag ei­ne Aus­stel­lung beim Ver­ein „LAF – Leer­stand als Frei­raum“in der Öst­li­chen Karl-Fried­rich-Stra­ße 7 mit dem Ti­tel „The Ta­ming of Ti­me“(die Zäh­mung der Zeit) auf­wirft.

Bart De­wi­jze, be­kannt als Lei­ter des Ju­gend­hau­ses, ist Mit­glied des in­ter­na­tio­na­len Künst­ler­kol­lek­tivs „The Art­he­ists“und hat acht Kol­le­gen aus ver­schie­de­nen Län­dern ein­ge­la­den, ein Kunst­werk für die Aus­stel­lung ab­zu­ge­ben. Als Gast aus der Re­gi­on ist Lin­da Wen­del aus Enz­berg mit ei­nem fo­to­gra­fi­schen Print ver­tre­ten, der sie selbst auf Fu­er­teven­tura zeigt. „Ich bin am Mor­gen auf­ge­nom­men wor­den auf der Dü­ne, der nächs­te Ab­schnitt mit den Dü­nen da­hin­ter wur­de mit­tags auf­ge­nom­men und der Him­mel abends“, er­klärt sie das zeit­lo­se und doch zeit­raf­fen­de Bild.

Die Aus­stel­lung soll ei­ne Hom­mage an die Uh­ren­ma­nu­fak­tu­ren Pforz­heims sein und wur­de spe­zi­ell für Gold­stadt 250 kon­zi­piert. Des­halb sei auch der Ti­tel mit der Zeit ge­wählt wor­den. Eng­lisch: Ti­me. Die­ses Wort hört man in der Aus­stel­lung öf­ter. Denn in der Film­kol­la­ge von Co­lin A. Dar­lin aus UK wird das Wort de­kla­miert, bis es ei­nem zu den Oh­ren her­aus­tropft. Von Prin­ce, von Da­vid Bo­wie, von an­de­ren Mu­si­kern, Schau­spie­lern, Künst­lern, die al­le ei­nes ge­mein­sam ha­ben: Sie sind tot, ih­re Zeit ist ab­ge­lau­fen. Auch wenn Initia­tor Bart De­wi­jze iro­nisch auf ei­ne Stu­die des Me­tro­po­li­tan Mu­se­um an­spielt, laut der ein Kunst­werk-Be­trach­ter sich ge­nau 17 Se­kun­den in ein Werk ver­tieft: „As Ti­me Goes By“(wie die Zeit ver­geht), das merkt man je­doch kaum, so span­nend ist die Ar­beit mit die­sem Ti­tel, die bei ei­nem „Art­he­ist-Mee­ting“ent­stan­den ist. Sie zeigt zum ei­nen ech­te Ge­gen­stän­de wie ei­ne ro­te Zwie­bel, ei­ne Topf-Pflan­ze, Ker­ze und St­ei­ne, die auf ei­nem Po­dest aus­stellt sind – und da­zu die von die­sen Ge­gen­stän­den ge­mach­ten Fo­tos. Die viel­schich­ti­ge

Hom­mage an Uh­ren­ma­nu­fak­tu­ren

(Zeit-)Zwie­bel, ei­ne die Na­tur mit ih­ren Zy­klen und dem Ver­blü­hen dar­stel­len­de Pflan­ze. Die Zeit, die man durch An­zün­den oder Aus­bla­sen der Ker­ze schen­ken oder neh­men kann und die fast ewig in der glei­chen Form exis­tie­ren­den St­ei­ne zei­gen Aspek­te der Zeit – und was die­se mit den Ge­gen­stän­den macht (oder nicht macht) sind Ge­gen­stand der Ar­beit. Su­san­ne Roth

i Ser­vice

Die Aus­stel­lung ist don­ners­tags bis sonn­tags 15 bis 19 Uhr ge­öff­net; Füh­run­gen: in­fo@the­art­po­le.com.

ONE TI­ME MO­MENT: Die Zeit wird bei je­dem ge­stoppt, der Lust hat, sich im Rah­men der Ver­nis­sa­ge an der Gestal­tung ei­nes abs­trak­ten Kunst­werks zu be­tei­li­gen. Fo­tos: Roth

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