Fa­mi­li­en­streit lässt ihn nicht los

Win­fried Kö­nig aus Schwann steigt aus Bür­ger­stif­tung aus / Ge­richt lehnt An­zei­ge ab

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Tors­ten Ochs

Strau­ben­hardt. Ein jahr­zehn­te­al­ter Fa­mi­li­en­streit lässt Win­fried Kö­nig aus Schwann ein­fach nicht mehr los. Und zieht nun wei­te­re Krei­se. Ges­tern ist der 64-Jäh­ri­ge end­gül­tig aus der Bür­ger­stif­tung Strau­ben­hardt aus­ge­tre­ten, die er mit­ge­grün­det hat. Er ha­be ihm ei­ne zehn­sei­ti­ge Er­klä­rung über­reicht, be­stä­tigt der Vor­stands­vor­sit­zen­de Han­sF­rie­der Traub. Die Stif­tung und Kö­nigs pri­va­te Din­ge sei­en „zwei Paar Stie­fel“, so Traub. Grund für den Aus­stieg ist für Kö­nig der seit Jah­ren schwe­len­de Streit mit dem Strau­ben­hard­ter Alt­bür­ger­meis­ter Wil­li Rutsch­mann, der eben­falls stell­ver­tre­ten­der Vor­stands­vor­sit­zen­der der Stif­tung ist.

Die Vor­ge­schich­te ist lang und kom­plex. Es geht um Erb­strei­tig­kei­ten (der Pforz­hei­mer Ku­ri­er be­rich­te­te). Kö­nigs Va­ter soll das Tes­ta­ment sei­ner Frau ge­fälscht und da­nach ver­sucht ha­ben, die Tat sei­nem Sohn in die Schu­he zu schie­ben. Die­ser wehr­te sich ge­gen die Vorwürfe. Sei­ne Ver­wandt­schaft ha­be ihn als Ruf­mör­der ver­un­glimpft und sein 2008 ver­stor­be­ner Bru­der zu­dem be­haup­tet, Kö­nig ha­be als Te­enager in den 60er Jah­ren drei Frau­en ver­ge­wal­tigt, so Kö­nig. Das Mo­tiv sei­nes Bru­ders sei da­mals ge­we­sen, ihn als er­bun­wür­dig hin­zu­stel­len, sagt der ehe­ma­li­ge Po­li­zei­pres­se­spre­cher. An die Öf­fent­lich­keit ging Kö­nig an sei­nem letz­ten Ar­beits­tag im März 2013, als er von sei­nem Bü­ro­com­pu­ter E-Mails über den Erb­schafts­streit an Po­li­zei­kol­le­gen ver­schickt hat. Dar­auf­hin wur­de ihm vor­ge­wor­fen, mit be­lei­di­gen­den Mails ge­gen das Bun­des­und Lan­des­da­ten­schutz­ge­setz ver­sto­ßen zu ha­ben. Kö­nig wur­de im ver­gan­ge­nen Ju­li vor dem Cal­wer Amts­ge­richt des­we­gen zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt.

Zu­vor hat­te Kö­nig im April 2008 sei­nen Nach­barn, Stif­tungs­kol­le­gen und da­ma­li­gen Strau­ben­hard­ter Bür­ger­meis­ter Wil­li Rutsch­mann ins Ver­trau­en ge­zo­gen. In ei­nem zwei­ein­halb­stün­di­gen Ge­spräch er­zähl­te er dem Rat­haus­chef vom Streit mit sei­ner Ver­wandt­schaft und bat dar­um, ihn im Kampf ge­gen die Ruf­mord- und Ver­ge­wal­ti­gungs-Vorwürfe zu un­ter­stüt­zen. Ziel des Ge­sprächs sei auch ge­we­sen, zu ver­hin­dern, dass sein bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment in der Bür­ger­stif­tung bei Rutsch­mann schlecht ge­macht wer­den kön­ne, er­klärt Kö­nig.

An­fang 2015 er­hielt Kö­nig dann ei­nen Brief von der Spar­kas­se mit Kon­to­aus­zü­gen. Beim Öff­nen be­merk­te er, dass der irr­tüm­lich an ihn ge­schick­te Brief Kon­to­aus­zü­ge sei­nes Nach­barn Rutsch­mann ent­hielt. Per Ein­schrei­ben schick­te er die Aus­zü­ge an den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter und for­der­te ihn in ei­nem Schrei­ben noch­mals auf, ihn bei der „Wahr­heits­fin­dung“im Erb­schafts­streit zu un­ter­stüt­zen. Rutsch­mann zeig­te Kö­nig dar­auf­hin an – we­gen der Ver­let­zung des Brief­ge­heim­nis­ses und Nö­ti­gung zur Amts­pflicht­ver­letz­tung. Die Staats­an­walt­schaft hat das Ver­fah­ren 2016 je­doch ein­ge­stellt. Kö­nig fühlt sich ver­leum­det von der An­zei­ge und von der Aus­sa­ge des Alt­bür­ger­meis­ters, Kö­nig wür­de ihn „stal­ken“und ha­be ei­ne Pis­to­le zu­hau­se. Kö­nig sieht da­durch sein En­ga­ge­ment in der Bür­ger­stif­tung ver­un­glimpft, aus der er 2013 vor­läu­fig aus­ge­tre­ten war, als die Sa­che mit dem Erb­schafts­streit end­gül­tig ins Rol­len ge­kom­men war. Kö­nig er­stat­te­te im Ok­to­ber 2016 bei der Pforz­hei­mer Staats­an­walt­schaft An­zei­ge ge­gen Rutsch­mann und for­der­te ihn auf, den „Ruf­mör­der“zu be­nen­nen, der be­haup­tet hat­te, Kö­nig ha­be ei­ne Waf­fe zu­hau­se. Da­durch hof­fe er auch her­aus­zu­fin­den, wer hin­ter den Be­haup­tun­gen ste­cke, er ha­be ein Tes­ta­ment ge­fälscht und drei Frau­en ver­ge­wal­tigt, er­klärt Kö­nig.

Wil­li Rutsch­mann woll­te ges­tern ge­gen­über dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er nichts zu dem Sach­ver­halt sa­gen. Das sei ei­ne „pri­va­te Sa­che“und Kö­nig ver­mi­sche Din­ge, die nichts mit­ein­an­der zu tun ha­ben, so Rutsch­mann.

Das Pforz­hei­mer Amts­ge­richt hat den An­trag auf Straf­be­fehl ge­gen Rutsch­mann ge­prüft, ihn En­de April aber ab­ge­lehnt, weil in den Äu­ße­run­gen, die im Rau­me ste­hen, kein hin­rei­chen­der Tat­ver­dacht be­ste­he, er­klär­te der Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Pforz­heim, Bern­hard Ebin­ger. Das Ver­fah­ren sei da­mit be­en­det, die Sa­che ab­ge­schlos­sen.

Für Win­fried Kö­nig aber noch lan­ge nicht. Er ak­zep­tiert die Ent­schei­dung des Ge­richts nicht, will mit sei­ner Ge­schich­te nun ver­stärkt an die Öf­fent­lich­keit ge­hen und so­gar ei­ne Be­loh­nung aus­set­zen, um den oder die Ruf­mör­der zu fin­den. Un­ter an­de­rem über sei­ne In­ter­net­sei­te. „Es geht mir bes­ser, aber gut sieht an­ders aus“, sagt der Strau­ben­hard­ter.

Ge­richt sieht kei­nen Tat­ver­dacht

KÄMPFT UM SEI­NEN RUF: Win­fried Kö­nig sieht sein En­ga­ge­ment in der Bür­ger­stif­tung Strau­ben­hardt ver­un­glimpft. We­gen ei­nes Streits ist er ges­tern aus­ge­tre­ten. Fo­to: Ochs

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