Vom Haus­bau­er zum Wein­bau­ern

Heinz J. Knapp: Spä­te Win­zer­freu­den in Ba­den-Ba­den

Pforzheimer Kurier - - LÄNDER UND LEUTE -

Es ist fast nicht zu glau­ben: erst ei­ne tol­le Kar­rie­re als Ar­chi­tekt, doch dann der ra­di­ka­le Um­schwung hin zu den Re­ben mit ih­ren ed­len Trop­fen. Zwölf Wei­ne, 30 Jah­re Er­fah­rung und 40 Aus­zeich­nun­gen spre­chen für sich. Ei­ner, der dies ge­wagt hat, ist der Ba­de­ner Heinz J. Knapp. Da­bei durch­lief der ge­bür­ti­ge Acher­ner des Jahr­gangs 1930 mar­kan­te Sta­tio­nen - et­wa in Pa­ris, Karls­ru­he, Stock­holm und letzt­lich die Bä­der­stadt Ba­den-Ba­den. Al­les Or­te, die ihn nach­hal­tig ge­prägt ha­ben.

Die un­ge­wöhn­li­che Le­bens­bio­gra­fie von Heinz J. Knapp be­ginnt in Achern, wo er auf­wächst. Als zehn­jäh­ri­ger Knirps hilft er bei sei­nem Onkel in Sas­bach­wal­den bei der Wein­ern­te mit. Die Re­ben­träu­me tre­ten al­ler­dings in den fol­gen­den Jah­ren ganz in den Hin­ter­grund, weil Knapp es dem Groß­va­ter und Va­ter nach­ma­chen, Ar­chi­tek­tur stu­die­ren. Da­bei will er doch Arzt wer­den. Als er in­ner­halb ei­nes deutsch-fran­zö­si­schen Schü­ler­aus­tauschs 1949 in Pa­ris in ei­ne Gal­len­ope­ra­ti­on „rein­schnup­pert“. ist ihm nach drei St­un­den „ster­bens­schlecht“. Das war’s mit dem Arzt­be­ruf.

Von Pa­ris ver­schlägt es den jun­gen Knapp an die Tech­ni­sche Hoch­schu­le in Karls­ru­he, wo er ab 1950 Ar­chi­tek­tur u. a. beim be­rühm­ten Pro­fes­sor Egon Eier­mann stu­diert. Noch heu­te schwärmt er vom päd­ago­gi­schen Ge­schick sei­nes Pro­fes­sors. „Er war sehr kom­mu­ni­ka­tiv und hat­te ei­ne Zeit lang in sei­ne Vor­le­sun­gen die Bi­bel mit­ge­bracht und will­kür­lich auf­ge­schla­ge­ne Pas­sa­gen zur Dis­kus­si­on – im­mer im Blick auf uns Stu­den­ten.“Sein Ziel: bei künf­ti­gen Pla­nun­gen auf um­welt- und men­schen­ge­rech­tes Bau­en zu ach­ten. Nach vier Jah­ren Stu­di­um lan­det er in ei­nem Ar­chi­tek­tur-Bü­ro in Stock­holm. Aus Mo­na­ten wer­den fünf Jah­re. Auf ei­ner sei­ner Sta­tio­nen in Stock­holm lernt er die Lie­be sei­nes Le­bens – Ani­ta Fur­nes­sBorgström aus der klei­nen Ge­mein­de Es­kil­stu­na am Mä­lar­see – ken­nen und hei­ra­tet sie 1959. Be­ruf­lich plant der ba­di­sche Ar­chi­tekt ei­ni­ge Ho­tels- und Re­stau­rant­an­la­gen, Schu­len­und Ver­wal­tungs­ge­bäu­de und war „fas­zi­niert, wie in Skan­di­na­vi­en die bau­li­chen An­la­gen in die Land­schaft hin­ein­kom­po­niert wer­den.“Noch heu­te sind Knapps schwe­di­sche Bau­ten in ih­ren Gr­und­zü­gen er­kenn­bar, bei­spiels­wei­se der Ent­wurf Öba­cka bo­kö (Bü­cher-Bu­cke­lin­sel) in Upp­sa­la und das Land­sta­dshus im süd­schwe­di­schen Halm­stad.

Nach den nor­di­schen Jah­ren reizt ihn 1959 die Lei­tung der Ge­samt­pla­nung für die Er­wei­te­run­gen der Uni­ver­si­tät in Tü­bin­gen. Kur­zer­hand sie­delt er über. Nach drei Wett­be­werbs­er­fol­gen steht die Ent­schei­dung an: „Staat­li­che Für­sor­ge“oder der Sprung in die Selbst­stän­dig­keit. Knapp ent­schei­det sich für letz­te­re, in de­ren Fol­ge­zeit ar­chi­tek­to­ni­sche Bau­ten, et­wa Schu­len, rea­li­siert wer­den. Doch in all den Jah­ren blitzt die Er­in­ne­rung an die ers­ten Re­ben-Kon­tak­te durch.

Die Ent­schei­dung fällt, als sei­ne Frau und er ein ge­eig­ne­tes Fe­ri­en­do­mi­zil su­ge­stellt chen. Das El­sass ist im Ge­spräch, doch die Wahl fällt letzt­lich auf die Pro­vence, ei­nen Hof na­mens „L´Arn­au­de“. Die Fa­mi­lie er­wirbt 1986 nicht nur ein 32 Hekt­ar gro­ßes Land­stück, son­dern da­zu vier Hekt­ar Re­ben. Im sel­ben Jahr fällt die Ent­schei­dung, den Wein auf dem Hof aus­zu­bau­en. Ein Jahr spä­ter wird der ers­te Wein ge­ern­tet. Ein gu­ter Jahr­gang – gleich fünf Me­dail­len. Was folgt sind Krea­tio­nen, die wei­te­re Aus­zeich­nun­gen sor­gen er­hal­ten.

Doch sei­ne Wein­hei­mat ruft ihn 2005 nach Ba­denBa­den. Der in­zwi­schen er­fah­re­ne Win­zer über­nimmt die städ­ti­schen Reb­flä­chen und führt sie ei­ner Neu­ord­nung zu. Ge­meint sind Sil­ber­bu­ckel, Eck­berg (mit Ma­ri­en­ka­pel­le) und Schaf­berg, die sich bis zur Sä­ku­la­ri­sie­rung einst im Be­sitz des Klos­ters Lich­ten­thal be­fan­den. Seit 2006 ge­dei­hen hier auf der klei­nen An­bau­flä­che mit 0,35 Hekt­ar der Re­ben-Sor­ten Pi­not Blanc und Pi­not Noir ex­zel­len­te Weiß- und Spät­bur­gun­der.

Zur Neu­struk­tu­rie­rung der klei­nen, fei­nen Stadt­Do­mä­nen auf 8,5 Hekt­ar zählt u. a. das Ver­brei­tern der Rei­hen­ab­stän­de zwidort­hin schen den Re­ben, um mit Ma­schi­nen bes­ser den Bo­den be­ar­bei­ten zu kön­nen. Dann wer­den zu den Ries­lin­gre­ben die La­gen mit Weiß- und Spät­bur­gun­der, Sau­vi­gnon Blanc, Mer­lot und die Rebs­or­ten Ge­würz­tra­mi­ner und Velt­li­ner neu ge­pflanzt. Knapp: „Da fra­gen ei­ni­ge, wie kommst du auf die Idee, Velt­li­ner hier an­zu­bau­en? Dann ant­wor­te ich: Schaut euch nur die wär­mer wer­den­den Som­mer an, die an süd­li­che­re Re­gio­nen er­in­nern. Und so gibt es des­halb den Velt­li­ner als ei­nen sehr fruch­ti­gen Wein, der im letz­ten Jahr erst­mals ge­ern­tet wird. Auf­grund des Echos bei den Be­stel­lun­gen mer­ken wir, dass die­ser of­fen­sicht­lich gut an­kommt.“

Nicht nur im An­bau geht der Ba­denBa­de­ner neue We­ge, son­dern auch im wein­tou­ris­ti­schen Be­reich. Für ihn ist es we­sent­lich, ei­nen Wan­der­weg durch sei­ne Reb­flä­chen zu schaf­fen und so „auf die herr­li­che Land­schaft hin­zu­wei­sen, die Rebs­or­ten, die Baum­be­stän­de, und al­les mit in­for­ma­ti­ven Be­schil­de­run­gen zu ver­se­hen.“Die­se Weg­füh­rung soll im Som­mer 2017 fer­tig­ge­stellt sein.

Das Kom­bi­na­ti­on Ar­chi­tek­tur und Wein­bau ist lo­gisch. Knapp: „Im Grun­de ist das ei­ne Ein­heit, ei­ne al­te Kul­tur. In Ba­den-Ba­den wur­de nicht nur der Re­ben­an­bau von den Rö­mern über­nom­men, son­dern auch das gu­te Bau­en. Es ist fas­zi­nie­rend, dass sich die His­to­rie wei­ter­pflanzt – ganz gleich, ob ich das mit dem Ar­chi­tek­ten­au­ge se­he oder als Win­zer. Denn die Re­ben sind ein Aus­druck in der Re­ben­land­schaft und ge­stal­ten die Land­schaft mit.“Bern­hard Wa­gner

DER HEI­MI­SCHEN SCHOL­LE VER­BUN­DEN: Heinz J. Knapp in ei­nem sei­ner Wein­ber­ge. Fo­to: Wa­gner

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