Im Her­zen ein Punk

Beth Dit­to

Pforzheimer Kurier - - MUSIK-SZENE - Fo­to: Ma­ry McCart­ney

wä­re Beth Dit­to ger­ne die Front­frau von Gos­sip ge­blie­ben. Doch nach dem Aus­stieg von Gi­tar­rist Nat­han How­des­hell muss sie al­lei­ne wei­ter­ma­chen – und sei es nur, weil ih­re Mo­de-Li­nie ge­floppt ist.

„Ich bin ganz ehr­lich“, so ei­ne red­se­li­ge Beth Dit­to beim In­ter­view im Ber­li­ner So­ho Hou­se. „Ei­gent­lich woll­te ich kein So­lo-Al­bum ma­chen. Und hät­te es mit mei­ner Mo­de­li­nie, die ich 2015 ge­star­tet ha­be, funk­tio­niert, hät­te ich mich dar­auf ver­legt. Doch das Ding ist: Pro­du­zierst du heut­zu­ta­ge in Ame­ri­ka, ist das so teu­er, dass du die Kla­mot­ten nicht preis­wert ge­nug an­bie­ten kannst – und dann dar­auf sit­zen bleibst. In­so­fern ist es Irr­sinn, dass Do­nald Trump die US-Wirt­schaft mit Straf­zöl­len zu schüt­zen ver­sucht – sie ist im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich gar nicht kon­kur­renz­fä­hig und müss­te rund­um er­neu­ert wer­den. Dar­an bin ich ge­schei­tert.“

Al­so hat sie „Fa­ke Su­gar“auf­ge­nom­men, das sie – ei­ne selt­sa­me Wahl – mit R&B-Pro­du­zen­tin Jen­ni­fer (An­dra Day, Ryan Wea­ver) in An­griff ge­nom­men hat. „Ich ha­be Jen­ni­fer en­ga­giert, weil ich ihr ver­traut ha­be. Sie ist kei­ne die­ser ewi­gen Ja-Sa­ge­rin­nen, bei de­nen man nie weiß, was sie wirk­lich den­ken, son­dern sie hat mir ei­ne Men­ge Kon­tra ge­ge­ben. Wir ha­ben uns per­ma­nent um ir­gend­et­was ge­strit­ten, und das fand ich sehr er­fri­schend“, so Beth, die halt doch etEi­gent­lich was an­ders tickt, als die meis­ten Mu­si­ker. Und sei es nur, weil sie mit ih­ren 1,50 Me­tern bei 95 Ki­lo ein ech­tes Ener­gie­bün­del dar­stellt, weil sie re­det wie ein Was­ser­fall, vor krea­ti­ven Ide­en sprüht und über ein um­fang­rei­ches Mu­sik­wis­sen ver­fügt.

So strotzt „Fa­ke Su­gar“, das laut Beth „fast schon er­schre­ckend reif und er­wach­sen aus­ge­fal­len ist“mit ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Grenz­gang zwi­schen Po­wer­Pop, Blues, Soul und ge­fühl­vol­len Bal­laDe­cil­veo den – durch­setzt mit klei­nen mu­si­ka­li­schen Ver­nei­gun­gen vor den Girl­groups der 50er/60er („In And Out“), Blon­die („Oo La La“) und Sui­ci­deMas­ter­mind Alan Ve­ga („Go Ba­by“).

„Im Her­zen bin und blei­be ich ein Punk, und al­les, was ich tue, dient da­zu, Leu­ten et­was na­he­zu­le­gen, das ih­nen in ih­rem Le­ben wei­ter­hel­fen könn­te. Das sie in­spi­riert, wach­rüt­telt und ih­nen neue We­ge auf­zeigt. So, wie es die­ses Al­bum für mich tut. Ich mei­ne, es ist ga­ran­tiert nicht die Neu­er­fin­dung der Mu­sik, aber es zeigt mir, dass ich al­lei­ne klar­kom­me und wie mei­ne Zu­kunft aus­sieht. Näm­lich als En­ter­tai­ne­rin.“

Ge­nau­er: Ei­ne, die tun und las­sen kann, was sie will. Die dem­nächst auf aus­führ­li­che Tour geht, schril­le, bun­te Kla­mot­ten liebt, sich als Sprach­rohr und Front­kämp­fe­rin der LGBT-Be­we­gung ver­steht und laut­stark ge­gen Trump wet­tert.

„Der Typ ist das Schlimms­te, was Ame­ri­ka pas­sie­ren konn­te. Des­halb fra­ge ich mich: Könnt ihr uns nicht mal die Mer­kel aus­lei­hen? Im Ernst: Die Frau ist klas­se! Ich möch­te sie un­be­dingt mal ken­nen­ler­nen und wür­de mich freu­en, wenn sie zu mei­nen Kon­zer­ten kommt. An­ge­la, wenn du das hier liest, gib dir ei­nen Ruck!“Ein lau­tes La­chen, ein Schen­kel­klop­fen – Beth Dit­to ist in ih­rem Ele­ment.

Mar­cel An­ders

„KÖNNT IHR UNS NICHT MAL DIE MER­KEL AUS­LEI­HEN?“: Trump-Has­se­rin Dit­to.

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