Hyp­no­se mit Kat­ze

Sa­ti­re der Wo­che

Pforzheimer Kurier - - BUNTE SEITE -

kom­men uns nie­mals ins Haus. Da wa­ren wir uns si­cher. Je­den­falls kei­ne ech­ten Tie­re. Ei­ne Plüsch­schild­krö­te und ei­ne Di­no­sau­ri­er­lam­pe wa­ren mehr als ge­nug. Da wa­ren wir uns sehr si­cher. Das war vor un­ge­fähr vier Mo­na­ten.

Aber plötz­lich hockt stän­dig die­se Kat­ze auf un­se­rem So­fa. Seit vier Mo­na­ten schon. Im Lau­fe die­ser Zeit hat das Tier nicht nur drei­vier­tel un­se­rer Sitz­mö­bel und Tep­pi­che zer­kratzt, un­se­ren Bal­kon be­schlag­nahmt und un­ser mor­gend­li­ches Aus­schla­fen ab­ge­schafft, son­dern auch un­ser Fern­seh­pro­gramm be­stimmt (das Tier sieht am liebs­ten „GZSZ“, „DSDS“und „Tat­ort“).

Meis­tens aber liegt die Kat­ze schnar­chend ir­gend­wo her­um. Und liegt und schnarcht, reckt die Pföt­chen, dreht sich mal um, wacht kurz auf, macht ei­nen Bu­ckel und ir­gend­et­was ka­putt und schläft wei­ter. Und wenn sie nicht ge­ra­de schläft oder ir­gend­et­was zer­stört, mault sie uns an, weil sie Hun­ger hat. Und dann geht sie wie­der schla­fen. Und wir ste­hen ver­zückt da und fin­den es auch noch nied­lich, wie die Kat­ze un­ser ge­sam­tes Le­ben um­krem­pelt.

„Schau mal“, flüs­tern wir ein­an­der dann lei­se zu, „Wie lieb­lich und un­schul­dig sie aus­sieht, wenn sie schläft.“

Aber wie konn­te es denn ei­gent­lich da­zu kom­men, fra­gen wir uns in wa­chen Au­gen­bli­cken, wenn die Kat­ze uns grad nicht her­um­kom­man­diert. Die Ant­wort

Co­rin­na Ste­ge­mann

ist: Wir hat­ten sie vor vier Mo­na­ten ge­se­hen und ge­kauft. Wie un­ter Hyp­no­se.

Die­se wa­chen Au­gen­bli­cke sind sel­ten und es gibt sie nur dann, wenn das Tier mal so sehr von ir­gend­et­was, was nur es selbst se­hen kann, ab­ge­lenkt ist, dass wir uns sei­nem Ein­fluss kurz­fris­tig ent­zie­hen kön­nen. Dann jagt es un­sicht­ba­ren Phan­to­men nach, und wir kom­men flüch­tig zu Be­wusst­sein. Dann be­mer­ken wir, dass die Plüsch­schild­krö­te ver­Tie­re schwun­den ist. So­gar die Di­no­sau­ri­er­lam­pe ist weg. Die Kat­ze hat of­fen­sicht­lich gan­ze Ar­beit ge­leis­tet, um un­lieb­sa­me Kon­kur­renz aus dem We­ge zu schaf­fen.

Bei die­sen kost­ba­ren Ge­le­gen­hei­ten über­schla­gen wir uns ki­chernd mit Vor­schlä­gen, wo­zu wir die Kat­ze be­nut­zen könn­ten, wenn wir selbst noch das Sa­gen in un­se­rer Woh­nung hät­ten: Wir könn­ten das iPad an sie an­leh­nen, sie als Na­cken­rol­le oder Bett­wurst ge­brau­chen, auch als So­fa­kis­sen wä­re sie gut her­zeig­bar, man könn­te sie an Al­ters­hei­me zur Ge­sell­schaft ver­mie­ten oder Fo­tos von ihr ma­chen, um die­se für viel Geld an das In­ter­net zu ver­kau­fen. Denn noch gibt es nicht ge­nug Kat­zen­fo­tos im In­ter­net.

Aber im­mer, wenn wir uns ge­hen las­sen, wirft die Kat­ze uns ei­nen stren­gen Blick zu und wir hu­schen los, um Fut­ter­näp­fe und Kat­zen­klo zu kon­trol­lie­ren. Denn Är­ger wol­len wir uns nicht ein­han­deln …

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