Grup­pen­er­leb­nis­se mit gleich­ge­sinn­ten Frau­en

Boo­men­de Spar­te

Pforzheimer Kurier - - REISE -

der Har­ley durch Süd­afri­ka. Ei­ne Rei­se für Fans schwe­rer Mo­tor­rä­der. In ei­ner klei­nen Grup­pe kön­nen sie das Land am Kap der Gu­ten Hoff­nung ganz in­di­vi­du­ell er­kun­den. Das Be­son­de­re an die­ser Tour: Al­le Teil­neh­mer sind weib­lich. Or­ga­ni­siert wird die Rei­se von Vi­va­mun­do Rei­sen Wo­men – der Ver­an­stal­ter hat sich auf Frau­en­rei­sen spe­zia­li­siert. Das Gan­ze kam so: Rei­se­fach­frau Michae­la Schif­fer hat sich vor sechs Jah­ren selbst­stän­dig ge­macht. „Schon recht bald ka­men im­mer mehr Kun­din­nen, die nach spe­zi­el­len Rei­sen für Frau­en frag­ten“, sagt sie. Al­so pass­te sie ihr An­ge­bot an. „Am An­fang ha­ben wir noch ei­nen gro­ßen Fo­kus auf So­zia­les auf den Rei­sen ge­legt“, er­in­nert sie sich. So gab es bei­spiels­wei­se Rei­sen nach In­di­en – mit Be­such im SOS-Kin­der­dorf. „Doch es stell­te sich her­aus: Vie­le wol­len das gar nicht“, sagt Schif­fer.

Denn vie­le Frau­en seh­nen sich nach ge­nau den­sel­ben Rei­sen wie an­de­re Ur­lau­ber auch – Sight­see­ing-High­lights be­wun­dern und faul am Strand lie­gen. Mit ei­nem Un­ter­schied: Sie wol­len nicht in ge­misch­ten Grup­pen rei­sen. „Al­lein­rei­sen­de Frau­en füh­len sich oft wie das fünf­te Rad am Wa­gen, wenn um sie her­um lau­ter Paa­re sind“, sagt Schif­fer. Mit­un­ter lan­den sie dann im Re­stau­rant am Ein­zel­tisch ne­ben der Toi­let­te. Oder sie sind plötz­lich der Mit­tel­punkt ei­nes Ei­fer­suchts­dra­mas – mit­un­ter oh­ne ei­ge­nes Ver­schul­den.

Auch Eva Veith kennt sol­che Schil­de­run­gen. Die Grün­de­rin von „Frau­en un­ter­wegs“or­ga­ni­siert seit mehr als 30 Jah­ren Frau­en­rei­sen. „Als wir an­fin­gen, wa­ren wir Exo­ten“, sagt Veith. Das Müt­ter­ge­ne­sungs­werk ge­be es doch schon, er­in­nert sie sich an ei­nen mar­ki­gen Spruch ei­nes Kri­ti­kers An­fang der 1980er Jah­re. Da­bei ver­rei­sen längst nicht nur Singles, ge­schie­de­ne oder ver­wit­we­te Frau­en al­lein. Mit­un­ter kä­men auch Män­ner, die ei­ne Rei­se für ih­re Frau bu­chen – weil sie kei­ne Zeit ha­ben oder kein In­ter­es­se an dem Rei­se­ziel, das ih­re Frau schon seit Jah­ren se­hen will, er­zählt sie.

Die Mo­ti­ve der Frau­en, so zu ver­rei­sen, sind sehr un­ter­schied­lich. „Man­che Frau will nicht ganz al­lein rei­sen“, sagt Veith. An­de­re trau­en sich nicht, al­lein fer­ne, exo­ti­sche Län­der zu be­su­chen. „Vie­len sagt aber auch ein­fach un­ser An­satz zu, Städ­te, Re­gio­nen und Län­der aus Frau­en­per­spek­ti­ve zu ent­de­cken“, sagt sie. Die Dy­na­mik in ei­ner Frau­en­grup­pe sei oft an­ders als in man­cher ge­misch­ten Grup­pe. Bei den Sport- oder Ak­tiv­rei­sen ist in der Re­gel auch die Lei­tung weib­lich. So geht es we­ni­ger dar­um, mög­lichst schnell, hoch oder weit zu kom­men. Die Frau­en wol­len Ak­ti­vi­tä­ten oh­ne Kon­kur­renz­druck. Sie ge­nie­ßen es, et­was von der Land­schaft zu se­hen und über das Land zu ler­nen, wie Veith er­klärt. Bei den Rei­sen geht es aber nicht nur soft zu: So steht et­wa ein Boot­camp im Huns­rück zur Aus­wahl. „Da ist man mit all sei­nen Sa­chen un­ter­wegs und schläft drau­ßen im Zelt“, er­zählt Veith.

Die Teil­neh­mer­zahl der Grup­pen ist meist über­sicht­lich. „So fah­ren wir nicht mit ei­nem rie­si­gen Rei­se­bus vor und kön­nen an Or­te kom­men, die an­de­re gar nicht an­fah­ren kön­nen“, sagt SchifMit Meist sei­en Frau­en auch of­fe­ner für An­ge­bo­te, bei de­nen Män­ner nur mü­de lä­cheln – et­wa Yo­ga, me­di­ta­ti­ves Wan­dern oder Zum­ba. Und mit Gleich­ge­sinn­ten kom­me man leich­ter ins Ge­spräch, sagt Schif­fer.

Die gro­ßen Rei­se­ver­an­stal­ter sind auf den Zug noch nicht auf­ge­sprun­gen – manch ei­ner bie­tet zwar Sing­le­rei­sen an, aber kei­ne Ur­lau­be nur für Frau­en oder Män­ner. Mar­tin Lin­ne von der Ge­sell­schaft für Tou­ris­mus­for­schung sagt, der Markt für Frau­en­rei­sen sei zwar nicht groß, aber er bie­te Po­ten­zi­al nach oben. Gen­der Mar­ke­ting sei im Tou­ris­mus noch recht neu, aber zie­he durch­aus ei­ne kauf­kräf­ti­ge Ziel­grup­pe an.

Die Chan­ce der Ni­schen­an­bie­ter ist es, Rei­sen ab­seits des Mas­sen­tou­ris­mus zu or­ga­ni­sie­ren. „Die Gäs­te er­war­ten im­mer in­di­vi­du­el­le­re An­ge­bo­te“, er­klärt Lin­ne. Da die Ziel­grup­pe bei Frau­en­rei­sen klar de­fi­niert ist, ha­ben die Ver­an­stal­ter ei­nen Vor­teil: „Die Tou­ren kön­nen sehr viel in­di­vi­du­el­ler auf In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­se aus­ge­rich­tet wer­den, als wenn sie für brei­ter an­ge­leg­te Ziel­grup­pen kon­zi­piert wer­den.“Das um­fasst laut Lin­ne al­le Be­rei­che – „vom Un­ter­hal­tungs- und Kul­tur­an­ge­bot und der Gas­tro­no­mie bis hin zu in­di­vi­du­el­ler Un­ter­brin­gung und Ak­ti­vi­tä­ten“.

Bil­lig sind sol­che Rei­sen meist nicht – aber auch nicht teu­rer als ver­gleich­ba­re An­ge­bo­te an­de­rer Ver­an­stal­ter. Wenn die Rei­sen zu exo­ti­schen Zie­len füh­ren und da­durch län­ger dau­ern, ge­hen sie na­tür­lich mehr ins Geld: 14 Ta­ge zu den Kraf­tor­ten Ne­pals kos­ten mehr als zwei Wo­chen Club­ur­laub auf Gran Ca­na­ria. Wer den Geld­beu­tel scho­nen will, kann bei rei­nen Frau­en­grup­pen bei ei­ni­gen An­bie­tern ein hal­bes Dop­pel­zim­mer bufer. chen – statt ein Ein­zel- oder Dop­pel­zim­mer. Dann tei­len sich zwei Rei­sen­de den Preis und ein Zim­mer. „In der Re­gel geht das oh­ne Pro­ble­me“, sagt Veith.

Wäh­rend es bei ihr nur Rei­se­lei­te­rin­nen gibt, ist bei Michae­la Schif­fer auch der ein oder an­de­re Mann vor Ort. In Ma­rok­ko zeigt Bei­spiel Ali, ein pen­sio­nier­ter Leh­rer, den Be­su­che­rin­nen sein Land. „Mit ihm ar­bei­ten wir schon lan­ge zu­sam­men, ken­nen ihn per­sön­lich“, er­zählt Schif­fer. Mit­un­ter tref­fen die klei­nen Grup­pen auch aus­ge­wan­der­te Deut­sche, die ih­nen ganz per­sön­li­che Ge­schich­ten vom Le­ben in ih­rer neu­en Hei­mat er­zäh­len kön­nen. Ve­re­na Wolff

GE­MEIN­SA­ME IN­TER­ES­SEN: Statt sich un­ter lau­ter Paa­ren als fünf­tes Rad am Wa­gen zu füh­len, bu­chen man­che Al­lein­ste­hen­de lie­ber ei­ne spe­zi­el­le Frau­en­rei­se. Fo­to: On­Board / Wes­tend61

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