Es­ka­la­ti­on am Golf

Ara­bi­sche Staa­ten bre­chen di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen zu Ka­tar ab

Pforzheimer Kurier - - POLITIK -

Ri­ad/Do­ha (dpa). Sau­di-Ara­bi­en und an­de­re ara­bi­sche Län­der ha­ben al­le Kon­tak­te zu Ka­tar ab­ge­bro­chen und da­mit die schwers­te di­plo­ma­ti­sche Kri­se in der Re­gi­on seit Jah­ren aus­ge­löst. Die Staa­ten wer­fen dem Emi­rat vor, Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen zu un­ter­stüt­zen. Drei von ih­nen stopp­ten den Luft­ver­kehr mit Ka­tar. Das ka­ta­ri­sche Au­ßen­mi­nis­te­ri­um er­klär­te, die Maß­nah­men sei­en un­ge­recht­fer­tigt und ba­sier­ten auf fal­schen Be­haup­tun­gen. Der klei­ne Staat am Per­si­schen Golf ist Stand­ort der größ­ten US-Mi­li­tär­ba­sis in der Re­gi­on und als Aus­tra­gungs­ort der Fuß­ball-WM 2022 vor­ge­se­hen – er ist nun­mehr weit­ge­hend iso­liert. Der Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB), Rein­hard Gr­in­del, schloss ei­nen Boy­kott des Tur­niers nicht grund­sätz­lich aus.

Das Ver­hält­nis meh­re­rer Golf­staa­ten zu Ka­tar ist seit lan­gem an­ge­spannt. Be­reits vor rund drei Jah­ren hat­ten Sau­di-Ara­bi­en, Bah­rain und die Emi­ra­te ih­re Bot­schaf­ter für ei­ni­ge Mo­na­te aus Ka­tar ab­ge­zo­gen. Sie stie­ßen sich vor al­lem an der Un­ter­stüt­zung Ka­tars für die ägyp­ti­schen Mus­lim­brü­der. Ägyp­ten, Sau­di-Ara­bi­en und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te (VAE) ha­ben die Is­la­mis­ten als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ver­bo­ten.

Ka­tars Nach­bar­län­der Sau­di-Ara­bi­en, Bah­rain und die VAE schlos­sen ges­tern in ei­nem ko­or­di­nier­ten Vor­ge­hen die Gren­zen. Sie for­der­ten Bür­ger Ka­tars bin­nen 14 Ta­gen zur Aus­rei­se auf. Auch Ägyp­ten und der Je­men bra­chen al­le Be­zie­hun­gen zu Ka­tar ab. Ka­ta­ri­sche Di­plo­ma­ten müs­sen die be­trof­fe­nen Staa­ten in­ner­halb von 48 St­un­den ver­las­sen. Sau­di­Ara­bi­en, Bah­rain und Ägyp­ten stopp­ten auch den Luft­ver­kehr mit Ka­tar. Aus Re­gie­rungs­krei­sen in Ri­ad hieß es, Ka­tar wol­le Sau­di-Ara­bi­en spal­ten, wie die staat­li­che sau­di-ara­bi­sche Nach­rich­ten­agen­tur SPA mel­de­te. Ka­tar um­ar­me zahl­rei­che Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen, um der Sta­bi­li­tät in der Re­gi­on ei­nen Schlag zu ver­set­zen. Da­zu zähl­ten ne­ben dem IS und den Mus­lim­brü­dern auch Grup­pen, die vom schii­ti­schen Iran ge­för­dert wür­den. In Ka­tar un­ter­hielt die ra­di­kal­is­la­mi­sche Pa­läs­ti­nen­ser­or­ga­ni­sa­ti­on Ha­mas ihr Haupt­quar­tier, bis ih­re An­füh­rer zur Aus­rei­se auf­ge­for­dert wur­den.

Die USA, die EU und der Iran zeig­ten sich be­sorgt über die Ent­wick­lun­gen. US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son rief die ara­bi­schen Staa­ten auf, ih­re Strei­tig­kei­ten bei­zu­le­gen. Das US-Mi­li­tär be­fürch­te­te zu­nächst kei­ne Aus­wir­kun­gen für sei­ne Ein­sät­ze im Na­hen Os­ten, et­wa im Kampf ge­gen den IS. Die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni be­ton­te, Ko­ope­ra­ti­on sei der Schlüs­sel für Si­cher­heit in der Re­gi­on.

ISO­LIERT: Ka­tars Emir Scheich Ta­mim bin Ha­mad Al-Tha­ni (vorn). Die Golf­staa­ten ge­hen auf Dis­tanz zu dem Emi­rat. Fo­to: dpa

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