Si­cher­heit als Haupt­the­ma

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - JO­CHEN WITT­MANN

Das Tat­sche­ma ist all­zu be­kannt: Ein Au­to wird zur Waf­fe um­funk­tio­niert, um Pas­san­ten zu tö­ten. Mit Mes­sern wird die Atta­cke fort­ge­setzt, auch hier das Ziel: Mög­lichst vie­le Zi­vi­lis­ten zu er­mor­den. Der Ter­ror hat wie­der ein­mal in Lon­don zu­ge­schla­gen. Doch so er­schre­ckend der An­schlag für Groß­bri­tan­ni­en ist, so we­nig will sich ei­ne De­mo­kra­tie da­von er­schüt­tern las­sen: Die Wah­len am Don­ners­tag, gab Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May be­kannt, wer­den nicht ver­scho­ben. Der Wahl­kampf ging ges­tern wei­ter.

In ih­rer An­spra­che nach der Atta­cke vor ih­rem Amts­sitz in der Dow­ning Street ging die Re­gie­rungs­che­fin in die­ser Hin­sicht gleich in die Of­fen­si­ve. Mit Blick auf den Wahl­kampf prä­sen­tier­te sie ei­nen Vier-Punk­te-Plan zur Be­kämp­fung des is­la­mis­ti­schen Ex­tre­mis­mus. Man müs­se die­se Ideo­lo­gie nicht nur durch Ter­ror­ab­wehr be­kämp­fen, sag­te sie, son­dern auch mög­li­che Ge­fähr­der recht­zei­tig er­ken­nen und sie von ih­rem Den­ken ab­brin­gen. „Es ist Zeit zu sa­gen: Ge­nug ist ge­nug“, er­klär­te May. „Wenn es dar­um geht, den Ex­tre­mis­mus zu be­kämp­fen, müs­sen sich die Din­ge än­dern.“

Es ist ein Vier-Punk­te-Plan, der schnell auf viel Kri­tik stieß, vor al­lem, weil die De­tails fehl­ten. Wie kann ei­ne Re­gu­lie­rung von On­li­ne-Sei­ten wie Face­book

oder YouTu­be durch­ge­setzt wer­den, wenn die­se nicht der bri­ti­schen Ge­richts­bar­keit un­ter­lie­gen? Wie soll die Get­toi­sie­rung der bri­ti­schen Ge­sell­schaft in Pra­xis ver­mie­den oder rück­gän­gig ge­macht wer­den? Wie kön­nen län­ge­re Haft­stra­fen ei­nen Ter­ro­ris­ten ab­schre­cken, der es dar­auf an­legt, bei sei­ner Tat ums Le­ben zu kom­men? We­ni­ger ein Plan, mehr ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung war es, was May den Bri­ten an­bie­ten konn­te.

Für den Wahl­kampf al­ler­dings setz­te ih­re An­spra­che das The­ma Si­cher­heit wie­der an die ers­te Stel­le. Der Her­aus­for­de­rer und La­bour-Chef Je­re­my Cor­byn re­agier­te mit ei­nem An­griff auf May selbst, die ja als In­nen­mi­nis­te­rin seit 2010 und Pre­mier­mi­nis­te­rin seit ei­nem Jahr ver­ant­wort­lich für die na­tio­na­le Si­cher­heit zeich­net. Cor­byn ver­damm­te die Spar­po­li­tik der Re­gie­rung. „Man kann die Öf­fent­lich­keit nicht auf die bil­li­ge Tour be­schüt­zen“, sag­te er. Wäh­rend sich Her­aus­for­de­rer und Re­gie­rungs­che­fin ge­gen­sei­tig be­har­ken, müs­sen sich die Bri­ten in den we­ni­gen ver­blei­ben­den Ta­gen ih­re ei­ge­ne Mei­nung dar­über bil­den, wer von den bei­den bes­ser ge­eig­net ist, für die na­tio­na­le Si­cher­heit zu sor­gen – und es sieht eher da­nach aus, dass am Wahl­tag der Amts­bo­nus von May hier den Aus­schlag ge­ben wird.

Mays Plan feh­len die De­tails

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