Ein gu­ter Tag

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - THEO WES­TER­MANN

Der Pfingst­sams­tag war ein gu­ter Tag für Karls­ru­he. Na­tür­lich nicht, was den so­ge­nann­ten „Tag der deut­schen Zu­kunft“an­geht, den ei­ne neo­na­zis­ti­sche Klein­par­tei groß­spre­che­risch für sich re­kla­miert und den rechts­ex­tre­me Rei­se­ka­der seit ei­ni­ger Zeit je­des Jahr in ei­ne an­de­re Stadt brin­gen. Son­dern es war der Um­gang da­mit. Die Bür­ger­ge­sell­schaft fand ei­nen an­ge­mes­se­nen Um­gang mit die­sem un­ge­woll­ten Er­eig­nis und stell­te zu­sam­men mit dem Chris­to­pher Street Day und den Ge­gen­kund­ge­bun­gen in Dur­lach be­ein­dru­cken­de Zei­chen und Be­kennt­nis­se auf die Bei­ne.

Dass die be­fürch­te­te Ge­walt im We­sent­li­chen aus­blieb, hat mit der kla­ren Ver­or­tung des bür­ger­li­chen Pro­tests auf Fried­lich­keit zu tun. Dies war im Vor­feld im­mer wie­der be­tont wor­den, dies war der Te­nor des Sams­tags. Am Sitz des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts soll­te es zu­dem ei­ne na­he­lie­gen­de Er­kennt­nis sein, dass de­mo­kra­ti­sche Grund­rech­te auch für je­ne am Rand des po­li­ti­schen Spek­trums

gel­ten, dass man dies aus­hal­ten muss – aber auch fried­lich da­ge­gen de­mons­trie­ren kann. Und es hat na­tür­lich mit dem enor­men Auf­wand zu tun, den die Karls­ru­her Po­li­zei mit Hil­fe an­de­rer Bun­des­län­der für die­sen Tag be­trie­ben hat­te – rich­ti­ger­wei­se, wie man nun klar sa­gen kann. Die De­mo­be­rei­che wa­ren strikt ge­trennt. Auf Ver­su­che von An­ti­faAk­ti­vis­ten, die Sper­ren zu durch­bre­chen, gab es die im Vor­feld an­ge­kün­dig­te ro­bus­te Re­ak­ti­on der Po­li­zei. Dies be­ka­men je­ne Ak­ti­vis­ten der An­ti­fa zu spü­ren, die die Gren­zen aus­tes­ten woll­ten. Gren­zen ge­setzt be­kam aber auch „Die Rech­te“, bei der die Stadt die Dau­men­schrau­ben an­zog, weil man nicht je­den Red­ner auf Karls­ru­hes Stra­ßen ak­zep­tie­ren woll­te. Das war so­zu­sa­gen der zwei­te Schlag ins Kon­tor der Rechts­ex­tre­mis­ten, nach­dem sie selbst ih­re ei­ge­nen An­hän­ger für Dur­lach nicht mo­bi­li­sie­ren konn­ten. Es war al­so ein gu­ter Tag – für die Mit­te der Ge­sell­schaft, nicht für die ex­tre­men po­lit­schen Rän­der.

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