Po­li­zis­ten schla­gen Alarm

Be­am­te wol­len auch ein­mal ein frei­es Wo­che­n­en­de / „Wert­schät­zung fehlt“

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Karls­ru­he. Die Po­li­zis­ten im Land stöh­nen über zu­neh­men­de Be­las­tun­gen und se­hen die Schmerz­gren­ze lang­sam er­reicht. „Die Kol­le­gen kom­men kaum mehr aus den Stie­feln raus“, sag­te der Lan­des­vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP), Hans-Jür­gen Kirstein. Die Po­li­tik müs­se sich drin­gend Ge­dan­ken ma­chen, wie die Po­li­zei ent­las­tet wer­den kön­ne. Man­che Kol­le­gen hät­ten schon mo­na­te­lang kein frei­es Wo­che­n­en­de mehr ge­habt, sag­te Kirstein. „Wir wol­len zu­min­dest ein „Be­ton-Wo­che­n­en­de“, an dem wir nicht auf Ab­ruf sind oder ar­bei­ten müs­sen.“Der GdP-Lan­des­chef un­ter­strich: „Wir sind da, wenn man uns braucht. Wir wol­len aber ei­ne ver­läss­li­che Pla­nung.“

Ein Groß­auf­ge­bot der Po­li­zei mit mehr als 3 000 Po­li­zis­ten wie bei der Rech­ten-De­mo am Wo­che­n­en­de in Karls­ru­he sei not­wen­dig. Für schlech­te Stim­mung sor­ge aber, wenn die oh­ne­hin ge­rin­ge zu­sätz­li­che Ein­satz­ver­gü­tung für ei­nen Sams­tag von et­wa 2,50 Eu­ro die St­un­de hin­ter­fragt wer­de. „Die Wert­schät­zung fehlt“, be­klag­te Kirstein. Po­li­zis­ten sei­en an­ge­sichts ei­ner an­ge­spann­ten La­ge mit Ter­ror­war­nun­gen im­mer mehr ge­for­dert. „Auch Stadt­fes­te müs­sen ge­si­chert wer­den.“Der Po­li­zei­ge­werk­schaf­ter reg­te des­halb an, bei Fes­ti­vals, Fuß­ball­spie­len oder Fes­ten mehr kom­mu­na­le Ord­nungs­diens­te ein­zu­set­zen, et­wa für die Ver­kehrs­len­kung – und auch die Ver­an­stal­ter mehr in die Pflicht zu neh­men. Zu­dem kön­ne man bei Groß-De­mos ein­mal an­de­re Bun­des­län­der um Un­ter­stüt­zung bit­ten. „Wir hel­fen ja auch an­de­ren aus.“

Schon jetzt schiebt die Po­li­zei ei­nen Berg von Über­stun­den vor sich her: En­de 2016 sum­mier­ten sie sich Kirstein zu­fol­ge auf knapp zwei Mil­lio­nen. „Ten­denz stei­gend.“Aus sei­ner Sicht müss­ten die rund 21 000 Po­li­zis­ten im Land drin­gend per­so­nell ver­stärkt wer­den. „3 000 Po­li­zis­ten mehr wä­ren das Mi­ni­mum“, sag­te er schon an­ge­sichts der vie­len Kol­le­gen, die dem­nächst in Pen­si­on ge­hen. Susanne Kup­ke

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