Ei­ne In­fra­struk­tur oder meh­re­re?

Der Breit­band­aus­bau im Land­kreis Karls­ru­he be­schäf­tigt Ge­richt und Bun­des­netz­agen­tur

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von Klaus Mül­ler und Mat­thi­as Kuld

Karls­ru­he. Die Sa­che schien per­fekt. Der Breit­band­aus­bau im Land­kreis Karls­ru­he er­folgt in öf­fent­li­cher Re­gie, In­ves­ti­tio­nen wer­den in über­schau­ba­rer Zeit re­fi­nan­ziert durch Lei­tungs­ent­gel­te und auf lan­ge Sicht kön­nen Ge­mein­den da­mit so­gar et­was Geld ver­die­nen. Noch steht der Plan, aber es könn­te Pro­ble­me ge­ben. Denn der Land­kreis Karls­ru­he, sei­ne Breit­band­ge­sell­schaft BLK und die Kom­mu­nen be­kom­men bei ih­ren

„Schnel­les In­ter­net“ist ein Mil­li­ar­den­ge­schäft

mil­lio­nen­schwe­ren Ak­ti­vi­tä­ten zur Ver­bes­se­rung der di­gi­ta­len In­fra­struk­tur Stör­feu­er.

Wie die Jung­frau zum Kind – so et­wa sind Land­krei­se zu die­sem Ar­beits­schwer­punkt ge­kom­men. Vor fünf, sechs Jah­ren wa­ren „Breit­band“und „Glas­fa­ser“Din­ge, die der Mo­bil­te­le­fo­nie­rer und In­ter­netu­ser beim Bran­chen­rie­sen Te­le­kom oder an­de­ren TK-Un­ter­neh­men, nicht aber in den Land­rats­äm­tern ver­or­te­te. Ob das Kind wei­ter wächst, wird sich die­se Wo­che er­wei­sen.

Mehr oder min­der un­ver­mit­telt war „schnel­les In­ter­net“auf der kom­mu­nal­po­li­ti­schen Agen­da nach oben ge­rutscht. Un­ter­su­chun­gen zeig­ten, dass Deutsch­land in der Fra­ge von Me­ga­bit pro Se­kun­de im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich weit hin­ten steht. Auch im an­sons­ten struk­tu­rell gut auf­ge­stell­ten Groß­raum Karls­ru­he ha­ben vie­le Or­te und Teil­or­te In­ter­net­ge­schwin­dig­kei­ten, die das Down­loa­den ei­nes Films zur Ge­dulds­pro­be ma­chen.

Der Karls­ru­her Kreis­tag be­griff das The­ma als der Da­seins­für­sor­ge zu­ge­hö­rig und be­schloss 2013, sich um die flä­chen­de­cken­de Breit­band­ver­sor­gung zu küm­mern. 50 Me­ga­bit wa­ren da­mals das Ziel – 2025 soll es nun schon ein Gi­ga für Je­der­mann sein. Sei­ner­zeit, so der Land­kreis, hät­ten Breit­ban­d­an­bie­ter er­klärt, nicht flä­chen­de­ckend tä­tig sein zu wol­len. Al­so ver­stän­dig­te man sich mit den Städ­ten und Ge­mein­den auf ei­ne Ringlei­tung („back­bone“), die Zu­füh­run­gen und den Auf­bau von Orts­net­zen.

Das Gan­ze hat sich aus Kreis­sicht er­freu­lich ent­wi­ckelt. Al­ler­dings sind mitt­ler­wei­le wie­der die Pri­va­ten auf dem Markt. De­ren Aus­bau­maß­nah­men lau­fen, so der Kreis, „teils kon­trär zu den kom­mu­na­len Aus­bau­maß­nah­men“. Zu deutsch: Die Un­ter­neh­men su­chen im mil­li­ar­den­schwe­ren Breit­band­ge­schäft ih­re ei­ge­ne Po­si­ti­on. Dar­über ist es jetzt in Lin­ken­heim-Hoch­stet­ten zum Streit ge­kom­men. Te­le­kom und Uni­ty­me­dia wol­len in ei­nem Neu­bau­ge­biet ih­re ei­ge­ne Netz­in­fra­struk­tur mit­ver­le­gen – die Ge­mein­de will in­des nur mit dem Be­trei­ber des Land­kreis-back­bone, der Fir­ma in­exio, ar­bei­ten. Ei­ne Netz­in­fra­struk­tur? Zwei? Meh­re­re? Das ist die Fra­ge, die nicht nur die Be­schluss­kam­mer der Bun­des­netz­agen­tur klä­ren soll, son­dern auch das Karls­ru­her Amts­ge­richt. Weil nun die im Kreis Karls­ru­he ge­wähl­te Grund­kon­struk­ti­on Nach­ah­mer ge­fun­den hat, kommt der Ent­schei­dung bun­des­wei­te Be­deu­tung zu.

In den Hin­ter­grund tritt da­bei, dass öf­fent­li­che Hand und die Te­le­kom mit tech­nisch un­ter­schied­li­chen An­sät­zen ar­bei­ten. Der Land­kreis will bis 2025 Glas­fa­ser in je­den Haus­halt brin­gen. Das ist an­ge­sichts der Schwer­fäl­lig­keit kom­mu­na­ler Ent­schei­dungs­pro­zes­se und der trotz Zu­schüs­sen ho­hen In­ves­ti­ti­ons­kos­ten zeit­lich und fi­nan­zi­ell äu­ßerst am­bi­tio­niert. Die Te­le­kom will zu­nächst vor­wie­gend mit „auf­ge­rüs­te­tem“Kup­fer („vec­to­ring“) bei den Haus­an­schlüs­sen und dann wei­te­ren Ver­bes­se­run­gen viel schnel­ler beim Kun­den sein.

Als Ziel wird in bei­den Fäl­len das Glei­che for­mu­liert: flä­chen­de­cken­der Aus­bau der Breit­band­in­fra­struk­tur für schnel­les In­ter­net. Dass die Te­le­kom Ernst ma­chen will, hat Vor­stands­chef Tim Hött­ges ver­gan­ge­ne Wo­che be­kräf­tigt: In den kom­men­den zwei Jah­ren sol­len 80 Pro­zent al­ler Haus­hal­te ga­ran­tiert mit 50 Me­ga­bit pro Se­kun­de im In­ter­net sur­fen kön­nen, die meis­ten von ih­nen so­gar mit bis zu 250 Me­ga­bit.

DER BREIT­BAND­AUS­BAU mit ei­nem Glas­fa­ser­netz wird im länd­li­chen Raum oft von den Land­krei­sen be­stimmt. De­ren Über­le­gun­gen sind nicht im­mer kom­pa­ti­bel mit de­nen der Pri­vat­un­ter­neh­men. Ein mög­li­cher Prä­ze­denz­fall wird die­se Wo­che ver­han­delt. Fo­to: dpa

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