„Das EEG schnellst­mög­lich ad ac­ta le­gen“

Che­mie-Ver­bands­chef Utz Till­mann will Sys­tem­wech­sel bei der För­de­rung von Ökostrom

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Ber­lin. Für Utz Till­mann, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des der Che­mi­schen In­dus­trie, ist klar: Die nächs­te Bun­des­re­gie­rung muss ei­ne um­fas­sen­de Re­form des Ge­set­zes für den Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en (EEG) in An­griff neh­men, um Kin­der­krank­hei­ten zu be­sei­ti­gen und wei­te­re Kos­ten­stei­ge­run­gen zu ver­hin­dern. Zwar kä­men die Er­zeu­ger von Ökostrom mit deut­lich we­ni­ger För­de­rung aus, doch es gä­be noch ge­nü­gend Punk­te, die nicht or­dent­lich lau­fen wür­den, so der Haupt­ge­schäfts­füh­rer im In­ter­view mit BNN-Kor­re­spon­dent Mar­tin Fer­ber.

Wel­che Kin­der­krank­hei­ten des EEG mei­nen Sie?

Utz Till­mann: Wir brau­chen ein völ­lig neu­es Fi­nan­zie­rungs­sys­tem. Zwei­tens den Ein­spei­se­vor­rang über­prü­fen: Die Er­neu­er­ba­ren-Er­zeu­ger müs­sen Ver­ant­wor­tung über­neh­men, wenn sie nicht lie­fern kön­nen. Au­ßer­dem brau­chen wir ei­ne en­ge Ko­or­di­na­ti­on und ei­ne Syn­chro­ni­sa­ti­on von Ökostrom­pro­duk­ti­on und Netz­aus­bau. Der­zeit sind die Net­ze kaum mehr in der La­ge, den Strom noch auf­zu­neh­men. Und es kann nicht sein, dass An­la­gen, ob­wohl sie noch nicht am Netz an­ge­bun­den sind, ge­för­dert wer­den.

Sie for­dern bei der Fi­nan­zie­rung der EEG-Um­la­ge, de­ren Vo­lu­men sich im ver­gan­ge­nen Jahr auf 25 Mil­li­ar­den Eu­ro be­lief, ei­nen Sys­tem­wech­sel. Wie soll der aus­se­hen?

Till­mann: Das bis­he­ri­ge Fi­nan­zie­rungs­sys­tem für Neu­an­la­gen muss kom­plett ad ac­ta ge­legt wer­den. Die EEG-Um­la­ge in ih­rer be­ste­hen­den Form soll­te aus­lau­fen. Das hat zur Fol­ge, dass ab ei­nem be­stimm­ten Stich­tag die Um­la­ge nicht wei­ter steigt. Da­mit könn­te der Strom­preis für die pri­va­ten wie die ge­werb­li­chen Kun­den lang­fris­tig bil­li­ger wer­den.

Und was pas­siert mit den Neu­an­la­gen?

Till­mann: Die soll­ten über den Bun­des­haus­halt ge­för­dert wer­den. Das Aus­schrei­bungs­mo­dell funk­tio­niert, wie wir se­hen. Die För­der­sät­ze ge­hen nach un­ten. Das er­öff­net die Chan­ce, mit re­la­tiv klei­nem Bud­get im Bun­des­etat den wei­te­ren Ökostrom­aus­bau, den wir al­le wol­len, zu fi­nan­zie­ren.

Die Grü­nen, Um­welt- und Na­tur­schutz­ver­bän­de so­wie Kli­ma- schüt­zer for­dern nun auch den Aus­stieg aus Braun- und St­ein­koh­le. Ist das über­haupt vor­stell­bar?

Till­mann: Wir kön­nen es uns nicht er­lau­ben, al­le bis­he­ri­gen Ener­gie­trä­ger gleich­zei­tig über Bord zu wer­fen. Gas wä­re zwar mit Blick auf den Kli­ma­schutz viel bes­ser als Koh­le, ist aber deut­lich teu­rer. In 20, 30 Jah­ren wer­den wir auch noch fos­si­le Ener­gie­trä­ger ein­set­zen müs­sen. Und wenn wir die Au­to­mo­bilflot­te auf Strom um­stel­len wol­len und er­neu­er­ba­ren Strom auch ver­stärkt in an­de­ren Be­rei­chen ein­set­zen möch­ten, brau­chen wir sehr viel mehr Strom als heu­te. Das heißt: Auch bei den Er­neu­er­ba­ren muss der Zu­bau sehr viel ra­scher er­fol­gen. Die Gestal­tung der Ener­gie­wen­de muss ei­ne zen­tra­le Auf­ga­be sein, sonst ge­rät der In­dus­trie­stand­ort Deutsch­land un­ter Druck. Wir ste­hen als en­er­gie­in­ten­si­ve Bran­che in Kon­kur­renz zu Län­dern, in de­nen der Strom deut­lich we­ni­ger kos­tet. Wenn wir die Ener­gie­wen­de nicht hin­be­kom­men, wer­den wir in enor­me Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten, denn schon heu­te ge­hen mehr deut­sche In­ves­ti­tio­nen ins Aus­land als ins ei­ge­ne Land.

SORGT SICH UM STROMPREISE: Utz Till­mann. Fo­to: pr

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